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Packende Reise durch revolutionäre Zeiten

Thomas Mayers Buch zwischen Regionalkrimi, historischem und religionsphilosophischem Roman – Auch eine Sulzbacher Geschichte

Der gebürtige Sulzbacher Thomas Mayer hat einen historischen Württemberg-Krimi geschrieben. „Weltformel“ spielt vorwiegend in seinem Heimatort, es gibt aber auch andere Schauplätze und zahlreiche Verweise auf Ereignisse in Europa, die man in den Geschichtsbüchern nachlesen kann. Die Story beginnt im Winter des Jahres 1775, alsder junge Pfarrer Martin Lenz nach Sulzbach strafversetzt wird.

Thomas Mayer ist in Sulzbach aufgewachsen.

Thomas Mayer ist in Sulzbach aufgewachsen.

Von Ingrid Knack



SULZBACH AN DER MURR. Martin Lenz und seine schwangere Frau Trine erleben in Sulzbach erst einmal eine Art Kulturschock. Lenz hatte sich als einer der besten Studenten seines Jahrgangs am Tübinger Stift eine große Zukunft erhofft. Doch es kommt anders: Es war Trines Liebreiz, „der ihn zur Ungeduld verführt hatte. Zu allem Unglück war sie schwanger geworden.“ Zwar wurde daraufhin geheiratet, trotzdem blieb nicht verborgen, was wann etwa geschehen war.

Es sind viele Ebenen, die die Geschichte interessant machen. Da ist der spannende Krimi, den man am liebsten in einem Zug durchlesen würde. Was allerdings bei über 500 Seiten nur ein Wunschgedanke bleibt. Es fließt viel Blut, Rätsel lösen sich erst nach und nach in überraschenden Wendungen auf. Auch Glaubensfragen und philosophische Themen sind eingebaut. Die Umtriebe rund um die württembergische und Französische Revolution reichen sogar bis nach Sulzbach – schon sind wir mittendrin in packenden Schilderungen, die das Interesse an Geschichte neu anstacheln. Historische Persönlichkeiten aus Politik und Kultur wie Herzog Karl Eugen, Robespierre, Schiller, Goethe, Caroline Schlegel-Schelling begegnen uns. Und wir wähnen uns auch ganz nah dran zu sein, als die Revolution ihre eigenen Kinder frisst. In den Szenen im verschlafenen Sulzbach können wir zudem leicht nachvollziehen, wie beschwerlich das Leben früher war und wie relativ doch auch Tempo ist. Dass eine Fahrt mit der Kutsche Höllenqualen hervorrufen konnte, darüber lässt es sich heute schon schmunzeln: „Die Geschwindigkeit der Fahrt nahm ihr den Atem und ließ ihr das Herz bis zum Hals klopfen.“

Was ist in dem Roman Dichtung und was Wahrheit? Thomas Mayer gewährt einen Blick in seine Schreibwerkstatt: „Einige Personen aus dem Roman sind Figuren aus meiner Kindheit. Zum Beispiel gab es in den 1950er-Jahren noch einen Dorfbüttel Weller, an den ich mich bis heute gut erinnern kann. Doch gibt es nur oberflächliche Ähnlichkeiten mit den verstorbenen Personen. Die Kriminalfälle sind frei erfunden, die Örtlichkeiten entsprechen aber der Realität. Die Kulissen in Paris und Mainz folgen historischen Berichten. Caroline Schlegel-Schelling ist eine historische Figur. Dagegen sind die württembergischen Revolutionäre und ihr Umsturzversuch natürlich frei erfunden.“ Wie kommt ein promovierter Finanzökonom und Professor mit Stationen beim Internationalen Währungsfonds, bei Goldman Sachs, der Deutschen Bank und beim Investmentmanager Flossbach von Storch (als Gründungsdirektor des Research Institute) dazu, sich so tiefgründig mit (Heimat-)Geschichte zu befassen? „Das Hobby meines Vaters war Heimatgeschichte. In den 1950er-Jahren hat er die ,Sulzbacher Heimatspiele‘ geschrieben, die damals und in den letzten Jahren erneut in Sulzbach aufgeführt wurden. Aus seiner Beschäftigung habe ich einiges an Sulzbacher Geschichte mitbekommen.“ Thomas Mayers Hobby ist aber insbesondere Philosophie – inklusive Religionsphilosophie und Sozialphilosophie. Die „Weltformel“ ist nach seinen Aussagen von Schopenhauers Werk „Die Welt als Wille und Vorstellung“ inspiriert. „Meine Daniel-Figur hat mit Schopenhauer die Autorenschaft und vielleicht die Kantigkeit der Persönlichkeit gemein, sonst aber nichts. Und ich habe auch die zeitliche Reihenfolge verdreht. Schopenhauer entwickelte sein Werk aus Kants Erkenntnistheorie. Bei mir wird Kant fiktiv von Daniel/Schopenhauer inspiriert.“ Die Figur Lampe in Mayers Krimi beruht auf einer historischen Figur. „Lampe war tatsächlich Kants Diener und wurde von Kant nach vielen Jahren wegen Trunkenheit entlassen. Lampes Sohn ist natürlich fiktiv. Seine Überlegungen zur US-Staatsverfassung sind von Hayeks liberaler Sozialphilosophie ,Die Verfassung der Freiheit‘ beeinflusst. Der eine oder andere Leser wird vielleicht auch ein paar Gedanken aus Ratzingers ,Einführung in das Christentum‘ an den entsprechenden Stellen wiedererkennen.“

Historisches Coverbild: Blick auf die evangelische Kirche in Sulzbach an der Murr. Fotos: privat

Historisches Coverbild: Blick auf die evangelische Kirche in Sulzbach an der Murr. Fotos: privat

Info
Finanzwelt und Historie

Thomas Mayer ist in Sulzbach an der Murr aufgewachsen. 1972 machte er am Max-Born-Gymnasium in Backnang das Abitur. Sein Großvater und Vater waren beide Zahnärzte in Sulzbach. Er selbst studierte Wirtschaftswissenschaften. „Damit endete die Familientradition mit mir.“ Und Mayer sagt: „Da es für Volkswirte in Sulzbach keine Jobs gibt, bin ich in der Welt herumgekommen. Meine Mutter wohnt aber heute noch in Sulzbach, und daher komme ich bis heute häufig zurück.“

Im Finanzbuchverlag sind von Mayer schon drei Bücher über Geld, Finanzen und Liberalismus erschienen. Überdies hat er noch weitere Bücher zum Euro und Wirtschaftsthemen auf Deutsch und Englisch veröffentlicht. Publizistisch war er bis zum Jahresende 2019 auch als Kolumnist der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung unterwegs (www.faz.net/aktuell/wirtschaft/mayers-weltwirtschaft).

Die „Weltformel“ wurde auf Amazon für den Direktvertrieb veröffentlicht. Dort ist der Roman als Taschenbuch für 14,99 Euro und als E-Book für 0,99 Euro erhältlich.

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Erstellt:
10. Januar 2020, 11:30 Uhr

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