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Suche nach Heimat und die Technik

Barbara Kastin und Ulrich Olpp stellen in der neuen Reihe „Doppelpass“ des Heimat-und Kunstvereins im Helferhaus Backnang aus

Mit der Ausstellungssaison Herbst 2019 präsentiert der Heimat- und Kunstverein ein neues Ausstellungsformat im Backnanger Helferhaus. In der Reihe „Doppelpass“ stellen zwei oder noch mehr Künstler gemeinsam aus. Den Auftakt macht die Werkschau von Barbara Kastin und Ulrich Olpp unter dem Titel „Standaufnahmen“, die am Sonntag eröffnet wird.

„Standaufnahmen“: Unter diesem Titel sind in der Galerie des Heimat- und Kunstvereins in Backnang Arbeiten von Ulrich Olpp und Barbara Kastin zu sehen. Fotos: P. Wolf

„Standaufnahmen“: Unter diesem Titel sind in der Galerie des Heimat- und Kunstvereins in Backnang Arbeiten von Ulrich Olpp und Barbara Kastin zu sehen. Fotos: P. Wolf

Von Claudia Ackermann

BACKNANG. Barbara Kastin und Ulrich Olpp leben in Backnang und haben hier ihre Ateliers. Beide haben an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart studiert. Sie beschäftigen sich mit visuellen „Standaufnahmen“ ihrer persönlichen und gesellschaftlichen Umwelt. Dabei entstehen Bildkonstellationen im Bereich von Malerei, Grafik, Druckgrafik, Textfragmente und installative Arbeiten.

Auf zwei Stockwerken in der Galerie des Heimat- und Kunstvereins im Helferhaus stellen die beiden aus. Mal nutzen sie die Räume gemeinsam, sodass sich die Arbeiten im Spielfeld der Kunst ergänzen. Dann wieder kann sich der Besucher in anderen Räumen ganz auf die Werke eines Künstlers einlassen. Von Barbara Kastin sind Fotomotive von Backnang zu sehen, die die gebürtige Dortmunderin perspektivisch verändert hat. Da ist etwa eine Aufnahme von der Backnanger Gartenstraße, wie sie früher einmal aussah. Durch das Freistellen und Kippen des Motivs wirkt das Bild fast wie eine Skulptur oder Brücke in eine neue Welt. Seit 13 Jahren lebt sie in Backnang und begibt sich auf die Suche nach Orten, an denen sie spüren kann, wie es in ihrer Wahlheimat früher einmal war. Motive für ihren künstlerischen Umgang mit der Fotografie findet sie etwa im ehemaligen Kaelble-Areal oder in der Oberen Walke.

„Standaufnahmen“ sind auch ihre Filmstills. Es sind Szenen aus Filmen, die sie zunächst vom Bildschirm abfotografiert und dann in Öl auf Leinwand etwas ganz Eigenes daraus macht. Manchmal geben die Titel Rätsel auf. Wo ist „Der rote Faden“ in gleichnamigem Bild zu finden? Ist es die Verbindung zwischen den Menschen, die sich auf einem Platz unterhalten? In einem anderen Bild hat die Künstlerin eine Tanzperformance auf der Straße zwischen farbiger Großstadtbeleuchtung als Momentaufnahme in Öl in Szene gesetzt.

Die Suche nach der Heimat ist für Barbara Kastin immer wieder ein Thema. „Skelette“ nennt sie eine Reihe mit Foliendruck auf Acrylglas, wobei sie sich mit dem Thema Fachwerk beschäftigt. Nicht so wuchtig, wie man das oft von Fachwerkkonstruktionen gewohnt ist, kommen diese Arbeiten daher, sondern haben eher filigranen Charakter. Der Blick aus dem Fenster auf die Fachwerkgebäude der Stadt schafft einen besonderen, lokalen Bezug. Die Inszenierung der Atelierarbeit in einem Raum gibt Einblicke in das künstlerische Schaffen. Ein Linoldruckstock ist ausgestellt. Die Drucke werden dann auf verschiedene Weise bearbeitet und können komplett verschiedene Stimmungen ergeben, mal düster, dann erzählerisch heiter. Die Szenen bleiben rätselhaft.

Im Raum, der als „Panoptikum“ bezeichnet wird, trifft der Besucher auf einen Mix kleiner Arbeiten beider Künstler. Von Barbara Kastin ist Malerei dabei, etwa mit Gebäuden als Motiv, die sie auf alten Stoffen, mit Spitzeneinsätzen oder Muster ausgeführt hat.

Ulrich Olpp, der Zweiter Vorsitzender des Heimat- und Kunstvereins ist, zeigt ältere Radierungen, vorwiegend aus den 1990er-Jahren. Verschiedene Ansätze werden hier miteinander verbunden. In Ulrich Olpps Werken spielt immer wieder Technik eine Rolle. Titel seiner Radierungen sind etwa „Megawatt“, „Schaltplan“ oder „Hängesystem“. Im Polyptychon „Überbrückung“ steht im Zentrum das Hauptmotiv (Acryl auf Holz), das von kleineren Arbeiten mit Malerei auf Karton umgeben ist. Elektronik und Maschinenkonstruktionen sind seine Themen. Kreuzungen tauchen in verschiedenen Formen auf. Das Thema überträgt er auch auf Mythologie und Religion – „ist noch ein gott?“ stellt der Künstler die Frage.

Zu seinen Arbeiten in den Techniken Malerei, Radierungen und Grafik kombiniert er immer wieder Sprache. „land’s end“ heißt ein Gedicht von Ulrich Olpp, das als Ganzes zu lesen ist. Zwölf Tafeln begleiten es, in denen er die bildhafte Sprache zeichnerisch umsetzt. „Ich bewege mich zwischen Bildform Sprache und Sprachform Bild“, sagt der Künstler.

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Eröffnung am Sonntag

Die Ausstellung „Standaufnahmen“ wird am Sonntag, 15. September, um 11.30 Uhr im Backnanger Helferhaus, Petrus-Jacobi-Weg 5, eröffnet.

Zur Einstimmung bei der Vernissage gibt es die Stimm- und Klangimprovisation „oho“ von Barnabas Herrmann.

Öffnungszeiten der Galerie im Helferhaus sind: dienstags bis freitags von 17 bis 19 Uhr, samstags und sonntags von 14 bis 19 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Am 13. Oktober um 16 Uhr zur Finissage präsentiert Ulrich Olpp die Leseperformance „horchbilder“.

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Erstellt:
13. September 2019, 16:00 Uhr

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