Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Immer im Dienst der guten Stimmung

Der Backnanger Wolfgang Schettler war viele Jahre lang Bandmitglied im legendären Hofbräuregiment

Partys sind im Moment nicht angesagt, aber sie werden wiederkommen, und mit vielen anderen Formationen wird auch das Hofbräuregiment aus der Zwangspause zurückkehren. In #wirbleibenzuhause-Zeiten haben wir mit dessen leidenschaftlichem ehemaligen Keyboarder Wolfgang Schettler aus Backnang telefoniert.

Wolfgang Schettler war lange Zeit Keyboarder des Hofbräuregiments. Foto: G. Riecker

Wolfgang Schettler war lange Zeit Keyboarder des Hofbräuregiments. Foto: G. Riecker

Von Carmen Warstat

BACKNANG. Wolfgang Schettler gehörte 2004/2005 zu den Gründungsmitgliedern einer Band, der es immer wichtig war, alle Generationen zu erreichen, und die zum festen Bestandteil und legendären Act des Cannstatter Wasens wurde. Ende des Jahres 2018 ist Wolfgang Schettler als Stammmitglied ausgestiegen, denn mit dem Erfolg des Regiments kam eine Belastung, die nebenberuflich nicht mehr zu stemmen war. Als einziger Musiker mit einem Vollzeitjob hat er sich zurückgezogen, ist aber gelegentlich noch als Reservemann dabei.

„Wir marschieren immer mit Uniform und Pickelhaube ein“

„Im Herzen ja! Im Herzen sowieso!“ Wolfgang Schettler sagt es, und man spürt, was das Hofbräuregiment ihm bedeutet. Wenn er erzählt, fällt er mitunter in die Gegenwartsform, gerade so, als wäre er noch jedes Mal dabei: „Wir marschieren immer ein mit Uniform und Pickelhaube und schießen Karabiner ab. Früher waren es Kanonenschüsse, die sind heute verboten.“ Die militärische Anmutung ist ein Spaß, eine Gaudi, ein Jux, aber im Falle des Keyboarders kommt sie nicht ganz von ungefähr. Wolfgang Schettler hatte sich nach der Schule für acht Jahre an die Bundeswehr verpflichtet und war dort Hubschrauberpilot. Bis er nach der „Wende“ wegen der Eingliederung der Nationalen Volksarmee in die Truppe 1991 das Angebot erhielt, vorzeitig zu quittieren. Fortan war er als Kommunikationselektroniker tätig, und seit 2013 arbeitet er für eine Versicherung.

Die Musik aber hat ihn immer begleitet, und seine Geschichte ist eng mit der Stadt Backnang verbunden. „Ich bin Backnanger“, sagt er nur und: „Mein Herz –.“ Maßgeblich hat dies mit den Eltern zu tun, die 1970 begannen, hier Musik zu machen, mit dem Flamingo-Sextett die erste Backnanger Straßenfest-Band hatten und den Schlagerwettbewerb jeweils beginnend mit den Proben bis hin zum Finale bald 20 Jahre lang betreuten. Schon das Flamingo-Sextett mit der Sängerin Margit und dem Keyboarder Wolfgang Schettler (den Eltern von Wolfgang Schettler junior) war also legendär und prägte die städtische Partyszene. Klar war, dass der Sohn diesen Weg weitergehen würde.

Seinen ersten Auftritt hatte der Junior mit 15 vor Senioren in Maubach, es entwickelte sich die Schülerband New Generation, mit der er am Straßenfest-Schlagerwettbewerb teilnahm und den sechsten Platz belegte. Eine spätere Band hieß Racoon und hatte zwei Auftritte im Life. In welchem Maße aber das Hofbräuregiment durch die Decke gehen sollte, überraschte alle. Heute spielt die Truppe etwa 100 Gigs im Jahr und reist mit jeweils 15 Leuten an, darunter neben den Musikern natürlich die Road-Crew sowie die Ton- und Lichttechniker.

Anfangs haben die Musiker „noch alles selbst gemacht“, dann aber so viele Auftritte bekommen, dass das unmöglich wurde. Und bei diesen Auftritten wird gepowert. Bis zu sieben Stunden überbrückt die Band ohne Wiederholungen, wie Wolfgang Schettler hervorhebt. Drei Sets mit bis zu zwei Stunden werden gespielt, dazwischen gibt es (kurze) Pausen, und der Schweiß fließt. Zwei bis drei Liter Flüssigkeitsverlust verzeichnet das Regiment so gesehen pro Abend und Person, was nicht zuletzt an den Uniformen liegt. Entworfen, geschnitten und genäht werden die von Helena Ehinger, „eine ganz Liebe. Wir haben sie alle ins Herz geschlossen.“ Die Schneiderin hat die Trachten im Laufe der Jahre optimiert – längst sind sie atmungsaktiver und nicht mehr ganz so schwer.

Unzählige Highlights hat das Hofbräuregiment seinem Publikum schon beschert. Von Falk Gruber und Dirk Wöhrle (beide aus Althütte) gemeinsam mit Wolfgang Schettler gegründet, wurde das Regiment 2005 vom Wasenwirt Hans-Peter Grandl für acht Auftritte „ungesehen engagiert“. Es schlug ein und ist seither nicht mehr vom Wasen wegzudenken. Weit über 200 Songs umfasst das Repertoire. Viele von ihnen werden in probentechnisch aufwendigen Medleys von bis zu zehn Minuten präsentiert. So gelingt es, innerhalb kürzester Zeit viele Leute zusammenzuführen und jedes Publikum in Fahrt zu bringen. Auch wenn der Schwerpunkt auf Party liegt, ist es ein wichtiges Anliegen, dass jedes Regimentsmitglied seinen eigenen Part beisteuert. So entsteht dann ein recht differenziertes Bild. Schon in der früheren Band, bei den WIPS und späteren VIPS, waren es für Wolfgang Schettler AC/DC, die er leidenschaftlich coverte, um diese Performance später noch auszubauen und zu perfektionieren – „mein Ding – für mich war’s das Highlight“, schwärmt der Keyboarder, der auch die ruhigeren Töne seiner Kollegen zu schätzen weiß: Purple Rain, We Are The World, Someone Like You und andere. Gern erinnert sich Wolfgang Schettler an Open Airs in Althütte oder an die zwei Jahre mit dem Hofbräuregiment als Liveband von Antonia aus Tirol – zahlreiche Fernsehauftritte im ZDF-Fernsehgarten und bei der ARD („Immer wieder sonntags“) wurden bestritten sowie mit Prominenten von Guildo Horn bis Hartmut Engler und Dieter-Thomas Kuhn musiziert.

Allein im Londoner Zelt waren rund 8000 Besucher

Das Hofbräuregiment hat das Oktoberfest nach London, Stockholm, Manchester, Kopenhagen, Verona und anderswohin exportiert und gelernt, dass man dieses mancherorts im Ausland als Faschingsparty feiert. Allein im Londoner Zelt wurden 8000 Menschen bespaßt, und auch die Stadtbesichtigungen, etwa in Stockholm, hat die Band genossen. Entstanden sind im Laufe von 15 Jahren tiefe Freundschaften, die bis in die Fanszene hineinreichen. Beispielhaft nennt Wolfgang Schettler den Leiter des „Reservisten-Clubs“ Michael „Württi“ Württemberger, dem die ideellen Werte ebenso wichtig sind wie der gesamten Truppe. „Wir haben ganz klein angefangen“, betont Schettler zuletzt. Er „weiß noch, was es bedeutet, alles selbst zu besorgen und zu transportieren“, betont, „was alles dranhängt“ und ist stolz, dass der Mitbegründer des Hofbräuregiments Dirk Wöhrle heute sogar Ausbilder von Veranstaltungstechnikern ist.

Beim Fernsehgarten des ZDF mit Antonia aus Tirol. Mit der österreichischen Musikerin und Entertainerin hatten die Hofbräuregiment-Mitglieder und das Publikum viel Spaß. Foto: ZDF

Beim Fernsehgarten des ZDF mit Antonia aus Tirol. Mit der österreichischen Musikerin und Entertainerin hatten die Hofbräuregiment-Mitglieder und das Publikum viel Spaß. Foto: ZDF

Wolfgang Schettler mit Pur-Frontmann Hartmut Engler. Foto: privat

Wolfgang Schettler mit Pur-Frontmann Hartmut Engler. Foto: privat

Zum Artikel

Erstellt:
17. April 2020, 16:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!

Kultur im Kreis

Künstler aus dem Umkreis zweier Akademien

Die erste Ausstellung seit der Schließung wegen Corona wird in der Galerie im Backnanger Helferhaus eröffnet. Unter dem Titel „AnsLicht“ zeigt der Heimat- und Kunstverein einen Querschnitt von Neuerwerbungen aus seiner Grafiksammlung.

Kultur im Kreis

„Das Leben ist zum Feiern da“

Mit dem Hofbräu-Regiment haben die Veranstalter des Backnanger Autokinos das Stuttgarter Frühlingsfest nach Backnang geholt. Mit Partymusik heizte das Ensemble den Besuchern ordentlich ein.

Kultur im Kreis

Von der Idiotie der Gesellschaft

Mit Markus Maria Profitlich gastierte wieder ein Comedian auf dem Parkplatz hinter der Auenwaldhalle. Im Zentrum seines Programms „Schwer verrückt“ stehen die Irrungen und Verwerfungen des heutigen Individualismus – faktische Richtigkeit bleibt dabei zweitrangig.