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Reise ins frühere Schaffen

Städtische Kunstsammlung Murrhardt zeigt Bilder von Heiner Lucas, die noch nicht öffentlich zu sehen waren

Die Ausstellung, die am kommenden Sonntag eröffnet wird, trägt den schlichten Titel „Heiner Lucas. Zum 75. Geburtstag“. Sie hält spannende Ein- und Ausblicke für die Besucher der städtischen Galerie Murrhardt bereit. Es werden Werke des Murrhardter Kunstmalers zu sehen sein, die bisher nicht öffentlich zugänglich waren und aus seiner frühen Schaffenszeit stammen.

Heiner Lucas vor dem Porträt von Marie Cornil, das durch Größe, Farbigkeit, lockere Gestaltung und nicht zuletzt durch den Charakter des Unvollendeten beeindruckt. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Heiner Lucas vor dem Porträt von Marie Cornil, das durch Größe, Farbigkeit, lockere Gestaltung und nicht zuletzt durch den Charakter des Unvollendeten beeindruckt. Foto: J. Fiedler

Von Christine Schick

MURRHARDT. Heiner Lucas räumt ein, dass die Vorbereitung für die Ausstellung anlässlich seines 75. Geburtstags, den er im Frühjahr gefeiert hat, für ihn gar nicht so einfach gewesen ist. Zum einen arbeitet er im Moment noch an einem größeren Projekt – der Gestaltung einer Hallenwand für die Stadt Heubach im Ostalbkreis, in der er aufgewachsen ist –, zum anderen stellte sich für ihn die Frage, was er in einer Schau an neuen Facetten zeigen könnte. Doch mit Unterstützung seiner Frau Edith entwickelte sich ein Projekt. Nach seinem Kunststudium zog es Heiner Lucas ins Ausland, er lebte und arbeitete in den 1970er-Jahren bis Anfang der 1980er-Jahre zeitweise in Frankreich, Italien und Belgien. Eine Reihe seiner frühen Werke befanden sich bis vor Kurzem noch bei seiner damaligen Lebensgefährtin Marie Cornil, die in Brüssel lebt. Wieso diese bei der Schau nicht in den Mittelpunkt stellen? Gedacht, getan. Stadtverwaltung und Kulturamt haben das Vorhaben unterstützt, auch personell. „Ich bin gemeinsam mit Walter Weiser nach Brüssel gefahren, um die Bilder zu holen“, erzählt Heiner Lucas. Für den 75-Jährigen war es ungewöhnlich, seinen Werken nach rund 40 Jahren wieder zu begegnen. „Es sind eine Handvoll richtig großformatiger Bilder“, sagt er. Sie machen deutlich, wie sich sein Stil verändert hat. „Sie sind viel großzügiger gehalten“, später habe er auf einer Fläche kleinteiliger und deutlich mehr mit Überschneidungen beziehungsweise Collagen gearbeitet.

Lucas steht vor einem der großen Bilder, das für ihn aus heutiger Sicht einen einfachen Ausblick aus dem Fenster zeigt. „Das ist ein Gartenhaus etwas außerhalb von Brüssel“, sagt er. Das Bild war zu ausladend, um es innerhalb des Hauses nach draußen zu transportieren, also musste es übers Dach nach unten gelassen werden. Beim genaueren Hinsehen lässt es sich auch im Sinne der Kontinuität lesen. Denn dort arbeitet der Künstler schon mit der Spiegelung des Fensters, eine Technik und Thematik, die bei Lucas immer wieder auftaucht. Das angeschnittene Zimmer wirkt einfach, bodenständig. In Frankreich und Belgien sei der Zwang, sofort alles neu auszustatten und zu renovieren seiner Wahrnehmung nach nicht ganz so mächtig wie in Deutschland. Entstanden sind die Werke Anfang der 1980er-Jahre im Brüsseler Haus von Marie Cornil, in dem auch der Schriftsteller Jean Améry des Öfteren zu Besuch gewesen ist, berichtet er. Mal scheint in den Bildern ein Stück rissiger Putz, mal tauchen Alltagsutensilien wie Putzmittelflaschen auf der Fensterbank auf, rahmen sozusagen den Ausblick.

Unter den Werken aus Belgien ist auch ein ungewöhnliches Exemplar – eines, das Heiner Lucas damals nicht vollenden konnte. Die an der Seite noch aufgerollte Leinwand zeugt davon. Das Porträt von Marie Cornil besticht durch Größe, Farbigkeit, lockere Gestaltung und nicht zuletzt durch den Charakter des Unvollendeten. Die in der Wechselausstellung präsentierten großen Bilder bieten dem Betrachter die Möglichkeit, fast sprichwörtlich in die Szenerie einzutauchen. Ergänzt wird die Schau mit Einzelstücken an einer Wand sowie in Vitrinen und am Eingang der Dauerausstellung, die ebenfalls noch nicht öffentlich zu sehen waren. Unter ihnen ist beispielsweise ein Blick auf Murrhardt, bei dem Bruegel- und Nägelezitate einfließen, ein Familienporträt sowie zwei Selbstporträts.

Und wie geht es mit dem aktuellen Projekt voran? Heiner Lucas erzählt, dass er das Wandbild für eine Fläche von 14 mal 3 Metern auf Einzeltafeln (1,5 mal 2 Meter) bannt. Es soll seinen Platz an der Stirnseite der Heubacher Festhalle finden, wird das Pendant zu seinem frühen Werk, das er 1968/69 an einer Innenwand des Gebäudes geschaffen hat. Interessanterweise taucht dabei eine ähnliche Thematik in anderem Kontext auf. „Ich muss darauf achten, nicht zu kleinteilig zu werden. Es soll ja von Weitem gut sichtbar sein“, sagt er. „Das ist schon ein anderes Arbeiten, aber vielleicht auch mal ganz gut, sich nicht so in die Details zu vergraben.“ Grundthema des Werks ist ein Lebensfries, sprich die Entwicklung von jungen Jahren bis ins Alter, so Lucas.

Info
Vernissage am Sonntag

Die Ausstellung wird am Sonntag,
10. November, um 11 Uhr in der Städtischen Kunstsammlung eröffnet. Es sprechen Bürgermeister Armin Mößner und Ernst Hövelborn, Vorsitzender des Heimat- und Kunstvereins Backnang. Die musikalische Umrahmung übernehmen Lehrkräfte der Musikschule. Die Schau ist bis zum 1. Dezember an Samstagen, Sonn- und Feiertagen von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet drei Euro. Führungen sind auf Anfrage möglich, Infos unter Telefon 07192/ 213-222 sowie www.murrhardt.de.

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Erstellt:
8. November 2019, 06:00 Uhr

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