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Kultur im Kessel – das Baustellenerlebnis

Mit einem Auftritt der einheimische Band „Loud and Proud“ startet das Sommer-Kulturprogramm im kleinen Rahmen in der Belinda. Neben Musik sind auch Kabarett und Gottesdienste geboten. Maximal 55 Personen dürfen zu den Veranstaltungen in die Rock-Diskothek kommen. Dort wird außerdem gerade saniert.

Die Band „Loud and Proud“ hat mit ihrem Auftritt das Sommerprogramm „Kultur im Kessel“ eröffnet.Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Die Band „Loud and Proud“ hat mit ihrem Auftritt das Sommerprogramm „Kultur im Kessel“ eröffnet.Foto: J. Fiedler

Von Ute Gruber

SULZBACH AN DER MURR. „Nichts tun ist keine Option, da hat man schon verloren“, findet Diakon Willi Beck, seines Zeichens Vorstand und Ideengeber im von der Akzente-Gemeinde genossenschaftlich organisierten Begegnungs- und Kulturprojekt auf dem Belinda-Areal. Deshalb hat er alle Hebel in Bewegung gesetzt, um nach dem Lockdown jetzt wenigstens ein Sommer-Kulturprogramm in Deutschlands ältester Rock-Diskothek anbieten zu können. Im bunten Strauß aus Kabarett, Liedermachern, Satire, der inklusiven Rock- und Popband „The Cool Chickpeas“, handgemachtem Rock, Zauberkunst, Schwabenrock, Rock und Poesie mit Gottesdienst dürfte bis Ende September für jeden Geschmack etwas dabei sein: Unaufdringlich spirituelle Angebote ebenso wie säkular-profane Unterhaltung.

„Als uns klar wurde, dass die Diskotheken als häufige Keimzellen für neue Corona-Hotspots wahrscheinlich als letztes aufmachen dürfen, mussten wir uns Alternativen überlegen“, erläutert Beck das neuartige Programm im alten Kessel, wo statt abrockender Diskogänger jetzt Zuhörer in bravem Hygiene-Abstand oder neben transparenten, mobilen Trennwänden bei den Live-Darbietungen auf ihren Stühlen mitwippen. Maximal 55 Personen können so zu jeder Veranstaltung kommen – statt mehreren Hundert bei Diskobetrieb. Optimistisch hat das Organisationsteam die Samstage aber freigehalten, „falls doch noch ein Diskobetrieb möglich werden sollte“.

Zuschüsse des Landes machen „Kultur im Kessel“ möglich.

Das vorgelegte Konzept hat das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg so überzeugt, dass es bei der „Kultur im Kessel“ die Kosten der Interpreten zu 95 Prozent übernimmt, anders wäre das Projekt auch nicht realisierbar gewesen. „Wir sind eines von 70 ausgewählten Projekten, die bezuschusst werden“, erzählt Ilona Hermann vom Leitungskreis Akzente, die heute Abend als Ordnungshüterin fungiert, stolz – „aus 170 Bewerbungen!“. Ihre Tochter Nicki im rot karierten Minirock, mit bunten Tattoos und Schulmädchen-Pony macht als Sängerin mit der einheimischen Band „Loud and Proud“ den Auftakt zum Belinda-Kultursommer 2020. Spirituelle Texte in rockigem Musikgewand laden ein zum „Aufatmen, zur Ruhe kommen, In-sich-Gehen in einer unruhigen, krisengeschüttelten Zeit“.

Den Boden des Saales bilden provisorische Spanplatten, am Nachmittag noch schnell aufgeschraubt. Eigentlich ist die Belinda derzeit eine einzige Baustelle: Die Kanalisation wurde schon gerichtet, nun stehen der barrierefreie Zugang an, das rollstuhlgerechte WC, die zu erneuernde Elektrik und natürlich die Brandschutzmaßnahmen „Es geht nach vorne – trotz Widrigkeiten.“ Vieles ist möglich durch die vielen ehrenamtlichen Helfer der Genossenschaft, die sich inzwischen aus Belinda-Anhängern und Akzente-Gemeinde zusammengerauft haben. Dennoch wird zur Sanierung Geld benötigt, einerseits für Material, Strom und Wasser, andererseits zur Ablösung des Kredits, der vor zwei Jahren für den Kauf des Areals aufgenommen wurde. „Wäre die Coronakrise schon 2018 aufgetreten“, ist sich Beck sicher, „dann wäre die Belinda jetzt tot“. Keiner hätte dann dieses Risiko auf sich genommen. Denn Einnahmen gibt es derzeit keine.

Optimist Willi Beck sprüht aber schon wieder vor Ideen, wie es trotz Corona weitergehen könnte: „Eine Kulturkneipe wäre denkbar, Tanzen in definierten Gruppen oder im Freien mit Kopfhörer, ein Internetshop mit Belinda-Artikeln... wir müssen Erfahrungen sammeln und im Gespräch bleiben.“ Bereits umgesetzt wurde ein Live-Stream mit Belinda-DJ beziehungsweise mit den Akzente-Gottesdiensten und inzwischen sogar mit Singen – im Freien, neben dem Schloss Lautereck. So können die Abstände eingehalten werden. „Unser Programm ist ein Kompromiss zwischen Gesundheit und Kultur“, erklärt der Diakon. „Was ich auf keinen Fall will, ist, dass hier ein Corona-Hotspot entsteht.“

Beim diesjährigen Genossenschaftsfestim Herbst sollte eigentlich gefeiert werden: 50 Jahre Belinda – barrierefrei. Daraus wird nichts – weder mit Geno-Fest, noch mit Geburtstagsfeier. Dennoch wird es einen Dankgottesdienst am zweiten September-Wochenende geben: „Das Virus hat nicht das letzte Wort und das Leben ist mehr.“

Kultur im Kessel – das Programm

Freitag, 21. August: Sabine Essinger, „Selber!“, schwäbisches Kabarett, 20 Uhr.

Freitag, 28. August: Liedermacher Chris mit Sepp Steinkogler „Ich singe meine Lieder“, 20 Uhr.

Freitag, 4. September: LinkMichel „Charmeoffensive“, die schwäbische Schwertgosch, 20 Uhr.

Donnerstag, 10. September: Duo Camillo, „Im Himmel ist ne Party“, Musikkabarett, 20 Uhr.

Freitag, 11. September: Preachers n Poets, Rockkonzert Special Guest: The Cool Chickpeas, die inklusive Band aus Backnang, 19:30 Uhr.

Samstag, 12. September: BackdoorMen,
Finest Classic Rock Cover -Konzert, 20 Uhr.

Sonntag, 13. September: BSB - BluesSessionBand, Rock & Poesie, Cover - Konzert, 17 Uhr - mit Gottesdienst - 18 Uhr.

Donnerstag, 17. September: AkzenteBand, Songs & Stories „Bleib nicht stehn!“, 20Uhr.

Freitag, 18. September: Tommy Bright, Zauberkunst vom Besten, 20 Uhr.

Freitag, 25. September: Gitze & Band, Schwabenrock -Konzert, 20 Uhr.

Alle Veranstaltungen haben freien Eintritt. Reservierungen unter: info@belinda-discothek.de oder unter 07193/6550 oder 0176/43829579. Internet: www.belinda-discothek.de. Ein Mund-Nasen-Schutz ist mitzuführen, Gäste müssen sich in eine Gästeliste eintragen.

Es wurde ein Spendenkonto über den Förderverein eingerichtet: Akzente Förderverein e.V. Volksbank Backnang IBAN: DE41 6029 1120 0105 3100 00, Verwendungszweck: Belinda-Sanierung.

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Erstellt:
22. August 2020, 06:00 Uhr

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