Lisa Eckhart in Stuttgart

Kaiserin ohne Kleider und Hemmungen

Die Kabarettistin Lisa Eckhart macht an zwei ausverkauften Abenden im Theaterhaus einmal mehr vor nichts und niemandem halt.

Lisa Eckhart ist eine Meisterin der Provokation.

© imago/Future Image/Matthias Wehnert

Lisa Eckhart ist eine Meisterin der Provokation.

Von Matthias Ring

Sie ist wieder da! Aber diesmal so richtig. Vor knapp einem Jahr füllte die in Österreich geborene und in Leipzig lebende Lisa Eckhart mit einer „Lesung“ zweimal das Renitenztheater. Nun ist ihr neues Programm „Kaiserin Stasi die Erste“ in der größten Halle des Theaterhauses zu sehen, die am Samstag und Sonntag mit jeweils mehr als tausend Zuschauern ausverkauft ist.

Der Bühnenerfolg der eigentlich Lisa Lasselsberger heißenden Kabarettistin mag auch an ihrer TV-Präsenz liegen, aber nicht nur an „Nuhr im Ersten“. Sie selbst rückt die Dinge so zurecht: Sie sei nicht Gast von Dieter Nuhr, sondern er nur der Moderator ihrer Sendung. Die zweite Pointe ihrer Richtigstellung: Eigentlich sei Nuhr der geheime Parteichef der Grünen, der sehen wolle, welche Zuschauer an den falschen Stellen lachen, um diese dann verschwinden zu lassen. Sie sei also nur so oft bei ihm, um ein paar von ihnen retten zu können.

Audienz im hautfarbenen Body

Wer zu Lisa Eckhart geht, der weiß eben, dass hier das Humorverständnis etwas weiter geht, dass schon auch, aber nicht nur Witze über Trump und Putin gemacht werden, gibt Biden doch mit seinen geopolitischen Irrungen und Wirrungen zwischen Schweinebucht und Vietnam mehr her. Schade nur, dass „Baerbeck“ und „Habock“ ebenso wenig da sind wie Scholz („derzeit im Winterschlaf und ab Juli dann in der Sommerpause“), um der Kaiserin ihre Aufwartung zu machen. Dafür ist der Geist ihres Generalsekretärs Angela Merkel – „ich gendere nur unter Körbchengröße B“ – anwesend. Der Rahmen dieser ideologischen Vereinigung von Stalin und Sisi zur Doppelmonarchie bleibt aber brüchig und bietet mit dem Anschluss Ostdeutschlands an Österreich allenfalls die Botschaft: „Wenn Sie wieder geführt werden wollen, dann gehen Sie zum Original.“

Dabei steht die Kaiserin den Abend ohne Kleider da. Sie beginnt ihre Audienz im hautfarbenen Body mit nicht viel mehr drüber als einer Käfig-Krinoline, einem Reifrock ohne Rock. Und am Ende dankt sie in einem ostalgisch beflockten Overall wieder ab. Dazwischen sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Wenn sie sexueller Natur sind oder eine Exkursion von Veganismus zu Kannibalismus gemacht wird, muss das nicht zwingend geschmackssicher sein. Es scheint, dass für Lisa Eckhart die allgemeine Achtsamkeit eine immer neue Herausforderung ist, wenn sie etwa die Sorge äußert: „Das erste Mädchen, das mein Sohn heimbringt, ist vielleicht er selbst.“ Ohnehin gebe es für sie nur zwei Geschlechter, „Adel und Pöbel“, mit der österreichischen Gewissheit, dass ein starker Stammbaum keine Äste hat.

Es bleibt also spannend, weil man nie weiß, wie weit sie geht und wo der Spaß aufhört. Zwischen viel Kalkül und noch mehr Ironie wird auch Biografisches verwurstet. Vorwürfe, die vor Jahren zur Ausladung von einem Literaturfestival führten, finden nun ihre Wendung, dass die Bühnenfigur Eckhart von Wagnerianern wegen Zweifel an ihrem Antisemitismus aus Bayreuth ausgeladen und stattdessen zu den Festspielen nach Beirut eingeladen worden sei. Ja, für einen guten Witz würde die Germanistin nicht nur Mann und Kind, sondern auch ihre Großmutter verkaufen, zum Beispiel so: „Meiner Oma ist egal, ob wer rechts oder links ist, Jude oder Antisemit, hetero oder homo – für Oma zählt allein die Hautfarbe.“

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Erstellt:
12. Februar 2024, 09:42 Uhr
Aktualisiert:
12. Februar 2024, 16:24 Uhr

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