Spektakuläre und humorvolle Nummern

Die Winterkulturtage 2022 enden mit einer von Gruschtelkammerchef Charley Graf moderierten Abschlussgala in der Auenwaldhalle. Geboten wird eine gelungene Mischung aus Akrobatik, Musik, Lichterzauber und schwäbischem Kabarett.

Die Fußballartisten Miriam Willems und Sebastian Heller verbinden Jonglage mit Lichterzauber. Fotos: A. Becher

© Alexander Becher

Die Fußballartisten Miriam Willems und Sebastian Heller verbinden Jonglage mit Lichterzauber. Fotos: A. Becher

Von Marina Heidrich

Auenwald. Eine gute Atemtechnik brauchte das Publikum, das am Freitagabend die Abschlussgala der Winterkulturtage in der Auenwaldhalle besuchte. Denn streckenweise drohte den Gästen aufgrund der dargebotenen Programmpunkte die Luft auszugehen. Sei es, dass man fasziniert den Atem anhielt, gerührt einen Kloß im Hals hatte oder vor Lachen nur noch Schnappatmung möglich war. Das Programm sprach die unterschiedlichsten Emotionen an.

Coronabedingt waren auch die Winterkulturtage verschoben worden, umso mehr freuten sich die Veranstalter, dass alle ursprünglich für 2020 eingeplanten Künstler und Gäste auch 2022 bereitwillig zur Verfügung standen. Allerdings – eine Änderung gab es. Als Bürgermeister von Auenwald begrüßte an diesem Abend der seit Mai 2021 amtierende Amtsinhaber Kai-Uwe Ernst das Publikum. Besonders erfreut war er, dass sein Vorgänger Karl Ostfalk in der ersten Reihe saß, der an diesem Abend Geburtstag hatte. Trotz aller Feierstimmung wurde auch die ernste Weltlage und der Krieg in der Ukraine angesprochen, der Arbeitskreis Integration gab eine kurze Zusammenfassung auf der blau-gelb dekorierten Bühne, einerseits die Farben der Gemeinde, andererseits auch die der Fahne der Ukraine.

Dann übernahm Moderator Karl-Heinz „Charley“ Graf das Zepter und bat Landrat Richard Sigel in Begleitung der amtierenden Schwäbischen Waldfee Leonie Treml zu einem Quiz auf die Bühne. Ein Sahnehäubchen war an diesem Abend zweifelsohne die Moderation von Charley Graf. Gekonnt behandelte er seine prominenten Gäste mit einer Mischung aus Charme, Witz und dieser ganz besonderen Knitzheit, die über die Jahre zu seinem Markenzeichen wurde. Graf begegnet den Größen aus Politik und Showbusiness auf gleicher Augenhöhe, ohne deswegen den Respekt vor ihrer Leistung zu verlieren. Selbst wenn er dazu, wie im Fall des groß gewachsenen Landrats Sigel, auf einen Schemel steigen musste, was auch Sigel zum Lachen brachte. Grafs Kommentar: „Sie send halt a ganz netter Kerle.“

Atemberaubende Artistik auf dem Fahrrad zeigte Viola Brand. Die mehrfache Europa- und Vizeweltmeisterin, geboren in Backnang, hat ihre Karriere als Wettkämpferin im Kunstradfahren zwar beendet, startete jedoch sofort mit Stil und Grazie im Showbereich durch. Viola Brand ist auf dem Weg zum Weltstar fast ganz oben angekommen. So kam die 27-Jährige gerade aus den USA zurück, wo sie ihr Können unter anderem in den Halbzeitshows der NBA (National Basketball Association) vor 20000 Zuschauern zeigte und dort genauso umjubelt wurde wie in Auenwald. Egal ob in den Hallen der NBA oder auf der kleinen Bühne der Auenwaldhalle, Viola Brand gibt immer ihr Bestes.

Gleich zweimal faszinierte das Duo Miriam Willems und Sebastian Heller. Im ersten Teil ihres Programms jonglierten die Absolventen der renommierten Staatlichen Artistenschule Berlin mit Fußbällen, als zweiten Showact präsentierten sie auf der dunklen Bühne ihre spektakuläre LED-Jonglage „Flying lights“. Hier treffen Jonglier- und Programmierkunst aufeinander. Diese sorgten für angehaltenen Atem beim Publikum. Bunte Lichtspiralen wirbelten durch die Luft und ein begeisterter Aufschrei der Zuschauer folgte, als sich blaugelbe Friedenstauben und das Wappen von Auenwald aus den schimmernden Lichtbögen bildete.

Seit mehr als 30 Jahren lebt Frieder Berlin in Auenwald. Der ehemalige SWR-Musikredakteur moderierte etwa regelmäßig Sendungen über seine große musikalische Liebe, den Jazz. Als leidenschaftlicher Auenwalder ließ sich der hochkarätige Musiker auch nicht lange bitten und heizte dem Publikum auf seinem E-Piano mit selbst komponiertem Boogie-Woogie ordentlich ein, darunter das brandneue Stück „Waiting at the red light“, das an diesem Abend in der Auenwaldhalle Premiere hatte. Dann betrat Kabarettist Bernd Kohlhepp, genauer gesagt dessen Alter Ego Herr Hämmerle, die Bühne. In seinem laubfroschgrünen Anzug setzte er einen knalligen Kontrapunkt zu Charley Grafs leuchtendrotem Jackett. Die beiden alten Freunde warfen sich verbal die Bälle zu. Kohlhepp ist ein sehr gern gesehener Gast in Auenwald und das Publikum amüsierte sich prächtig. Wenn man Herrn Hämmerle auf der Bühne erlebt und über seine schwäbische Wortakrobatik lacht, könnte man fast übersehen beziehungsweise überhören, was für ein großartiger Sänger Bernd Kohlhepp eigentlich ist. In bester Spiellaune bezog Hämmerle natürlich auch die anwesenden Politiker in sein Programm mit ein, Bürgermeister und Landrat machten mit.

Einen wunderschönen Abschluss unter die gelungene Gala in Auenwald setzte das Duo Chris & Sepp – alias Christoph Jäger und Josef „Sepp“ Steinkogler. Christoph Jäger, im Hauptberuf Bürgermeister von Großerlach, lebt mit seinem Freund Steinkogler, einem Gitarren-Urgestein der Bandszene um Backnang, hier seine musikalische Seite aus. Gefühlvoll und poetisch beschlossen die beiden eine der vielfältigsten und bestens gelungenen Veranstaltungen der Saison.

Frieder Berlin am Keyboard spielt Jazz.

© Alexander Becher

Frieder Berlin am Keyboard spielt Jazz.

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Erstellt:
4. April 2022, 06:00 Uhr

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