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One-Man-Show mit Zauberkasten

Axel Nagel zeigt im club junges europa sein facettenreiches Programm „Außerhalb von Fahrzeugen“ mit diversen Instrumenten

Er steht allein auf der Bühne und doch klingt es, als begleite ihn eine Band: Axel Nagel hat im cje Backnang neben der Gitarre auch zahlreiche andere Instrumente gespielt. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Er steht allein auf der Bühne und doch klingt es, als begleite ihn eine Band: Axel Nagel hat im cje Backnang neben der Gitarre auch zahlreiche andere Instrumente gespielt. Foto: J. Fiedler

Von Claudia Ackermann

BACKNANG. Solo steht er auf der Bühne und es klingt, als würde eine ganze Band spielen. In seinen Texten entführt er zu ganz gewöhnlichen Orten, wie „Außerhalb von Fahrzeugen“ aber auch zu tasmanischen Tigern oder in andere Galaxien. Axel Nagel war im club junges europa in Backnang-Steinbach zu Gast. Seine imaginäre „Band“ hat er mitgebracht und auf einem kleinen Tischchen auf der Bühne platziert. Verschiedene Percussion-Instrumente, Schellen und sogar eine Haarbürste kommen zum Einsatz, um aus seinem Gesang und dem Spiel auf der akustischen Gitarre ein facettenreiches Klangerlebnis werden zu lassen.

Seinen „Zauberkasten“ nennt Axel Nagel das Gerät, auf dem er für jeden Song neue Loops aufnimmt. Nicht nur mit Instrumenten bildet er die sich wiederholenden Klangsequenzen. Auch seine Stimme setzt er ein, um sein eigener Background-Sänger zu sein oder den Song mit Lauten zu untermalen. Wie er den Sound jeweils gestaltet, entscheidet er spontan.

Klänge wie aus einer anderen Galaxie

Gefühlvolle Balladen sind dabei, etwa in einem Liebeslied, in dem es heißt: „Wir baden in Zeit, Liebe und Wein und werden unberechenbar sein“. Doch das sei nur eines von wenigen Liebesliedern, die er geschrieben hat, fügt der Mann mit Hut an. Es sei eine Auftragskomposition zum Valentinstag gewesen.

Und schon geht es in rockige Gefilde. Auf den Spuren von Gouverneur John Franklin entführt Axel Nagel nach Tasmanien und bestaunt diese ganz andersartige Welt. Er selbst hat die Insel südlich von Australien bereist. Von der Gitarre wechselt der Musiker zur Querflöte und lässt die Besucher von diesem fremden Land träumen. Er habe sich in den Wäldern auf die Suche nach dem tasmanischen Tiger gemacht, wohlwissend, dass dieser längst ausgestorben ist.

In fremde Welten entführt der Singer-Songwriter aus Schwäbisch Gmünd auch in einem Song, der auf der B29 bei Winterbach entstanden ist. Im Radio hatte er eine Sendung zum Thema Parallelwelten gehört, die ihn zu diesem Text inspiriert hat. Durch ein Wurmloch begibt sich Axel Nagel in eine Parallelwelt, in der es keine Einsamkeit gibt, die Menschen tanzen und den Moment schätzen. Ein „spaciges Instrument“ wollte er für diesen Song einsetzen. Mit dem Theremin, einem elektronischen Musikinstrument, das berührungslos gespielt wird, erzeugt er sphärische Klänge. Vielseitig ist der Sound der „One-Man-Band“ und die Texte mit ungewöhnlichen Inhalten haben Tiefgang.

Axel Nagel, der auch Mitglied der Band Opportunity ist, ist seit drei Jahren mit seinem Soloprogramm auf deutschen Bühnen unterwegs. 2018 war er Gewinner des Deutschen Rock- und Pop-Preises in der Kategorie Singer-Songwriter. Sein aktuelles Album, auf dem er sämtliche Instrumente selbst einspielt, heißt: „Außerhalb von Fahrzeugen“.

Balladen, schottische Klänge und ein Latino-Tanz-Song

Ruhige Balladen präsentiert er mit souliger Stimme, wie „Der Fluss“, in dem es um die Donau im Winter geht. Dann wieder wird es temporeich, etwa bei einem Lied über Körperfunktionen. Wie ein stürmischer Herzschlag klingt die eingespielte Percussion, wenn er singt vom „Kraftwerk tief in mir drin“. Temperamentvolle schottische Klänge sind dabei in seinem „offiziellen Stück für Oma“. Es entstand rückblickend auf die Zeit, als er bei einer seiner ersten Reisen nach Schottland wollte und seine Großmutter ihn stattdessen zu einer Fahrt ins Tannheimer Tal überreden wollte.

In einem Latino-Tanz-Song singt er über „Wilde Wege“, die für ihn die Beziehung zwischen Mann und Frau bedeuten. Kurze Textpassagen und Klangelemente spielt Axel Nagel auf der Bühne in seinem „Zauberkasten“ ein, die sich dann mit seinem Gesang und Gitarrenspiel vermischen, dass man mit geschlossenen Augen glauben könnte, mehrere Sänger und Musiker vor sich zu haben. Ein besonderes Musik- und Performance-Erlebnis wurde im club junges europa geboten. Die Veranstaltung hätte mehr Besucher verdient.

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Erstellt:
13. Mai 2019, 06:00 Uhr

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