Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Jazzauftritt mit nur einem Bass und einem Piano

Erstes Konzert in der Reihe „Jazz in Backnang“ – Die Musiker Richard Bona und Alfredo Rodriguez begeisterten im Bürgerhaus

Das Programm von Bassist Richard Bona war voller Überraschungen und ließ das Publikum nie aus seinem Bann. Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Das Programm von Bassist Richard Bona war voller Überraschungen und ließ das Publikum nie aus seinem Bann. Foto: A. Becher

Von Miklós Vajna

BACKNANG. Vor dem Konzert, dem ersten in der Reihe „Jazz in Backnang“ stellte sich die Frage, ob ein Jazzauftritt mit nur einem Bassisten und einem Pianisten und ohne rhythmische Komponente zwei Stunden lang genügend inhaltliche Variabilität und energetische Spannung bieten kann. Die Frage beantwortete sich nach dem Konzert mit einem überzeugten, beglückten „Ja!!“

Denn es handelte sich bei dem Bassisten um einen gut aufgelegten Richard Bona aus Kamerun. Dieser ist charismatisch, authentisch und immer präsent, außerdem ist er, selbstverständlich, ein sehr guter Musiker. Sein Programm war voller Überraschungen, bar jeder Routine und ließ das Publikum nie aus seinem Bann. Alles wirkte frisch, wie aus dem Moment geboren. Es war eine Freude, bei seiner Performance dabei sein zu dürfen: Entertainment auf sehr hohem Niveau.

Dabei ist Bona voller Energie und Schabernack, aber dennoch durchweg gelassen und entspannt. Seine grundsätzliche große Ernsthaftigkeit bricht er gekonnt mit Selbstironie und bleibt auch bei anzüglichen Späßchen immer sympathisch. Sein Melodiebassspiel in den hohen Lagen wie auch sein Gesang ist wohlklingend und herzbewegend, und er ersetzte die fehlende Rhythmusgruppe durch pulsierendes perkussives Zupfen oder mit seiner Stimme und zeigte in der Zugabe seine Fähigkeiten als sehr guter Gitarrenspieler.

Der kubanische Pianist Alfredo Rodriguez hat eine klassische Pianistenausbildung an verschiedenen Konservatorien in Havanna hinter sich und lässt diese in seinem Spiel immer wieder aufscheinen. Klassische Kadenzpassagen, schnelle Repetitionen, perlende Figurationen, durchgehende Triller im Diskant mit unten liegender Melodie und brillante bis donnernde Oktavläufe in einer und beiden Händen ließen das Publikum immer wieder in begeisterten Jubel ausbrechen.

Die Jazzreihe im Backnanger Bürgerhaus ist, wie es scheint, weit über die Grenzen Backnangs hinaus bekannt und lockte Besucher auch aus entfernteren Regionen an. Außerdem waren neben den Abonnenten der Jazzreihe und erfreulich vielen jungen Besuchern eine große Zahl von im Ländle wohnenden Landsleuten von Bona im Publikum. Sie bereicherten mit geballter Präsenz, Zwischenrufen und spontanen starken Beifallsäußerungen die lebendige Stimmung im Saal.

Das Publikum wurde mit ins Geschehen involviert, mal summte der Saal andächtig „Don’t Know Why“ von Nora Jones, mal konnte getanzt werden, das taten in der Summe immerhin sechs Personen, oder es wurde im Stehen geklatscht und gesungen, was nahtlos in die stehenden Ovationen zum Schluss überging. Schon der Auftrittsapplaus war überwältigend und steigerte sich im weiteren Verlauf zur großen Begeisterung, die Stimmung war je nach Stück hoch konzentriert entrückt oder angeregt, immer aber lebendig und voller Energie.

Zum Artikel

Erstellt:
21. Oktober 2019, 11:30 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!