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Spiegel der Menschheitsgeschichte

Literaturarbeiter aus Backnang erzählen zum Welttag des Buches über ihre Lieblingsbücher

Heute ist Welttag des Buches. In Coronazeiten fällt dieser Tag ein wenig anders aus als seine Vorgänger. Lesefeste mussten reihenweise abgesagt werden und die kleinen Buchhändler vor Ort kämpfen noch mehr als sonst angesichts der coronaverordnungsunabhängigen 24-Stunden-Öffnung von Online-Riesen. Unabhängig davon soll der Welttag des Buches einfach Lust aufs Lesen machen. Deshalb fragten wir Literaturarbeiter nach ihren Lieblingsbüchern.

Bücher, Bücher, Bücher: Wenn Abenteuer in der realen Welt gerade eher seltener sind, eröffnet die Welt der Bücher einen wahren Schatz an Fantasiereisen. Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Becher

Bücher, Bücher, Bücher: Wenn Abenteuer in der realen Welt gerade eher seltener sind, eröffnet die Welt der Bücher einen wahren Schatz an Fantasiereisen. Foto: A. Becher

Von Ingrid Knack

BACKNANG. Untrennbar mit Büchern verbunden ist Ulrich Schielke. Der Vater der Backnanger LiteraTour, einstige Tausschulleiter und aktuelle Landesvorsitzende des Friedrich-Bödecker-Kreises will sich nicht auf ein Lieblingsbuch „in dem Sinne, dass ich es mehrfach gelesen hätte“ festlegen. Für ihn gibt es eine ganze Reihe von Büchern, die ihn faszinierten. „Ein Buch allerdings – es steht seit fast sechs Jahrzehnten in meinem Bücherregal – hat mich nie ganz losgelassen und hat sicher meine beruflichen Entscheidungen mitbeeinflusst: Das Buch ,Rulaman‘ von David Friedrich Weinland. Es hat mein Grundinteresse an Geschichte geweckt, dieses Fach habe ich dann später auch tatsächlich studiert.“ Derzeit fesselt ihn die schon vor einigen Jahren erschienene Biografie „Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur“ von Andrea Wulf. Den im 18. und 19. Jahrhundert großen Wissenschaftler, Naturforscher und Entdecker Humboldt kennt laut Schielke in Mittel- und Südamerika fast jedes Kind, und er wird dort auch heute noch hoch verehrt. „Bei seiner Amerikareise von 1799 bis 1804 hat er eine völlig neue Sichtweise auf die Wechselwirkungen in der Natur entdeckt und entwickelt und damit eine nach wie vor in ihren Grundzügen gültige Sicht auf die natürlichen Zusammenhänge wissenschaftlich begründet (,es hängt alles zusammen‘) sowie deutlich gemacht, dass die Veränderungen, die der Mensch an der Natur vornimmt, immer auch Auswirkungen auf die Umwelt haben. Sehr spannend zu lesen über einen sicher eigenwilligen Menschen, der vermutlich der Letzte war, der alle wissenschaftlichen Disziplinen beherrscht und einige davon wesentlich beeinflusst hat.“

Christiane Engelmann-Pink, Leiterin der Bibliothek im Beruflichen Schulzentrum Backnang, nennt als eines ihrer derzeitigen Lieblingsbücher ein Werk von Isabel Allende: „Dieser weite Weg“. Das Buch ist 2019 im Suhrkamp-Verlag erschienen. „Es ist ein Buch, das den historischen Bogen vom Spanischen Bürgerkrieg von 1936 bis 1994 nach Chile spannt und zwei besondere Menschen begleitet, die ihr Land verlassen mussten, um in Südamerika neu anzufangen, wo sie aber auch wechselnden politischen, auch faschistischen Machtverhältnissen ausgesetzt waren. Anfangs durch die Umstände in einer Vernunftsgemeinschaft vereint, lernen die Protagonisten im Kampf gegen die Herausforderungen des Lebens den Wert ihrer Beziehung immer mehr zu schätzen, und eine späte Liebe findet ihren Weg. In unseren besonderen Coronazeiten ist das Buch auch eine Ermutigung, sich den Widrigkeiten des Schicksals zu stellen, dagegen anzukämpfen, niemals aufzugeben und sich nicht verbiegen zu lassen. Dabei auch noch tiefe Gefühle zuzulassen, scheint ein guter Plan zu sein...Genau richtig, um auf meiner Liste der Lieblingsbücher zu stehen.“

Der Backnanger Stadtbüchereileiter Martin Wolfsdorf empfiehlt „Der Herr der Ringe“ von J.R.R. Tolkien: „Die unglaubliche Tiefe und detaillierte Beschreibung der Reise durch Mittelerde lässt einen faszinieren. Tolkien erfindet eine eigene Welt und lässt so ganze Völker, Sprachen und Kulturen entstehen. Die Bücher sind eine Herausforderung zu lesen, jedoch lohnt es sich allemal, da nur in den Büchern das beeindruckende Talent Tolkiens zu entdecken und die ganze Geschichte um Freundschaft, Krieg, Hoffnung und Liebe zu erfahren ist.“ Verschiedene Lieblingsbücher hat Gabi Rist, Mitarbeiterin in der Stadtbücherei Backnang. Sie sagt: „Ich habe kein richtiges Lieblingsbuch, eher Lieblingsautoren wie Mary Higgins Clark, Elisabeth George, Dick und Felix Francis, Clive Cussler. Oder von Rita Falk die Eberhofer-Krimis – vor allem als Hörbücher gelesen von Christian Tramitz. Die Harry-Potter-Bücher sind natürlich Lieblingsbücher, auch als Hörbücher, oder Tommy Jauds Roman ,Hummeldumm‘ oder Ildikó von Kürthys ,Hilde‘ habe ich sehr gerne gelesen. Dann auch regionale Autoren wie Jürgen Seibold oder Wolfgang Schorlau.“

Kulturwissenschaftlerin Gabriella Lambrecht aus Backnang nennt „Hundert Jahre Einsamkeit“ von Gabriel García Márquez. „Dieser Roman ist so allumfassend schön, verstörend, erschauernd, grausam und herrlich zugleich, dass ich jedes Mal, wenn ich anfange, ihn zu lesen, ein bisschen Gänsehaut bekomme. Das Buch erzählt im Grunde genommen die Geschichte einer Familie Buendía in dem fiktiven Dorf Macondo in Kolumbien über Generationen hinweg: Liebe, Kriege, Seuchen und Wunder inklusive. Es scheint an so vielen Stellen ein Spiegel der Menschheitsgeschichte zu sein – grausam und wunderbar zugleich. Es ist keine leichte Kost, aber das ist die Welt nun mal auch nicht – wie man gerade in diesen Tagen besonders spürt. Immer wieder dachte ich, nachdem ich das Buch vor 15 Jahren das erste Mal gelesen hatte, im Alltag an die Geschichte oder ertappte mich dabei, wie ich Parallelen zwischen der Realität und der eigentlich sehr abstrusen Lebenswirklichkeit innerhalb Macondos zog.“ Der Roman wird dem magischen Realismus zugeordnet: „Die Geschichte ist voller Wunder und magischer Elemente. Manche scheinen uns ganz natürlich, manche grotesk – so geht es auch den Charakteren im Roman. Viele lesen die Geschichte auch soziopolitisch als Parabel der Geschichte Lateinamerikas von der Entdeckung über den Kolonialismus und Imperialismus. Der Roman ist so vielseitig und lässt einfach nicht los, wenn man ihn einmal gelesen hat.“

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Erstellt:
23. April 2020, 06:00 Uhr

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