Überraschende Wendungen

Das „Emmet Cohen Trio“ bekommt beim Auftritt in der Jazzreihe im Backnanger Bürgerhaus unter dem Titel „NY rising stars“ am Ende des Konzerts Standing Ovations.

Der vielseitige US-amerikanische Jazzpianist und Komponist Emmet Cohen ist eine der innovativsten, künstlerischen Figuren seiner Generation. Mitseinem Trio war er am Wochenende im Backnanger Bürgerhaus zu Gast. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Der vielseitige US-amerikanische Jazzpianist und Komponist Emmet Cohen ist eine der innovativsten, künstlerischen Figuren seiner Generation. Mit seinem Trio war er am Wochenende im Backnanger Bürgerhaus zu Gast. Foto: J. Fiedler

Von Miklós Vajna

BACKNANG. Das „Emmet Cohen Trio“ mit Emmet Cohen (piano), Yasushi Nakamura (bass) und Kyle Poole (drums) präsentierte das erste Jazzkonzert in dieser Saison im Backnanger Bürgerhaus. Die Performance, unterstützt vom exquisiten Bühnenlicht, war auf internationalem Niveau, und das Backnanger Publikum feierte den Auftritt dementsprechend enthusiastisch. Der Funke sprang gleich über beim ungeduldig erwarteten, etwas verspäteten Beginn und blieb das ganze Konzert hindurch lebendig.

Emmet Cohen, der Pianist und Bandleader, ist sympathisch, locker und cool und transportiert mit unbekümmerter Frische seine geniale einfallsreiche Musik. Es entstehen immer neue Wendungen, die Einwürfe und Weiterführungen sind folgerichtig und meist überraschend, und es gibt erfreulicherweise keinen, wie leider so häufig zu hören, klischeehaften Leerlauf in den ausgetretenen Pfaden der Improvisationen. Und man merkt, dass er in seiner klassischen Pianistenausbildung sehr viel gelernt und in den Jazz mitgenommen hat: sauberes und hochvirtuoses Fingerspiel im aberwitzigen Tempo, Tonrepetitionen mit beiden Händen, geballte Akkordketten und rasante ein- und beidhändige Oktavläufe. Die Stücke sind abwechslungsreich ausgewählt und folgen einem sinnvollen Spannungsbogen, und es gibt eine Vielzahl an musikalisch erfüllten Jazzstilrichtungen, überraschenderweise auch barocke Polyphonie und ein Gershwin-Zitat. Cohen versuchte sich in rührender Weise auch als Sänger, das Ergebnis war, ganz sicher auch wegen technischer Probleme mit dem Mikrofon, nicht ganz auf dem Niveau seines Klavierspiels.

Mit überschäumender Lebensfreude und publikumswirksamen Showeinlagen agierte der Mann an den Drums, Kyle Pool. Viele Klangfarben, dezente Zurücknahme wo nötig, homogenes Zusammenspiel mit der Band und mehrere spannende Schlagzeugsoli mit massigen Klängen zeichneten sein Spiel aus.

Der Bassist agiert souverän und auch er fasziniert das Bürgerhaus-Publikum.

Der Bassist Yasushi Nakamura agierte souverän und hatte volle Aufmerksamkeit des Publikums bei seinem Stück für Solobass: In unwirklich blaugrünes Licht getaucht erklang eine gesangliche Linie, deren Obertöne und Flageolette sich zu besonderen Klängen zusammenfügten und in eine sehr eigene Welt entführten.

Musiker wie Publikum hatten gemeinsam großen Spaß am vielfältigen Geschehen, der Applaus war durchweg überwältigend, durchsetzt mit Johlen und Juchzern und zum Schluss mit Standing Ovations. Gerne gaben die Musiker noch zwei Zugaben.

Nächste Konzerte in der Jazzreihe

Jazzpianistin, Sängerin, Komponistin – die gebürtige Stuttgarterin Olivia Trummer ist alles in einem. Sie tritt am 7. November in der Jazzreihe im Backnanger Bürgerhaus auf. Die klassisch ausgebildete Musikerin, die unter anderem an der Manhattan School of Music studierte, schöpft aus einem breit gefächerten musikalischen Spektrum. Mit Tasten und Stimme formt sie ganz neue Verbindungen zwischen den Genres, wofür sie bereits vielfach ausgezeichnet wurde, zuletzt mit dem renommierten Jazzpreis Baden­Württemberg 2019. Auch wenn zu spüren ist, wie die sie prägenden, in der Jazzmetropole New York verbrachten Jahre sowie der enge Bezug zur klassischen Musik Trummer als Inspirationsquellen dienen – die Kompositionen der Vollblut­Jazzmusikerin weisen viel Sensibilität gleichzeitig für populäre wie auch für klassische Musik auf.

Die hr-Bigband und John Beasley kommen am 3. Februar 2021 ins Backnanger Bürgerhaus. „Return to Forever“ ist ein Meilenstein in Sachen Fusion­Jazz. Der US­Amerikaner John Beasley, der mit der hr­Bigband schon Projekte wie Monkestra oder Somis Petite Afrique mit großem Erfolg umgesetzt hat, schreibt die Arrangements und leitet dieses Tribute­Projekt, das er erstmals in Backnang präsentiert – gemeinsam mit der hr­Bigband, die heute eine der weltweit besten Formationen ihrer Art ist.

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Erstellt:
12. Oktober 2020, 11:30 Uhr

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