„Rätselfans dürfen mitknobeln“

Interview Der Autor Jürgen Seibold spricht über seinen Krimi „Sein oder Totsein“, aus dem er heute Abend auf der Burg Reichenberg in Oppenweiler liest. Die Burg ist ein Schauplatz in dem Roman. Überdies gibt der Leutenbacher Einblicke in seine Krimiwerkstatt.

Was geschah bloß auf der Burg Reichenberg? Jürgen Seibold enthüllt das Geheimnis in seinem zweiten Krimi um den Remslinger Buchhändler Robert Mondrian. Foto: S. de Buhr

Was geschah bloß auf der Burg Reichenberg? Jürgen Seibold enthüllt das Geheimnis in seinem zweiten Krimi um den Remslinger Buchhändler Robert Mondrian. Foto: S. de Buhr

Seit 2007 schreiben Sie Regionalkrimis, das wievielte Buch aus Ihrer Feder ist „Sein oder Totsein“?

Oh, da müsste ich erst mal nachzählen. Aber zumindest für die Bücher, die von mir im Piper-Verlag erschienen sind, macht Robert Mondrians zweiter Fall das Dutzend voll.

Wie viele Exemplare haben Sie insgesamt schon verkauft? Was lief vom Verkauf her am besten?

Meine Bücher erscheinen als Taschenbuch und E-Book, einige auch als Hörbuch – das dürfte sich inzwischen auf beinahe 500000 Exemplare summieren. Aber ich muss mich da schon noch steigern: Von meinen Musikerbiografien gingen 1,2 Millionen weg. Das Buch, das sich am besten verkauft, soll natürlich immer das nächste sein. Bisher liefen die Allgäukrimis super, und die neuen Schwabenkrimis um Buchhändler Mondrian kommen ebenfalls gut an.

„Sein oder Totsein“ ist nach „Schneewittchen und die sieben Särge“ die zweite Folge, in der der Buchhändler Robert Mondrian in einen Mordfall hineingezogen wird. Was sollte man aus dem ersten Band wissen, um in den vollen Genuss der Feinheiten des Nachfolgers zu kommen?

Als gelernter Journalist habe ich hoffentlich verinnerlicht, voraussetzungsfrei zu schreiben. Das heißt, dass jede Leserin und jeder Leser gleich gut in eine Krimiserie findet, ob er oder sie nun mit dem ersten oder dem vierten Band beginnt. Aber natürlich wäre es mir am liebsten, alle würden alle Bände lesen, da will ich dann mit der Reihenfolge gar nicht pingelig sein.

Sie lesen im Innenhof der Burg Reichenberg, die Burg spielt in „Sein oder Totsein“ eine Rolle...

Im Krimi heißt sie Burg Sturmfeder, nach der Familie, zu deren Herrschaft im Mittelalter Oppenweiler und Reichenberg lange gehörten. Anders als die reale Burg Reichenberg ist die Burg im Krimi nach wie vor in Privatbesitz. Dort oben lebt Rosalia Alide Johanna Maria von Legat und zu Hohnweiler-Schnarrenberg, eine sehr witzige und rüstige ältere Dame, die Buchhändler Robert Mondrian in seinen Ermittlungen unterstützt. Wie sie das tut und warum ich es schade finde, dass sie frei erfunden ist, werde ich natürlich auch auf Burg Reichenberg erzählen und vorlesen.

In einem Shakespeare-Sonett, das eine besondere Rolle in dem Krimi spielt, sind Zeilen vertauscht, die gilt es zu entschlüsseln. Sind Sie selbst ein Knobelfan?

Ja, Rätsel löse ich ganz gern. Vor allem, wenn sie pfiffig und witzig gemacht sind. Im Krimi ist das aber so eingebaut, dass Rätselfans mitknobeln dürfen – dass man die entsprechenden Passagen aber auch einfach überblättern und Mondrian die ganze Arbeit allein überlassen kann.

Schneewittchen, Mondrian, Shakespeare... Sie spielen mit bekannten Namen aus dem Bereich der Märchen, der bildenden Kunst, der Literatur... Was steckt dahinter? Sind es bestimmte Worte, auf die ein Publikum reagiert, die Sie einbauen – oder spricht da eher der Liebhaber von Kunst und Kultur?

Dass Robert in seinem neuen Leben als Buchhändler Mondrian heißt, soll ihn vor allem vor Entdeckung schützen. Denn niemand an Rems und Murr darf erfahren, dass er früher mal Topagent von Deutschlands geheimstem Geheimdienst war. Aber dass er sich gerade diesen Namen ausgesucht hat, ist natürlich auch ein augenzwinkernder Hinweis darauf, dass Robert mit Kunst etwas anfangen kann. Und die literarischen Bezüge haben mit dem Konzept der Krimiserie zu tun – denn was sonst würde einen Buchhändler zu Ermittlungen verlocken? Deshalb finden sich im nächsten Band „Frodo war’s nicht“, der Ende Mai erscheint, ziemlich viele Anspielungen auf J.R.R. Tolkien.

Während es in Fernsehkrimis oft ziemlich brutal und blutrünstig zugeht, setzen Sie eher auf Spaß und Augenzwinkern. Was halten Sie selbst von Krimis, bei denen nicht ganz so abgebrühte Seelen lieber mal weg- als hinschauen? Welche Krimis gefallen Ihnen privat am besten?

Arg blutig mag ich es als Zuschauer nicht, aber sonst schau ich gern alles, ob Tatort, Commissario Brunetti oder Eberhofer. Humor ist super, Spannung nötig – am liebsten würde ich mir natürlich die Verfilmung eines Seibold-Krimis anschauen.

Sie schreiben auch Krimisongs und singen selbst, begleitet von dem Gitarristen Martin Hofpower. Verraten Sie uns etwas über Ihre musikalische Vita?

Früher war ich Bassist, Sänger und Songschreiber in verschiedenen Bands, habe einige davon auch mit gegründet, Vera Cruz zum Beispiel, Fennek oder Jack-A-Lynn. Dann hat sich irgendwann eine jahrelange Pause eingeschlichen, aber seit ich für einige meiner Krimifiguren Songs geschrieben habe, singe und spiele ich wieder häufiger. Und manchmal darf ich auch mit tollen Kollegen wie Zam Helga oder eben Martin Hofpower auf der Bühne stehen.

In der Ankündigung heißt es: „Aus diesem Krimi wird Jürgen Seibold lesen, er wird erzählen, aus dem Nähkästchen plaudern und auch Anekdoten darüber mitbringen, was er während seiner Recherchen und Lesereisen erlebt.“ Wollen Sie mir zum Schluss eine dieser Anekdoten verraten?

Nein, (lacht). Wobei... eine vielleicht. In Regionalkrimis muss man darauf achten, dass im Ort der Handlung möglichst niemand mit demselben Namen wie der Täter wohnt. Oder wie eine besonders neugierige Nachbarin. Das hat in einem Fall mal nicht geklappt, obwohl ich extra im Telefonbuch recherchiert habe. Die Betroffene selbst hat schallend über die zufällige Ähnlichkeit gelacht – ihre Schwiegermutter eher nicht. Aber die anderen Geschichten gibt’s nur in der Lesung.

Das Gespräch führte Ingrid Knack.

Die Lesung heute Abend

Die Burg als Location und Schauplatz Bei der Lesung am heutigen Freitag im Innenhof der Burg Reichenberg in Oppenweiler ab 19.30 Uhr stellt der Leutenbacher Autor Jürgen Seibold seinen Krimi „Sein oder Totsein“ vor. Dabei handelt es sich um den zweiten Fall für seinen Krimihelden Robert Mondrian wider Willen. Einlass ist um 19 Uhr. Die Lesung, die ursprünglich am 22. Oktober 2021 in Oppenweiler hätte stattfinden sollen, war wegen Corona ausgefallen und wurde auf heute verschoben.

Zum Inhalt Eine Tote wird gefunden, auf ihr liegt ein Zettel mit einem Sonett von William Shakespeare. Eine Spur führt nach Oppenweiler...

Eintrittskarten und Reservierungen Karten für die Lesung gibt es zu zwölf Euro an der Abendkasse. Um eine Reservierung wird gebeten. Infos und Kartenreservierung:

ckoehnlein-bass@oppenweiler.de. Bei schlechtem Wetter muss die Lesung verschoben werden.

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Erstellt:
29. April 2022, 11:30 Uhr

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