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Thomas Freitags Heimspiel

Lions-Club-Förderverein präsentiert in Backnang mit Unterstützung der BKZ das Stück „Europa, der Kreisverkehr und ein Todesfall“

Der in Backnang aufgewachsene Kabarettist Thomas Freitag spielt sein großes Solo „Europa, der Kreisverkehr und ein Todesfall“ nur noch wenige Male. Bevor er das Stück im Mai im Kölner Senftöpfchen-Theater zum letzten Mal live auf die Bühne bringt, möchte er den Backnangern die Chance geben, mit ihm das Finale dieses Ein-Mann-Stücks zwischen Kabarett und Schauspiel einzuläuten: Am 18. März im Bürgerhaus.

Thomas Freitags Heimspiel

© Edgar Layher

Von Ingrid Knack

BACKNANG. Veranstaltet wird der Abend mit Thomas Freitag im Bürgerhaus vom Förderverein des Lions-Clubs mit Unterstützung der Backnanger Kreiszeitung als Benefizveranstaltung zugunsten des Kinder- und Jugendhospizdiensts Pusteblume und der Lions-Jugendprogramme Klasse 2000 und Lions-Quest.

Den Auftritt in Backnang bezeichnet Thomas Freitag als „eine bewusste Geste an die Stadt, an meine Heimat, wenn Sie so wollen“. Der Nachsatz bezieht sich darauf, dass er 1950 ja in Alsfeld geboren wurde, nach den ersten fünf Jahren seines Lebens in Hessen aber im Schwäbischen aufgewachsen ist: In Backnang ging er zur Schule, im Alten- und Pflegeheim Staigacker absolvierte er seinen Zivildienst, bevor er sich zum Bankkaufmann ausbilden ließ. Doch im Grunde war immer klar: Thomas Freitag ist zum Künstler berufen. 1974 bekam er sein erstes Engagement am Stuttgarter Renitenz-Theater als Schauspieler und Kabarettist. Über seine Kindheit in Backnang und sein Leben als Kabarettist hat Freitag übrigens ein Buch geschrieben, das zum Auftrittstermin in Backnang vorliegen wird.

Mit „Europa, der Kreisverkehr und ein Todesfall“ hat Thomas Freitag in den Jahren der Brexit-Saga, wie die „Zeit“ die Vorgänge seit dem Referendum am 23. Juni 2016 tituliert, den Finger genau in eine Wunde gelegt, von der er bei der Premiere 2016 nicht wissen konnte, dass sie nicht heilen würde. Doch Thomas Freitag wäre nicht Thomas Freitag, würde er nur an der Oberfläche kratzen und einfach nur tagespolitische Pointen raushauen. Der Kabarettist, der schon 18 Soloprogramme des Kalibers von „Europa, der Kreisverkehr und ein Todesfall“ vorgelegt hat, taucht tief in die Geschichte ein, erklärt Zusammenhänge, reflektiert und kritisiert, und hält am Ende ein flammendes Plädoyer für Europa.

Dabei baut Freitag so herrlich komische Szenen ein, die auch allein für sich Kultcharakter bekommen könnten. Es ist eine geniale Mischung aus Ernst und Komik, eine fein austarierte stimmige Inszenierung, die einem nicht mehr so schnell aus dem Kopf geht.

Ein erhaltenswertes Konstrukt mit zahlreichen Schatten- und Sonnenseiten

Thomas Freitag bringt uns Europa als Kontinent nahe, auf dem die Philosophie erfunden wurde, die moderne Wissenschaft zu Hause ist und die Menschenrechte formuliert wurden. Europa steht aber auch für die Regelwut der Parlamentarier. Mit dem Ergebnis, dass zum Beispiel auf über 3000 Seiten erklärt wird, wie viel Wasser maximal durch einen Duschkopf fließen darf. Der Kabarettist wirft einen scharfen, satirischen und sehr komischen Blick auf Europa oder auf das, was davon noch übrig ist. Er schlüpft dazu in die Rolle des EU-Bürokraten Peter Rübenbauer, der für die Entwicklung aller europäischen Kreisverkehre zuständig ist. Doch dann geschieht der „Worst Case“: Rübenbauer verunglückt – freilich nicht irgendwo, sondern in einem Kreisverkehr – und findet sich nun auf der Grenze zwischen Leben und Tod, zwischen Himmel und Hölle, zwischen dem ewigen Licht und einer EU-Energiesparlampe wieder. Ihm bleibt allerdings noch die Chance, sich in diesem Zwischenreich die großen Fragen zu stellen: „Habe ich im Leben alles richtig gemacht? Habe ich meine Ziele erreicht? Und habe ich wirklich für Europa gekämpft? Für dieses seltsame Gebilde, das uns Skipisten in Dänemark, Schwarzwälder Schinken aus Lettland und zwei Millionen Kreisverkehre beschert hat? Aber eben auch 70 Jahre Frieden und Wohlstand.“ In einem Monolog voller Überraschungen seziert Thomas Freitag das heutige Europa. Die verschiedensten Figuren treten auf den Plan, Thomas Freitag ist voll in seinem Element, wenn er den Bogen von der Antike bis heute, von der Hochkultur zur Politik, von Gott bis in die Welt spannt.

Nun könnte man die Frage stellen, wie sehr sich das Stück seit der Premiere 2016 verändert hat. Doch ähnlich wie bei allen großen Theaterstücken hat „Europa, der Kreisverkehr und ein Todesfall“ bei allem Zeitgeistkabarett auch etwas Zeitloses. So verwundert es auch nicht, dass Freitag wissen lässt: „Es hat sich gar nicht so sehr verändert. Das Programm wirkt nach wie vor unglaublich heutig. Und ich erlebe, wenn ich dann nachher diese DVDs anbiete, die Leute ja mit ihrem Kommentar. Sie sagen mir alle, dass sie sehr bewegt sind und sehr nachdenklich geworden sind.“ Aber Thomas Freitag wäre nicht Thomas Freitag, würde er nicht doch immer wieder neue Figuren in das Spiel integrieren, die für den Zeitgeist stehen. Stoff dafür gibt es derzeit ja genug.

Für Freitag geht es vor allem aber darum, das komplexe Thema „Europa“ jetzt, „egal, was uns gerade umtreibt, nicht aus den Augen zu verlieren“. Und die Dimension des Hier und Jetzt ist: „Man muss den Leuten immer wieder klarmachen, und das ist meine Intention, was insgesamt auf dem Spiel steht.“

Freitag als evangelischer Selbstmordattentäter mit einem Sprengstoffgürtel aus alten Birkenstock-Latschen und Strümpfen. Foto: Pepij

© PV

Freitag als evangelischer Selbstmordattentäter mit einem Sprengstoffgürtel aus alten Birkenstock-Latschen und Strümpfen. Foto: Pepij

Info
Ab Montag gibt es Karten

Die Vorstellung von Thomas Freitags „Europa, der Kreisverkehr und ein Todesfall“ am 18. März im Backnanger Bürgerhaus beginnt um 19.30 Uhr. Saalöffnung ist um 19 Uhr.

Die Vorverkaufsstellen: Geschäftsstelle der Backnanger Kreiszeitung in der Postgasse 7 in Backnang; Volksbank Backnang, Schillerstraße 18 in Backnang und Milchstraße 6 in Sulzbach an der Murr; Weinhaus Haar in der Oberen Bahnhofstraße 10 in Backnang. Die Karten kosten 25 Euro bei freier Platzwahl.

Die Backnanger Kreiszeitung bietet ihren Abonnenten vergünstigte Karten zum Preis von 20 Euro an. Maximal können zwei Karten pro Abo zu dem ermäßigten Preis gekauft werden.

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Erstellt:
22. Februar 2020, 06:00 Uhr

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