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Klaus Doldinger brilliert

Mitreißendes Konzert des Weltklassejazzers und seiner Band Passport im Backnanger Bürgerhaus

Zur Konzertreihe „Jazz in Backnang“ im Backnanger Bürgerhaus kommen traditionell viele Besucher von weit außerhalb der regionalen Grenzen nach Backnang. So war es – natürlich – auch beim Jazzkonzert mit Klaus Doldingers Passport: Viele fremde Autokennzeichen auf der Straße.

Klaus Doldinger (Mitte) merkt man die beachtliche Zahl an Lebensjahren nicht an. Beim Konzert ist der 83-Jährige unglaublich präsent und sprüht vor Energie. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Klaus Doldinger (Mitte) merkt man die beachtliche Zahl an Lebensjahren nicht an. Beim Konzert ist der 83-Jährige unglaublich präsent und sprüht vor Energie. Foto: A. Becher

Von Miklós Vajna

BACKNANG. Wie immer bei diesen Konzerten herrschte drangvolle Enge im Foyer – das Haus war ausverkauft. Es gab erwartungsvolles Summen und sehr angeregte Gespräche im Saal, die in der Pause fortgeführt wurden. Die beschwingte Stimmung im Saal war von Anfang an auf einem wohltemperierten Niveau, und der Auftrittsapplaus, noch vor dunkler Bühne, fiel sehr herzlich aus.

Und dann steht er da, beleuchtet vom weißen Scheinwerfer, mit Brille, schwarzem Cordsamtjackett und weißem, gestreiften Hemd: Klaus Doldinger, dem man die hohe Zahl an Lebensjahren nicht anmerkt, dank seiner Präsenz und energetischen Power. Der 83-Jährige eröffnet das Konzert mit improvisierten Melodiefetzen auf dem Tenorsaxofon, bevor dann die Band zu einem sehr langen Stück ausholt.

Beim pianodominierten Zwischenteil zieht er sich aus dem Geschehen, setzt sich auf einen Stuhl und lässt die Jungs mal alleine spielen, ist aber bald wieder voll im Geschehen. Sein Saxofonton ist immer noch knackig, charakteristisch rund in der Mittellage, mal auch rau kreischend, jaulend in den Höhen und guttural röhrend in den Tiefen. Er bestimmt die musikalischen Vorgänge, gibt den Musikern durch kurze auffordernde Saxofonimpulse die Improvisationsteile frei und soliert selbst mit von Altersweisheit geprägten musikalischen Einfällen. Seine Anmoderationen sind manchmal etwas ausschweifend, besonders, wenn es um eine Retrospektive seines doch sehr erfolgreichen Lebens geht, aber immer sehr unterhaltsam.

Eine wichtige Komponente von Klaus Doldingers Passport ist der Mann an den Tasten. Michael Hornek gibt die Stilistik vor, liefert an Keyboard und Synthesizer die nötigen abgehobenen Klänge und ist der gleichwertige Dialogpartner des Saxofons. Die Brüder Martin Scales, Gitarre, und Patrick Scales, Bass, geben das Fundament und variables Feeling und haben spannende, einfallsreiche Soli.

Romantisch kreisende Lichtflecken bei der Musik zu „Das Boot“

Die Lichtregie war abwechslungsreich, aber immer passend zur gerade erklingenden Musik: Zu Dschungelklängen mit Assoziationen zu Urwaldlauten war sie grüngelb und braun, bei der schmissigen „Zirkuspolka“ rot und schwarz, und zu den sphärischen Klängen von „Ataraxia“ blauschwarz, mit leichtem Streiflicht. Es gab fließende Farbrahmen um den Bühnenausschnitt und bei der Musik zu „Das Boot“ romantisch kreisende Lichtflecken – da fehlten nur noch die geschwenkten leuchtenden Handydisplays.

Die Stücke sind ausladend konzipiert, mit einem ständigen Drive, und haben wie in der Filmmusik deskriptiven und untermalenden Charakter: Es lassen sich problemlos Szenen und Situationen assoziieren.

Die musikalischen Elemente sind eingängig überschaubar, teils auch monumental, die Änderungen unmerklich, aber das Ganze wird überragend und zwingend zusammengehalten von der energetisch treibenden Rhythmuskraft in Drums und Percussion. Folgerichtig war das Konzerthighlight und der krönende Abschluss der ersten Programmhälfte das gemeinsame freudvolle Schlusssolo des Drummers Christian Lettner und der Percussionisten Ernst Ströer und Biboule Darouiche. Das war ein mitreißendes Wetteifern um die besten Einfälle, ein begeisterndes Zuspielen der rhythmischen Motive und ein gegenseitiges Antreiben zu immer neuen Höhepunkten.

Das Publikum scheint fast jedes Stück zu kennen und ausgiebig zu genießen. Jedes Solo erhält kräftigen Szenenapplaus, regelmäßig gibt es Johlen, Bravorufe und Pfiffe, und am Ende dann vor der Zugabe Standing Ovations.

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Erstellt:
10. Februar 2020, 06:00 Uhr

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