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„Kunst ist ein leidenschaftliches Spiel“

János Bella stellt unter dem Titel „Spätlese – Malerei 2017 bis 2020“ in der Galerie des Heimat- und Kunstvereins in Backnang aus

Der Künstler János Bella feierte vor wenigen Tagen seinen 85. Geburtstag. Zu diesem Anlass wird am morgigen Sonntag die Ausstellung „Spätlese – Malerei 2017 bis 2020“ in der Galerie im Helferhaus eröffnet. Zahlreiche Werke nehmen Bezug auf den Lebensweg des in Ungarn geborenen Malers, der seit über 60 Jahren in Backnang lebt.

János Bella hat einen ganz eigenen Malstil entwickelt. Sein Wissen gab er auch vielen Schülern und Kunstbegeisterten weiter. Foto: P. Wolf

János Bella hat einen ganz eigenen Malstil entwickelt. Sein Wissen gab er auch vielen Schülern und Kunstbegeisterten weiter. Foto: P. Wolf

Von Claudia Ackermann

BACKNANG. In den vergangenen drei Jahren sind die Bilder der Ausstellung entstanden, die meisten davon hat er in den letzten vier Monaten gemalt. János Bella wurde 1935 in Endröd in Ungarn geboren. Nach den Aufständen in seinem Heimatland flüchtete er und kam 1956 nach Tübingen. Was dem damals 21-Jährigen bei seiner Stadterkundung als Erstes ins Auge fiel, war der Hölderlinturm. Mit Literatur des deutschen Dichters hatte sich Bella schon in Ungarn beschäftigt. Eine Reihe von Gemälden in der Ausstellung bezieht sich auf den Lebensweg des großen Lyrikers, dessen 250. Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird. Wie etwa das Bild „Hälfte des Lebens: F. Hölderlin“.

An einem Tisch sitzend ist der Dichter umrahmt von einer Landschaft, die auf der einen Seite noch sommerliche Blütenpracht zeigt. Auf der dunkleren Seite droht schon der Turm, in dem er seine zweite Lebenshälfte verbrachte. János Bella schreibt selbst Gedichte. 2019 ist das Buch „Gedichte und Zeichnungen. Nur aus klarer Quelle“ mit Versen in Deutsch und Ungarisch erschienen.

Gesichter tauchen in einer anderen Reihe der Ausstellung auf. Schon als Kind habe Bella immer Köpfe gezeichnet. Bis heute sei das in ihm verhaftet. „Wo ich hingucke, sehe ich überall Köpfe“, sagt der Künstler bei einem Vorabrundgang durch die Werkschau. Schaut er etwa auf eine Wand, an der Putz abbröckelt, erkennt er in den Formen Gesichter. Der Hintergrund der Arbeiten in kräftigen Farben ist in Abklatschtechnik (Décalcomanie) entstanden. Auf die zufällig entstandenen Farbflächen bringt Bella die Gesichter mit einfachsten Mitteln auf, wobei jedoch jedes eine eigene Individualität hat, wie im Bild „Punkt, Punkt, Komma, Strich...“. Ein anders Bild dieser Reihe, in dem auch Figuren zu erkennen sind, trägt den Titel „Versammlung der Obdachlosen“.

János Bella, der in Ungarn die Kunstgewerbehochschule und die pädagogische Hochschule besucht hatte, studierte nach einem Deutschkurs an der Kunstakademie Stuttgart. Nach Backnang kam er 1958. In der Landeshauptstadt hatte er seine heutige Ehefrau Waltraud kennengelernt, die Backnangerin ist. Eine Zeit lang arbeitete er am Stuttgarter Staatstheater als Theatermaler. Auch diese Erfahrung fließt in ein Bild in der Ausstellung ein. Eine Theaterszene mit stilisierten Figuren wird von einem Zuschauer im Hintergrund beobachtet.

Kunsterzieher an der Schickhardt-Realschule und Gründer der Maler der Baracke

In Backnang arbeitete János Bella von 1974 bis zu seinem Ruhestand als Kunsterzieher an der Schickhardt-Realschule. Er gab Malkurse an der Volkshochschule Backnang und war 1977 Begründer des Vereins Maler der Baracke. Seine erste Werkschau auf Einladung des Backnanger Heimat- und Kunstvereins im Helferhaus fand 1975 statt. Bella stellte in zahlreichen Ausstellungen in Deutschland und Ungarn aus.

In einem Raum im Helferhaus sind auch abstrakte Bilder von ihm zu sehen. „Sie entstehen spontan aus dem ersten Pinselstrich heraus“, sagt Bella. Eine Farbe oder Form fügt sich zur anderen. Bei anderen Arbeiten sind es bewusst geplante Bildinhalte. Biblische Themen sind dabei, wie etwa die Bilder „Austreibung“ und „Abel war sein Name“, die sehr zeichnerisch aufgebaut sind, dann erst wurde die Farbe hinzugefügt. Der Maler bei der Arbeit ist ein Motiv. Verträumt betrachtet ein Künstler sein Aktmodell, das auf einer Wiese liegt. Auf dem fertigen Bild ist von den üppigen Rundungen der Grazie allerdings nichts zu sehen, denn der Maler ist Kubist. Bella selbst arbeitet übrigens nie mit Modellen. Für ein anderes Bild dieses Themenkreises hat Bella einen Stoff mit kitschigem Blumenmuster verwendet und übermalt. Nur die Körperpartie eines Malers vor der Staffelei lässt die bunten Blüten erkennen. Der Titel des Bildes lautet „Tätowierter Maler“. Das sei eine Spielerei mit einem Stoff, den er zufällig entdeckt habe, schmunzelt der Künstler.

„Kunst ist ein leidenschaftliches Spiel“, betont János Bella, dem man seine Leidenschaft in den Gesprächen beim Rundgang anmerkt. Ohne dieses Spiel könne er nicht lange sein. Es komme vor, dass er morgens Gedichte schreibt und nachmittags malt. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, in dem zu den Bildern auch einige Texte in Deutsch und Ungarisch angefügt sind. „Mit jedem Gedicht oder Gemälde verlängere ich mein Leben. Denn während ich damit beschäftigt bin, hab ich nicht mal zum Sterben Zeit“, heißt es darin. Eine Ausstellung der Bilder in seinem Geburtsland Ungarn ist schon geplant.

Die Ausstellung wird am Sonntag, 1. März, um 11.30 Uhr im Helferhaus in Backnang, Petrus-Jacobi-Weg 5, eröffnet. Eine Einführung hält Ernst Hövelborn, Erster Vorsitzender des Backnanger Heimat- und Kunstvereins. Musikalisch umrahmt wird die Vernissage von Markus Bella am Klavier. Die Bilder können bis zum 22. März besichtigt werden. Öffnungszeiten sind: Dienstag bis Freitag von 17 bis 19 Uhr. Samstag und Sonntag von 14 bis 19 Uhr.

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Erstellt:
29. Februar 2020, 06:00 Uhr

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