Im Backnanger Helferhaus wird Reisegeschichte lebendig

Von 7. Juli an ist im städtischen Graphik-Kabinett die neue Ausstellung „Zu neuen Ufern – Künstler auf Reisen“ zu sehen. Sie läuft bis 25. Oktober.

Guckkastenbilder wie dieses von Louis Le Coeur (nach Luigi Mayer, um 1812 bis 1814), das den Blick auf den Hauptplatz von Kairo zeigt, wurden im 19. Jahrhundert beliebt. Foto: Janine Kyofsky

Guckkastenbilder wie dieses von Louis Le Coeur (nach Luigi Mayer, um 1812 bis 1814), das den Blick auf den Hauptplatz von Kairo zeigt, wurden im 19. Jahrhundert beliebt. Foto: Janine Kyofsky

Backnang. Reisen bedeutet Bewegung – durch Räume, Kulturen und Ideenwelten. Kaum ein Thema hat die Kunstgeschichte über Jahrhunderte hinweg so nachhaltig geprägt wie die Erfahrung des Unterwegsseins. Lange bevor die Fotografie das Reisen dokumentierte, waren es Künstlerinnen und Künstler, die Landschaften, Städte, Menschen und Begegnungen mit Stift, Pinsel und auf der Druckplatte festhielten. Ihre Werke wurden zu Zeugnissen von Entdeckergeist und kulturellem Austausch. Die neue Ausstellung „Zu neuen Ufern – Künstler auf Reisen“ im städtischen Graphik-Kabinett im Backnanger Helferhaus, Petrus-Jacobi-Weg 5, verfolgt diese Geschichte vom ausgehenden Mittelalter bis in das Industriezeitalter und zeigt, wie Reisen nicht nur den Blick auf die Welt, sondern auch die Kunst selbst veränderte.

Den Auftakt bildet eine Epoche, in der sich das europäische Weltbild grundlegend wandelte. In Werken wie der Schedel’schen Weltchronik erscheint die Welt erstmals als kartografisch und bildlich erfassbarer Zusammenhang. Fremde Städte, ferne Länder und biblische Schauplätze wurden, oft auf Berichten Dritter basierend, mittels Druckgrafiken sichtbar gemacht und vermittelten den Zeitgenossen den Eindruck, ferne Welten unmittelbar betrachten zu können.

Mit der Renaissance wurden Künstler zunehmend selbst zu Reisenden. Ihre Wege führten sie als Handwerksgesellen, Hofkünstler, Pilger oder Gelehrte durch Europa. Zu den prägenden Figuren dieser Epoche zählt Albrecht Dürer (1471 bis 1528), der die Welt in seinen Reisezeichnungen und Tagebüchern erkundete. Seine Reisen eröffneten ihm neue Perspektiven und wurden zum Impuls künstlerischer Erneuerung.

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Auch die Landschaft rückte zunehmend ins Zentrum des Interesses. Der niederländische Zeichner und Radierer Anthonie Waterloo gehört zu jenen Künstlern, die ihre Umgebung mit bemerkenswerter Präzision studierten. Seine auf Reisen entstandenen Zeichnungen lassen die Landschaft als Erfahrungsraum sichtbar werden. Sie dokumentieren eine Zeit, in der das Reisen noch langsam, beschwerlich und zugleich intensiv war.

Seit dem 17. Jahrhundert zog die „Grand Tour“ als klassische Bildungsreise nach Italien Generationen von Künstlern, Gelehrten und Aristokraten an. Sie ermöglichte die Begegnung mit Kunstwerken, antiken Stätten und kulturellen Zentren Europas.

Mit dem Aufkommen von Dampfschiff und Eisenbahn im 19. Jahrhundert veränderte sich das Reisen grundlegend. Entfernungen schrumpften, Reisezeiten verkürzten sich und immer mehr Menschen konnten ferne Orte erreichen. Zugleich entwickelte sich eine neue Bildkultur: Druckgrafiken wurden zu begehrten Erinnerungsstücken, Veduten, Panoramaansichten und Guckkastenbilder verbreiteten Ansichten berühmter Reiseziele und brachten die Ferne in die Wohnzimmer Europas. pm

Öffnungszeiten der Ausstellung

Zeiten Die Ausstellung „Zu neuen Ufern – Künstler auf Reisen“ im städtischen Graphik-Kabinett ist von 7. Juli bis 25. Oktober zu sehen. Die regulären Öffnungszeiten des Graphik-Kabinetts sind Dienstag bis Freitag von 16 bis 19 Uhr sowie Samstag von 11 bis 18 Uhr und Sonntag von 14 bis 18 Uhr. Der Eintritt in die Ausstellung ist frei. Achtung: Vom 15. September an ändern sich die Öffnungszeiten wie folgt: Dienstag bis Freitag von 15.30 bis 18 Uhr sowie Samstag von 11 bis 17 Uhr und Sonntag von 14 bis 17 Uhr. Am Tag der Deutschen Einheit (3. Oktober) ist die Schau von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

Aktuell Die inhaltlich verwandte Ausstellung „Unter Dampf“, die die epochalen Veränderungen durch die Erfindung der Dampfmaschine illustriert, läuft noch bis Sonntag.

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Erstellt:
3. Juli 2026, 06:00 Uhr

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