Konzert in der Staatsgalerie
Toller Duett-Abend quer durch die Welt der romantischen Salons
Die Opernsängerinnen Katharina Konradi und Catriona Morison haben in einem Konzert der Hugo-Wolf-Akademie mit Duetten der Romantik das Publikum begeistert.
© IHWA
Ammiel Bushakevitz, Katharina Konradi, Catriona Morison (von links“ beim Konzert in der Staatsgalerie
Von Verena Großkreutz
Typisch romantisch: oh süße Qual der Liebe, oh Nacht, oh Tod, oh Leidenschaft. Die Gefühlspalette, die das Publikum im Liedkonzert der Internationalen Hugo-Wolf-Akademie im Konzertsaal der Staatsgalerie jetzt durchlebte, war so farbenreich wie die Stimmen der Opernsängerinnen Katharina Konradi und Catriona Morison und die Gestaltung von Ammiel Bushakevitz am Flügel.
Es gab einen Duett-Abend quer durch die Welt der romantischen Salons, mit Liedern aus deutschen, spanischen und französischen Gefilden. Ein munteres, sehr unterhaltsames Programm, das von Anfang an begeisterte durch seine raffinierte Kontrastdramaturgie aus flotten und bedächtigen, fröhlichen und melancholischen, dramatischen und introvertierten Nummern. Besser geht’s nicht. Das Programm unter dem Motto „Echoes“ ist aber nicht zufällig so wohl kalkuliert. Das Trio hat es 2024 als CD veröffentlicht.
Wenn das „Küsschen“ zum „Flüsschen“ wird
In der ersten Hälfte gab es mit Robert Schumanns „Mädchenliedern“ poetische Klangbilder und mit Johannes Brahms’ „Wege der Liebe“ Dramatisches zu hören. Konradis heller, leichter, silbriger und warmer lyrischer Sopran und Morisons dunkler, voller, erdiger Mezzo ergänzen sich wunderbar – auch wenn Konradi in ihrer plastisch formenden Euphorie gelegentlich der opereske Gaul durchging und sie Morisons Mezzo etwas überdeckte. Aber diese hatte dann in einem Brahms-Solo-Block in „Meine Liebe ist grün“ die Gelegenheit, die eigene Euphorie zur Schau zu stellen, und im finsteren „Immer leiser wird mein Schlummer“ durchs Leid und die Sehnsucht einer Sterbenden zu führen.
Im zweiten Teil gab dann Konradi ihr Solo: mit feurigen und witzigen Liedern des Spaniers Fernando Obradors. In Duetten von Ernest Chausson und Gabriel Fauré unterstrich nun der Mann am Klavier, Ammiel Bushakevitz, die typisch französische Farbenvielfalt. Er ist ein exzellenter Gestalter: mit stacheligem Staccato, wenn’s um Rosen geht, quicklebendig fließendem Drive, wenn das „Küsschen“ zum „Flüsschen“ wird – und Flamencorhythmen kann er auch mitreißend hämmern.
Die Stimmen sausen hoch und runter
Schön, dass der Abend in Liedern der beiden komponierenden Gesangsstars und Schwestern Pauline Viardot und Maria Malibran sowie von Mélanie Bonis, Komponistin mit einem riesigen Œuvre, mündete. Da sausten die Stimmen in Viardots „Habanera“ in virtuosen Parallelgirlanden hoch und runter. Und in Faurés „Tarantelle“ gab es final Doppel-Tonkanonaden, versetzt oder gleichzeitig, auf die Ohren. Das begeisterte, und der Jubel wollte gar nicht mehr aufhören.
