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Kontinuität und Erneuerung

Ulrich Olpp übernimmt den Vorsitz des Backnanger Heimat- und Kunstvereins

Bei der Mitgliederversammlung des Heimat- und Kunstverein in Backnang Anfang März stand die Neuwahl des Vorstandes an. Dessen langjährige Mitglieder treten zum Teil in den Hintergrund, bleiben dort aber aktiv. Neuer Vorstandsvorsitzender ist Ulrich Olpp, der bei einem Gespräch im Helferhaus über den Stand der Dinge informierte.

Der im Helferhaus beheimatete Verein bleibt in Zeiten des Wandels am Puls der Zeit: Ulrich Olpp löst als Vorsitzender Ernst Hövelborn ab. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Der im Helferhaus beheimatete Verein bleibt in Zeiten des Wandels am Puls der Zeit: Ulrich Olpp löst als Vorsitzender Ernst Hövelborn ab. Foto: A. Becher

Von Carmen Warstat

BACKNANG. Ulrich Olpp spricht von Fußstapfen, so groß, dass man sie kaum füllen könne, denn er tritt die Nachfolge Ernst Hövelborns an, und der ist ihm „ein ganz großes Vorbild.“ Neben Hövelborns exzellenter Sachkenntnis schätzt Olpp seine Menschlichkeit und die Fähigkeit zu integrieren sowie andere einzubinden ebenso wie seine tiefe philosophische Bildung und Weitsicht. Den Verein müsse man nicht neu erfinden, habe er doch über die Jahrzehnte viel beachtete anspruchsvolle Einzelabteilungen und Formate entwickelt, die unbedingt fortgeführt werden müssten.

Der Künstler meint hier beispielsweise den Arbeitskreis Erinnern und Gedenken, die Altstadtstammtische oder das Projekt „Backnang im Zeitspiegel“. So sieht Olpp seine erste Aufgabe darin „als Lernender“ zu wirken. Seit zwei Jahren als zweiter Vorsitzender an der Seite Ernst Hövelborns wurde er hervorragend eingeführt und hat so viel Bescheidenheit – auch angesichts beachtlicher eigener langfristiger Projekte und engagierter Mitwirkung etwa im AK Erinnern und Gedenken – sicher nicht nötig. Aber Ulrich Olpp besteht darauf: Er lerne immer noch und werde sein Engagement unter der weitsichtigen Regie seines Vorgängers ausbauen.

Hövelborns unermüdlicher Einsatz für den Heimat- und Kunstverein soll in einer Themen-Ausstellung am Jahresende 2020 ins Zentrum gestellt und gewürdigt werden. Es geht dann um das von ihm geliebte und seit Jahren in Bild und Text bearbeitete Thema „Nacht“. Andererseits wird es auch Neuentwicklungen geben, auf die Uli Olpp mit Vorfreude blickt. Die Saison 2020/21 wird eine Aktion für Druckgrafik bringen, bei der erstmals mit der in der Jugendkunstschule beheimateten (nach dem gleichnamigen Künstler benannten) Heintschel-Presse gearbeitet werden soll. Ein neues Ausstellungsformat befindet sich in der Entwicklung, es ist mit dem Fußballbegriff „Doppelpass“ benannt und „bringt jeweils zwei bis drei Künstler miteinander ins Spiel“. Zwei Ausstellungen dieses Formats hat es bereits gegeben, noch in diesem Jahr sollen einige hinzukommen.

Künstler werden ihre Schubladen öffnen

Ein weiteres interessantes Projekt heißt „Schubladenkunst“: Es soll Künstlern, die bisher nie einen Galeristen hatten und nie öffentlich gemacht wurden, sondern stattdessen bisher „für die Schublade“ arbeiteten, eine Chance geben. Fulminantes Beispiel hier: die Konstruktivismus-Ausstellung „Quadraturen“ von Hans Albrecht im Frühjahr 2018. In diesem Jahr werden es mit Nicole Ostheimer und Fabian Baur zwei Künstler aus dem Backnanger Raum sein, die quasi ihre Schubladen öffnen.

Mitunter hat es zu Ausstellungseröffnungen und Finissagen im Helferhaus schon kleinere Musikevents und Konzerte gegeben. Auch in diese Richtung möchte man sich öffnen und etwas moderner werden. Vielleicht sogar unter dem Arbeitstitel „Helferhaus rockt“. Lesungen und Lese-Performances soll es geben und Slam-artige Veranstaltungen für die Jüngeren, und zwar „gern in Zusammenarbeit mit dem Bandhaus“, wie Olpp anmerkt. „Wir wollen den Verein auch für junge Menschen attraktiv machen.“ Der Altersdurchschnitt liege aktuell weit jenseits der 60. Mit 28 Jahren jüngstes Mitglied ist momentan eine junge Illustratorin aus Waiblingen. Der Vorstandsvorsitzende weist darauf hin, dass unter den derzeit über 300 Mitgliedern die wenigsten zu den aktiven Künstlern zählen und Interesse und Kultur- beziehungsweise Kunstaffinität durchaus für einen Beitritt genügen.

Groß geschrieben wird auch die Zusammenarbeit mit anderen Kunstvereinen. So war im letzten Herbst einer aus Stuttgart-Vaihingen mit acht künstlerischen Positionen zu Gast. Im kommenden April werden elf Backnanger Positionen (also Künstlerinnen und Künstler) dorthin reisen – Ausstellungstitel: „Situationselastisch“. Der Begriff gehört übrigens nicht zu Uli Olpps fast schon legendären Wortschöpfungen, sondern ist das österreichische Wort des Jahres 2014, das sich von einem potenziellen Unwort zu einem geflügelten Begriff entwickelte und so zu Titelchancen kam. „Wir machen daraus etwas Positives“, versichert Olpp, der das Backnanger Kulturleben seit Jahrzehnten überaus schätzt. Es sei eine Blütengemeinschaft. „In dieser Blütengemeinschaft blühen wir mit.“

Info

1. Vorsitzender ist Ulrich Olpp. 2. Vorsitzende Brigitte Jacob. Kassenwart Martin Idler. Schriftführer Ernst Hövelborn (kommissarisch). Kunstabteilung Stefanie Hübner, Barbara Kastin, Ulrich Olpp. Heimatabteilung Ernst Hövelborn (kommissarisch) und Peter Wolf. AK „Erinnern und Gedenken“ Roland Idler. AK Archäologie und Geologie Heiner Kirschmer und Hermann Reinhardt. Grafiksammlung Rudi Limbach. Betreuung der aktiven Künstler unter den Mitgliedern: Barbara Kastin. Kabinett-Ausstellung „Backnang im Zeitspiegel“: Peter Wolf. Mitgliederverwaltung: Hermann Reinhardt.

Änderungen in der Leitungsstruktur des Heimat- und Kunstvereins ab März 2020: Ernst Hövelborn war 1. Vorsitzender und tritt nun in den „aktiven Hintergrund“. Edda Ebert, bisher Leiterin der Kunstabteilung, und Antje Hagen, bisher Schriftführerin, traten zurück und bleiben ebenfalls im Hintergrund tätig.

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Erstellt:
7. März 2020, 11:30 Uhr

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