Schwungvoller Auftakt für den Kultursommer

Die Musical-Gala „On Broadway“ läutet das sechswöchige Festival auf dem Backnanger Marktplatz und weiteren Standorten ein. Die Solisten und die Band um Rainer Roos verwöhnen das dankbare Publikum mit Musicalmelodien von Andrew Lloyd Webber bis Elton John und sorgen für einen rundum gelungenen Start des Festivals.

Der Eindruck, es geht viel ruhiger zu als in früheren Jahren, hängt auch mit den streng eingehaltenen Abstandsregeln zusammen. Trotzdem waren die Besucher glücklich über das lang vermisste Angebot.

© Alexander Becher

Der Eindruck, es geht viel ruhiger zu als in früheren Jahren, hängt auch mit den streng eingehaltenen Abstandsregeln zusammen. Trotzdem waren die Besucher glücklich über das lang vermisste Angebot.

Von Carmen Warstat

BACKNANG. Die Festredner fassten sich kurz, denn endlich sollte wieder Livemusik im Mittelpunkt stehen, da wollte man möglichst keine Zeit verlieren. Das Publikum – knapp 250 Besucher – nahm es dankbar zur Kenntnis, denn es war wieder heiß, und gekommen war man ja wegen der Musik. Von dieser abgesehen ging es bei der Musical-Gala mit Rainer Roos viel ruhiger zu als gewohnt, vielleicht infolge der Abstandsregel, vielleicht, weil man in der Pandemie bescheidener geworden ist oder demütig, weil man gelernt hat, aufeinander zu achten, weil man so lange nicht „draußen“ war oder aus gespannter Erwartung und Vorfreude.

„Die zwölf Konzerte hier auf dem Marktplatz sind erst der Anfang eines vielseitigen Programms, das Sie in den kommenden sechs Wochen im Backnanger Kultursommer erwarten wird!“ Oberbürgermeister Maximilian Friedrich bat die Initiatorinnen Jasmin Meindl und Juliane Putzmann sowie den Kulturamtsleiter der Stadt Johannes Ellrott zu sich auf die Bühne, um ihnen und den Organisationsteams, „unzähligen Akteuren, Mitwirkenden, Ehrenamtlichen, Künstlerinnen und Künstlern, Kulturakteuren der Stadt, Ermöglichern und Sponsoren, den Damen und Herren Stadträten und unserer örtlichen Gastronomie“ zu danken.“

„Kultur ist die Seeleder Gesellschaft.“

Dieser Dank wurde von Jasmin Meindl und Juliane Putzmann bekräftigt und an die Stadt und den Gemeinderat zurückgegeben, vor allem, weil „der übliche Reflex“, in Notzeiten immer zuerst an der Kultur zu sparen hier nicht greife und man in Backnang verstanden habe: „Kultur ist die Seele der Gesellschaft.“ Die tatkräftigen Theaterleiterinnen stellten den Gemeinschaftsgedanken, der das Projekt Kultursommer trägt und ausmacht, in den Mittelpunkt ihrer Ausführungen und erhielten von Ellrott – „Ein Symbol sagt manchmal mehr als tausend Worte.“ – duftende Rosen überreicht. „Ich sehe die beiden heute übrigens erstmals in Präsenz. Ist es nicht das, was wir vermisst haben, das Liveerlebnis?! Das ist wirklich eine Wucht“, schloss der unermüdliche Mitorganisator des Festivals, und Maximilian Friedrich gab mit den Worten „Es geht los!“ den Startschuss.

Mit Musicalmelodien von Andrew Lloyd Webber bis Elton John verwöhnte die Band um Rainer Roos das dankbare Publikum. „Relativ warm für Januar heute Abend“, witzelte Roos zur Begrüßung, denn das Konzert hatte eigentlich an Neujahr stattfinden sollen. Er sprach von einem wunderbaren Start: „Wir sind fast ausverkauft.“ Heute nicht im Frack (wie beim normalerweise jährlich stattfindenden classic-ope(r)n-air), sondern leger gekleidet war er hier als Pianist Bestandteil der des Weiteren mit Lead- und Rhythmusgitarre, Keyboard sowie E-Bass, Drums und Backgroundstimmen hervorragend besetzten Band.

Die Solistinnen (Jana Marie Gropp und Femke Soetenga) und Solisten (Sascha Lien und Nicky Wuchinger) interpretierten bekannte Musicalsongs zum Teil in deutscher Übersetzung und setzten beeindruckende Highlights. „Erinnerung“ aus „Cats“ und „Innuendo“ aus „We Will Rock You“, „The Search Is Over“ aus „Rock Of Ages“ und „Nur sein Blick“ aus Rainer Roos’ absolutem Lieblingsmusical „Jekyll und Hyde“ beispielsweise offenbarten berührende Lebensweisheiten und Erfahrungen als intensives Hörerlebnis. „Dies ist die Stunde“ („Jekyll und Hyde“) ließ am hellen Himmel schon den Halbmond sehen und passte hier und heute in jeder Hinsicht zur Situation, wie Roos denn auch anmerkte. Mit „Thank You For The Music“ aus „Mamma Mia!“ und „Heal The World“ von Michael Jackson als gefeierte Zugaben verabschiedete sich das Ensemble, das ja noch ein zweites Konzert vor sich hatte, von einem glücklichen Publikum. Es sei schön, überhaupt mal wieder was zu erleben, im Freien mit Menschen zusammenzukommen und Kultur zu genießen, so die einhellige Meinung auch derer, deren Vorliebe Musicals nicht gerade sind. Die Fans des Genres waren vollauf begeistert und lobten die Professionalität der Musiker in den höchsten Tönen.

Ein erfreuliches Fazit zog auch Johannes Ellrott. So viel Euphorie hätte er den Schwaben bislang gar nicht zugetraut, äußerte sich der Kulturamtsleiter. Er sei sehr glücklich und erleichtert.

Rainer Roos, dem musikalischen Leiter des Ensembles indes war nicht bange vor der Belastung durch sechs kurz aufeinanderfolgende Konzerte. Das sei positiver Stress, meinte er, und dass das Adrenalin in diesem Falle sehr gut sei. Auf die Frage, wie man sich auf das Konzert vorbereiten konnte, erläuterte Roos das Vorgehen am Computer: Er stellt sein Arrangement in eine Cloud, auf die Kollegen zugreifen können, um ihre Ideen hinzuzufügen. Hinzu kommen Videokonferenzen und schließlich ein bis zwei Präsenzproben. „Das funktioniert gut und ist inzwischen in der Branche üblich.“ Und was macht ihm mehr Freude – Big Band oder Orchester? „Ich mag die Vielseitigkeit in der Musik. Der Reichtum an Musik beseelt mich total“, schwärmt er und ergänzt: „Was immer Sie an diesen Abenden hier erleben – das bin ich.“

Nicky Wuchinger (links), Sascha Lien und Femke Soetenga sowie die Band sorgen für ein intensives Hörerlebnis. Fotos: A. Becher

© Alexander Becher

Nicky Wuchinger (links), Sascha Lien und Femke Soetenga sowie die Band sorgen für ein intensives Hörerlebnis. Fotos: A. Becher

Zum Artikel

Erstellt:
21. Juni 2021, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!

Kultur im Kreis

Die Instrumente sind die eigentlichen Diven

Die Bandhaus-Theater-Leiterinnen Jasmin Meindl und Juliane Putzmann ziehen vor dem letzten Kultursommer-Wochenende eine positive Bilanz. Nur Petrus zeigte sich launisch, was vor allem Musikinstrumente so gar nicht vertragen können.