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Intelligent, komisch, zutiefst musikalisch

A-cappella-Ensemble Die Füenf brachte das restlos ausverkaufte Backnanger Bürgerhaus zum Kochen

Am Ende gibt’s Standing Ovations im Bürgerhaus: Mit Wortwitz und gekonnter Mimik, Gestik und Tanz überzeugt das A-cappella-Ensemble Die Füenf das Backnanger Publikum.

Die Füenf legten sich im Backnanger Bürgerhaus musikalisch und tänzerisch ins Zeug. Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Die Füenf legten sich im Backnanger Bürgerhaus musikalisch und tänzerisch ins Zeug. Foto: A. Becher

Von Carmen Warstat

BACKNANG. Sie nennen sich Justice, Pelvis und Little Joe (jeweils Tenor), Memphis (Bariton) und Dottore Basso (Bass) und kommen aus Stuttgart. Inzwischen deutschlandweit populär, haben sie vor allem mit ihrer Hymne „Mir im Süden“, die in diesem Jahr auf Platz neun der SWR-1-Hitparade landete, längst Erfolgsgeschichte geschrieben. „005 – Im Dienste ihrer Mayonnaise – Sing and Unsing“ heißt ihre neue Show, die zehnte schon, denn die Füenf arbeiten seit nunmehr 23 Jahren zusammen – da stimmt einfach alles.

Legendär ihr Sinn für Humor, der kindliches Blödeln und intelligenten Witz vereint und auch die politische Andeutung nicht scheut. Sie sind hervorragende Schauspieler und Tänzer, Sänger sowieso, und sie arbeiten gleichberechtigt an ihren Programmen. Da gibt es zunächst die hinreißend komischen Schlagermedleys, die die Kommerzmaschine der Musikindustrie durch den Kakao ziehen und dann die eigenen Werke, die jeweils von ihrem Autor vorgetragen und von den anderen vier mit Scat-Gesang, passend närrischem Tanz und Schabernack begleitet werden. Bemerkenswert ist, dass die fünf ohne Choreografen auskommen. Ihr Tanz, die Gestik und Mimik sind so aufeinander abgestimmt, dass man eine lenkende Hand dahinter vermutet, aber die Künstler erarbeiten sich ihre komplexen Programme komplett in Eigenregie.

Der Saal des Backnanger Bürgerhauses ist von Anfang an voll dabei und ganz und gar auf Lachen und Mitmachen eingestellt, als die „Ode auf die erste Reihe“ erklingt. „Wir sind die Guten“ verkünden die Füenf später und fragen, das Publikum, ob es wohl Motown-Music mag. Yeah! Die Reaktionen sind eindeutig, und „Friede, Freude, Eierkuchen“ werden versprochen. Ein wenig im Widerspruch dazu steht ein etwas garstiges Liedlein über die Schwiegermama, hier reimt sich „Schwiegermutter“ auf „gute Butter“, und die Körpersprache des Sängers verrät, was er davon hält. Dann geht es um Diskussionskultur. „Jetzt sag ich was“ handelt von misslingender Kommunikation, von unausweichlichem Aneinandervorbeireden, das die Füenf kongenial komisch darstellen und mit einem pointiert ignoranten Schluss versehen. Weiter gibt es unter anderem Songs über einen Dreckskerl von Chef („Wo ich bin, ist vorne“), über die Perspektive eines Verstorbenen, den Ohrwurm von den süßen Früchten, die nur die großen Tiere kriegen und einen gefeierten interaktiven Teil. Das Publikum darf hier teilhaben an der Gestaltung eines Sommerhits – natürlich erotisch, natürlich auf „S-panisch“. Es ist vor allem Memphis, der urcool agiert, er moderiert, singt, tanzt, heizt ein und nimmt die Mechanismen, die bei der Entstehung und Entfaltung von Sommerhits wirken, virtuos auf die Schippe: „Ich rufe ‚Fiesta‘, und ihr ruft Worte rein, von denen ihr glaubt, dass sie S-panisch sind!“ Er hat einen Hit vorbereitet, der spanische Ausdrücke sinnlos aneinanderreiht, was für ungeahnte Überraschungseffekte und ausufernde Heiterkeit sorgt. Eine der Stärken des Quartetts sind natürlich Wortspiele. Sie beweisen es etwa auch im Song „In der Bar“ oder wenn sie bekannte Schlager thematisch zusammenfassen. Aus Schnulzen werden so Sauf- oder Fressnummern, unschlagbar komisch allemal.

Schließlich ersetzen die begnadeten Sänger in einem letzten Medley das Wort „Love“ jeweils durch „Horst“ („auch wenn das innenpolitisch schwierig ist“). Die Blödelei erreicht einen weiteren Höhepunkt, wenn es dann heißt „You can’t hurry Horst“, „Stop! In the name of Horst!“ oder „Horst hurts“. Das Pfeifkonzert nach der ersten Zugabe („Mir im Süden“) ist ohrenbetäubend, und die Füenf müssen ein weiteres Mal auf die Bühne. Das Publikum verabschiedet sich mit Standing Ovations und macht sich beglückt von einem ganz außergewöhnlichen Konzertabend auf den Heimweg.

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Erstellt:
18. Dezember 2018, 06:00 Uhr

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