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Kein Interesse an Schubladen

Die Kirchberger Band Unzensiert spielt nicht nur Punk und Rockabilly, sondern auch Balladen  –  Neues Album „Unsere Zeit“

Sie machen authentische Texte und Musik, die in keine Schublade passt (von links): Sebastian Zappe (Gitarre), Daniel Strohbeck (Gesang, Bass, Mundharmonika), Patrick Kübler (Schlagzeug), Daniel Kieser (Gitarre, Klavier). Foto: privat

© PSWIRGESTALTEN!

Sie machen authentische Texte und Musik, die in keine Schublade passt (von links): Sebastian Zappe (Gitarre), Daniel Strohbeck (Gesang, Bass, Mundharmonika), Patrick Kübler (Schlagzeug), Daniel Kieser (Gitarre, Klavier). Foto: privat

Von Simone Schneider-Seebeck

KIRCHBERG AN DER MURR. Gut zehn Jahre ist es mittlerweile her, dass sich Daniel Strohbeck, Daniel Kieser und zwei weitere Freunde zusammengeschlossen haben, um eine Band zu gründen. Punkig und schnell war die Devise, wie man auf ihrem ersten Album „Zeiten ändern dich“ von 2013 hören kann. Die Texte? Witzig, kritisch, unverblümt. Eben passend zum Bandnamen „Unzensiert“. „Wir haben lange gerätselt, wie wir uns nennen sollen“, erinnert sich Leadsänger und Bassist Daniel Strohbeck. „Wir wollen das, was wir aussagen möchten, ganz direkt zu Papier bringen.“ Und so kam schließlich der passende Einfall.

Ideengeber und Gitarrist Timo ist mittlerweile nicht mehr dabei – er hatte sich entschieden, die Welt zu erkunden. Auch der ursprüngliche Schlagzeuger musste die Band aufgrund von familiären und beruflichen Änderungen verlassen. Eine Chance für Patrick Kübler und Sebastian Zappe. Letzterer war schon länger Fan der Band. Kaum hatte der Industriemechaniker mitbekommen, dass ein Gitarrist gesucht wird, kaufte er sich eine Gitarre und fing an zu spielen. Ähnlich war es bei Patrick Kübler. Der einzige Nicht-Kirchberger der Gruppe hatte erst kurz zuvor mit Schlagzeugspielen begonnen und trommelte eigentlich bereits in einer anderen Band. Doch: „Unzensiert war besser“, grinst der Feinwerkmechanikermeister.

Das gemeinsame Proben klappt nicht ganz so oft, wie geplant

Und so spielt die Band seit 2015 in der aktuellen Besetzung und seit etwa sechs Jahren auch nicht mehr im Kirchberger Probenraum, sondern in Steinheim. An den alten Gewölbekeller erinnern sich die beiden Gründungsmitglieder mit etwas Wehmut: „Da sind mehr Leute vorbeigekommen und haben zugeguckt.“ Und die After-Show-Partys nach dem Bürgerfest waren legendär. Mit den Anwohnern habe es nie Ärger wegen der Lautstärke gegeben. Leider hatte man in dem alten Gemäuer mit Feuchtigkeit und Schimmel zu kämpfen, doch in Steinheim fand sich ein Ausweichquartier. Regelmäßig treffen sie sich zum Proben, doch so oft wie geplant klappt es aus beruflichen Gründen nicht. Mehrmals im Jahr kann man sie live erleben, so haben sie etwa beim Motorradtreffen in Jux oder in der Belinda in Sulzbach gespielt.

Im Juli kam das neue Album „Unsere Zeit“ heraus. „Wenn man eigene Lieder macht, dann ist eine CD ein Traum“, ist sich die Band einig. Vor allem auf Online-Plattformen werden die Stücke gestreamt und im Internetradiosender AGF Radio Deutschrock gab es zum CD-Release eine Sondersendung. Die 22 Stücke auf zwei CDs zeigen eine erstaunliche Bandbreite auf. Allein das Intro überrascht schon, vor allem, wenn man das Cover vor Augen hat – ein schmuddeliges Ledersofa, Gitarre, Bass, Trommel und Lautsprecher, Bierflaschen. Und dann ein sanftes, aber spannungsgeladenes Instrumentalstück mit Bratsche und Klavier. Kein Schubladendenken eben. Gleich im Anschluss geht es punkig weiter mit „Jahr um Jahr“, bei dem es um die Bandgeschichte geht. Die Texte haben alle einen persönlichen Bezug zur Band, man hört keine Plattitüden.

Die meisten Ideen für neue Texte kommen von Daniel Strohbeck, doch ausgearbeitet werden die Songs gemeinsam. Manchmal geht das schneller und ein Song steht bereits nach einer Probe, manchmal dauert es auch länger. Jeder bringt sich ein. „Wenn man merkt, einem gefällt es nicht, dann lässt man es auch mal weg“, so Gitarrist Daniel Kieser, der seine Brötchen als Automatisierungsingenieur verdient. Hinter manchem Stück steht ein konkreter Anlass. So etwa der Tod eines Kumpels, der musikalisch aufgearbeitet wurde. „Es sind alles Sachen, die uns beschäftigen“, sagt Strohbeck. „Wir werden älter und wir werden mit Neuem konfrontiert“, erklärt der 33-jährige Elektrotechniker. Mit Ende Zwanzig, Anfang Dreißig sieht man eben doch manches anders als in der Jugend.

Auch ein Duett mit einer norwegischen Sängerin ist dabei

Das neue Album spiegelt das sehr gut wider. Lagerfeuerromantik bei „Auf hier und jetzt“ mit Mundharmonika und Akustikgitarre, Country-Klänge mit augenzwinkernden Machoallüren bei „Prolet sein“. Eine ergreifende Ballade mit eindringlicher Klavierbegleitung ist „Du fehlst“, ein Duett mit der bekannten norwegischen Sängerin Liv Kristine. „Am Anfang war das gar kein Duett“, erzählt Sebastian Zappe dazu. Ein Freund hatte ihn gefragt, ob er auf einem Geburtstag Gitarre spielen würde. Liv Kristine sollte singen. Beim gemeinsamen Proben kam das Gespräch auch mal auf die Musik von Unzensiert. Sie gefiel ihr sehr gut, und ganz von selbst kam die Idee auf, aus „Du fehlst“ ein Duett zu machen. „Für Liv Kristine war es selbstverständlich, die Band zu unterstützen“, erinnern sich die vier. Das Ergebnis ist zum Weinen schön. Auch das Intro mit der Bratsche entsprang einer solch spontanen Eingebung. Gesellschaftskritik, Selbstzweifel, Heimatverbundenheit, Spaß, Wehmut, Glück – das alles findet sich auf ihrem Album, und es ist authentisch.

Aus dem Zusammenspiel zwischen Sebastian Zappe und Liv Kristine auf dem Geburtstagsfest wurde übrigens nichts - die Sängerin musste krankheitsbedingt absagen. Daniel Strohbeck sprang ein.

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Erstellt:
5. Oktober 2019, 16:00 Uhr

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