Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

„Ich ernähre mich bewusst“

Lizzy Aumeier brilliert mit ihrem Programm „Ja, ich will!“ in der ausverkauften Gruschtelkammer

Auf dem Kontrabass hat sie den Bogen raus und bei ihrem frechen Kabarett sitzt jede Pointe. Mit viel Selbstironie präsentierte Lizzy Aumeier ihr Programm „Ja, ich will!“ in der ausverkauften Gruschtelkammer.

Oberpfälzerin fühlt sich wie jedes Mal in der Gruschtelkammer in Oberbrüden „scheißwohl“. Foto: T. Sellmaier

© Tobias Sellmaier

Oberpfälzerin fühlt sich wie jedes Mal in der Gruschtelkammer in Oberbrüden „scheißwohl“. Foto: T. Sellmaier

Von Claudia Ackermann

AUENWALD. Bereits zum fünften Mal ist Lizzy Aumeier in der Gruschtelkammer in Oberbrüden zu Gast, und die Oberpfälzerin fühlt sich wie jedes Mal hier „scheißwohl“. Wegen der Atmosphäre der Kleinkunstbühne und nicht zuletzt wegen des „verrückten“ Gruschtelkammer-Chefs Charley Graf, wie sie betont.

Den gängigen Schönheitsidealen geht sie in ihrem Programm mit viel Selbstironie auf den Grund. „Ich bin nicht dick, ich flieg nur im Kettenkarussell ein bisschen weiter außen.“ Auf Bill Kaulitz hat sie es abgesehen, aber der wolle ja nichts Festes. „Da werden ihm meine Oberschenkel aber gefallen.“ Sie ernähre sich jedenfalls bewusst: „Bewusstlos geht es ja nicht.“

Aber die Kabarettistin hat nicht nur Sprüche drauf. Zusammen mit Svetlana Klimova an der Geige greift Lizzy Aumeier zum Kontrabass und verwandelt das Programm kurzerhand in ein klassisches Konzert. Am Konservatorium Nürnberg hat sie Kontrabass studiert und dort als erste Frau in diesem Fach das Studium absolviert. Svetlana Klimova, die auch am Klavier begleitet, war Konzertmeisterin bei den Moskauer Symphonikern. Sogar bei der sogenannten ernsten Musik gibt es etwas zu lachen, betrachtet man Lizzy Aumeiers urkomische Mimik.

Zwischendurch macht sie Abstecher in die Politik und nimmt kein Blatt vor den Mund. Donald Trump kriegt sein Fett weg, Gesundheitsminister Jens Spahn oder Ministerpräsident Markus Söder, die „größte bayerische Volksseuche“. Ein Stück in Sprechgesang über alle Parteien ist eingeflochten, bei dem Aumeiers Ehemann Andreas Stock einen kurzen Auftritt als Sprecher „Dr. Kasperl“ hat, mit der immer gleichen Aussage: „Bla, bla, bla.“ Nicht gerade zimperlich geht das Ehepaar miteinander um. So hat der Gatte ihr einen Schlafsack geschenkt, als sie sich einen Bikini wünschte, der alle Problemzonen bedeckt, plaudert die Kabarettistin.

Die Pointen der Powerfrau sitzen Schlag auf Schlag

Lizzy Aumeier, die unter anderem 2010 den Deutschen Kabarettpreis und 2012 den Bayerischen Kabarettpreis erhielt, ist eine Powerfrau. Die Pointen sitzen Schlag auf Schlag. Dazwischen gibt es immer wieder musikalische Einlagen. Die beiden Musikerinnen legen instrumental mit Geige und Kontrabass auf einzigartige Weise Michael-Jackson-Hits hin. Den Text der Band „Die Ärzte“ hat sie umgedichtet: „Oh, ich habe solche Sehnsucht, ich verliere den Verstand. Ich will wieder echte Sozis, Helmut Schmidt und Willy Brandt.“ Bis hin zu „Vivaldi mit Klimakatastrophe“ reicht das Repertoire, wobei die Vier Jahreszeiten beim temporeichen Geigenspiel zum Tornado anwachsen. Trotz allen virtuosen Könnens bleibt die Stimmung nie wirklich ernst.

Frech plaudert Lizzy Aumeier mit dem Publikum. Vor allem, wenn Politiker zum Kabarett kommen, müssen sie damit rechnen, aufs Korn genommen zu werden, ob Vertreter der Kommune oder des Landkreises. Jeder Besucher wird geduzt, so auch Karl und Richard, die immer wieder herhalten müssen. Beide nehmen es mit Humor, und das Publikum amüsiert sich köstlich. Um einen Tatort-Krimi geht es im Programm, als Karl auf die Bühne muss, um festzustellen, ob das Opfer wirklich tot ist. Ist er bereit, doch noch Erste Hilfe zu leisten? Lizzy Aumeier würde sich jedenfalls gemeinsam mit dem begeistert klatschenden Publikum über ein Weiterleben freuen. Da wird doch wohl nicht etwa auf die geplante Schließung der Gruschtelkammer angespielt? Im Kabarett ist alles erlaubt.

Am Ende dreht die Kabarettistin noch mal voll auf. Die Zuschauer biegen sich vor Lachen, wenn sie mit urkomischer Mimik geliftete Frauen auf einem Kreuzfahrtschiff mimt oder der „erotische“ Auftritt zum Song „Kiss me Tiger“ mit den abstrusesten Verrenkungen zur Lachnummer wird. Einmal mehr konnte Lizzy Aumeier das Gruschtelkammer-Publikum begeistern.

Zum Artikel

Erstellt:
1. März 2019, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!