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Kunst, die Fragen stellt

Axel Teichmann stellt in der Galerie im Helferhaus Malerei und Zeichnungen aus

In vielen Bildern Axel Teichmanns spielt die Beziehung zwischen Mensch und Technik eine Rolle – so auch im Werk „Kräftemessen“.Foto: P. Wolf

© Peter Wolf

In vielen Bildern Axel Teichmanns spielt die Beziehung zwischen Mensch und Technik eine Rolle – so auch im Werk „Kräftemessen“.Foto: P. Wolf

Von Claudia Ackermann

BACKNANG. Auf vielen Bildern ist es eine einzelne Figur, die dem Betrachter gegenübersteht. Er soll sich in sie hineinversetzen und Teil der Kunst werden, so der 1974 in Stuttgart geborene Künstler. In Bleistiftzeichnungen setzt Axel Teichmann eine Figur in ein künstliches Umfeld, etwa durch kleine quadratische Muster, die ausgeschnitten und mit Rot unterlegt sind, sodass sie wie Pixel wirken. Eine Anspielung auf die zunehmende Digitalisierung. Mensch und Technik ist auch ein Thema in der Zeichnung „Auftrieb“, in der die zentrale Figur eine frühe Flugmaschine bedient, um größere Welterreichbarkeit zu erlangen. Er sei nicht kulturpessimistisch, unterstreicht Teichmann bei einem Vorabrundgang durch die Ausstellung. Es gehe ihm darum, wie man technische Errungenschaften sinnvoll nutzt.

Neben den Bleistiftzeichnungen sind großformatige Bilder in Acryl auf Leinwand zu sehen. Im Bild „Kräftemessen“ geht es um die Beziehung zwischen Mensch und Tier. Sehr realistisch ist der mächtige, kraftvolle Yak dargestellt, der im Hochland des Himalajas lebt. Der Mensch trägt Uniform und schwenkt eine Fahne. Er agiert im Auftrag seines Landes. Im Hintergrund treten wieder die Pixel auf und der Raketenstart verweist auf technische Veränderungen, die der Ursprünglichkeit des Tieres gegenüberstehen. Der Künstler arbeitet mit Schatten, die dem Bild eine räumliche Wirkung verleihen.

Auch bei dem großformatigen Bild „Erlösung“ ist der Schatten deutlich. Der über dem Boden schwebende Astronaut hat die Pose des Jesu am Kreuz eingenommen. Rote Farbe wird unter dem geöffneten Reißverschluss des silbernen Raumanzugs sichtbar, wie die Wunde, die Jesus zugefügt wurde. Das Motiv hat Teichmann in eine künstliche Umgebung versetzt. In einem kleinformatigen Bild greift er das Weltallthema auf humoristische Art auf. Im unförmigen Raumanzug, fast wie ein Insekt wirkend, betritt der Raumfahrer einen neuen Planeten, um seine Fahne zu platzieren. Die Inspiration dazu habe er durch frühere Versuche bekommen, in denen in einem geräumigen Astronautenanzug technische Geräte untergebracht werden sollten.

Kraftvoll stellt er seine Figuren dar, wie beim großformatigen Bild „Selbstdenker“. Der muskulöse Mann mit freiem Oberkörper hängt rücklings in einem engen, künstlichen Raum. Nur von dünnen Fäden wird er gehalten. Die dahinterstehende Frage für den Künstler war: „Wo setze ich meine ganze Kraft ein?“ Immer wieder tauchen Linien auf dem Boden auf, die meist an die Markierungen auf einem Sporthallenboden erinnern und mit Bewegung assoziiert werden können.

Neben den Bildern auf Leinwand malt Axel Teichmann, der an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart studiert hat, auch auf Acrylglas. Etwa bei dem Werk mit dem Titel „Yes“. Auf gelb durchgefärbtem Acrylglas wurde eine schwarze Computeranlage dargestellt. Darunter gibt es eine weitere Acrylglasebene auf der der Mensch gemalt wurde und durch den mehrschichtigen Aufbau unscharf erscheint. Der Science-Fiction-Film „Colossus“ aus dem Jahr 1970, in dem es um Computer geht, die sich selbstständig machen und die Erde bedrohen, hat ihn zu dieser Arbeit inspiriert. Außerdem sind Plastiken aus Acrylglas zu sehen. Hier geht er von seinen realistischen Darstellungen zur Abstraktion über. Das Pixelthema taucht skulptural mit verschiedenen Lichtreflektierungen auf. „In der Kunst spiegelt sich die Außenwelt“, sagt der Künstler.

Einige Serigrafien sind dabei, wie eine Szene von einem Windhundrennen in kraftvoller, dynamischer Bewegung mit dem Titel „Kreuzung“. Die Verbindung zur Welt der Technik taucht im Hintergrund in Form von Autobahnkreuzen auf. „Mit meiner Kunst möchte ich mehr Fragen stellen, als Antworten geben“, unterstreicht Axel Teichmann.

Die Vernissage findet am Sonntag, 8. Dezember, um 11.30 Uhr im Backnanger Helferhaus, Petrus-Jacobi-Weg 5, statt. Eine Einführung hält Ulrich Olpp, Zweiter Vorsitzender des Heimat- und Kunstvereins. Die Ausstellung ist noch bis zum 12. Januar 2020 zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag von 17 bis 19 Uhr. Samstag und Sonntag sowie an Feiertagen von 14 bis 19 Uhr. Geschlossen ist am 24., 25. und 31. Dezember und am 1. Januar 2020.

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Erstellt:
7. Dezember 2019, 16:00 Uhr

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