Deutsch-türkisches Kabarettfest
Humor ohne Hürden – wenn Interkulturelles und Inklusion zusammenkommen
Politischer Talk, inklusive Comedy und jede Menge türkische Kultur – Vom 1. bis 5. April findet in Stuttgart wieder das deutsch-türkische Kabarettfest statt.
© IMAGO/Sven Simon
Fatih Çevikkollu kommt mit seinem Programm „KI – Kritische Intelligenz“ ins Renitenz.
Von Matthias Ring
Wenn manche schon beim zweiten Mal von einer Tradition sprechen – was sagt man dann beim 20. Mal? Vielleicht „Şaka Maka“. So heißt das deutsch-türkische Kabarettfest, das ab dem 1. April, kein Scherz, zum 20. Mal über die Bühne des Renitenztheaters geht und übersetzt etwa „Spaß beiseite“ bedeutet. Für Roland Mahr ist es als Intendant der Stuttgarter Kleinkunstbühne zwar erst die dritte Ausgabe. Aber er ist schon so lange im Renitenztheater, dass er von der Entstehung berichten kann.
Tradition seit 20 Jahren
In der alten Spielstätte am Tagblattturm ließ man die Abende gerne im benachbarten türkischen Restaurant Charisma ausklingen. Und irgendwie ist dann über den Austausch mit dem Deutsch Türkischen Forum Stuttgart, das heute noch Mitveranstalter ist, die Idee aufgekommen, nicht nur vereinzelte türkische Künstler auftreten zu lassen, sondern ein ganzes Kabarettfest auf die Beine zu stellen.
Was wird zum Jubiläum geboten? „Ein gut durchmischtes Programm mit starkem Comedy-Faktor“, sagt Roland Mahr. Wobei das Festival immer auch politisch war und ist, dieses Jahr mit einem der bekanntesten Kabarettisten Fatih Çevikkollu. Sein Programm „KI – Kritische Intelligenz“ ist ein Plädoyer für den gesunden Menschenverstand gegen Fake-News, Algorithmen und Social-Media-Wahn (4. April). Am Abend zuvor heißt es „Comedy trifft Politik“, wenn laut Mahr „der Mensch hinter den Figuren gezeigt wird“. Im Talk stellen sich die Landtagspräsidentin Muhterem Aras und der „Vater des Migrantenkabaretts“ Muhsin Omurca (3. April).
Grundsätzlich könne man „stolz darauf sein, wie gut das Zusammenleben in Stuttgart funktioniert“, findet Roland Mahr. Man könnte aber auch sagen: „Die Chemie muss stimmen“. So jedenfalls heißt das Programm von Dr. Emir. Der in Nürnberg geborene Sohn eines Iraners und einer Türkin ist promovierter Lebensmitteltechniker und macht also wissenschaftlich fundierte Comedy (2. April). Die Eröffnung von Şaka Maka mag mit dem provokanten Titel „Blind. Lahm. Taub. Die behinderte Comedyshow“ politisch unkorrekt klingen. Aber es ist nun mal so, dass Timur Turga „Deutschlands erster blinder Stand-up-Comedian“ ist. Tan Çağlar, den man noch aus dem Berliner „Tatort“ kennen kann, sitzt im Rollstuhl. Und Okan Seese ist „Deutschlands einziger tauber Comedian“, der auch mit den Übersetzungen in Gebärdensprache seinen Spaß hat (1. April).
Abschlussabend auf türkisch
Ebenfalls schon traditionell endet das Kabarettfest in türkischer Sprache, diesmal mit Aydin Işik, Sertaç Mutlu, Kadir Zeyrek, Serhat Doğan und Fatih Çevikkollu (5. April). Allein schon durch das Deutsch Türkische Forum sei die Community groß genug, den Saal zu füllen, sagt Roland Mahr. Er selbst verstehe zwar kein türkisch, freue sich aber einmal mehr darauf, die besondere Stimmung an diesem Abend zu spüren, denn Humor sei nicht nur eine universelle Sprache, sondern auch eine Überlebensstrategie.
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