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Unbändige Energie und Spielfreude

Die Latvian Blues Band legt auf dem Hofgut Hagenbach auch nach 20 Jahren Bühnenerfahrung noch eine schwungvolle Show hin

Es war das letzte Konzert für dieses Jahr auf dem Hofgut Hagenbach. Zum Abschluss der Saison gab es noch einen besonderen musikalischen Leckerbissen. Mit Spielfreude pur heizten die Vollblutmusiker der Latvian Blues Band aus Lettland dem Publikum mit Baltic-Funky Blues ein.

Die Latvian Blues Band hat den Gäste auf dem Hofgut Hagenbach mehr als zwei Stunden lang eingeheizt.Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Die Latvian Blues Band hat den Gäste auf dem Hofgut Hagenbach mehr als zwei Stunden lang eingeheizt.Foto: A. Becher

Von Claudia Ackermann

BACKNANG. „Sie sind extra aus Lettland hergefahren und haben sich gewundert, dass es in Deutschland so kalt ist“, kündigt Barbara Böhle-Burr, erste Vorsitzende des Vereins Kulturgut – Kultur auf dem Hofgut Hagenbach, die fünf Musiker an. Die Kälte draußen ist schnell vergessen. Schon beim ersten Song heizt Frontmann, Sänger und Gitarrist Janis „Bux“ Bukovskis die Stimmung an, dass die Besucher in der ausverkauften Werkstatt des Hofguts auf den Stühlen mitwippen. Kraftvoll ist seine Stimme, die manchmal ein wenig an Joe Cocker erinnert. Mit der Musikerlegende standen die Letten auch schon auf der Bühne, sowie mit zahlreichen Größen des Blues, wie Johnny V oder Coco Montoya. 20 Jahre Bühnenerfahrung haben sie, aber ihre überschäumende Spielfreude ist ungebrochen.

Wenige Coverversionen, viele Eigenkompositionen

Der Frontmann zeigt enorme Bühnenpräsenz und versteht es, das Publikum mitzureißen. Mit seiner Gitarre verlässt er die Bühne und geht entlang der Zuschauerreihen. Musikalisch kommuniziert er sozusagen mit den einzelnen Besuchern. Mit den Damen flirtet die Gitarre oder sie hält ein kurzes Zwiegespräch mit männlichen Gästen. Die Sprache der Musik ist international. An der Bar holt er sich einen Drink ab und prostet dem Publikum zu, während die Musik auf der Bühne weitergeht. Gut gelaunt erheben die Zuschauer mit dem Gitarristen ihre Gläser, bevor er wieder zurück zur Band geht und so richtig loslegt. Jetzt läuft die Stimme erst recht wie geschmiert.

Es sind vorwiegend Eigenkompositionen mit Einflüssen aus den verschiedensten Bluesrichtungen, ob aus New Orleans oder Chicago. Aus den wenigen Coverversionen, wie etwa B.B. Kings „Feel so Bad“, machen sie ihre ganz eigene Interpretation, und die Besucher stimmen in den Refrain ein. Bei Instrumentalparts und Soli zeigen die fünf Bandmitglieder, dass sie alle Ausnahmemusiker sind. Artis Locmelis bearbeitet das Keyboard, dass es eine wahre Freude ist, um dann zum Saxofon zu greifen und zusammen mit Viesturs Grapmanis an der Trompete gestochen scharfe Bläsersätze zu präsentieren. Mit Drummer Rolands Saulietis bringen sie ihr Spiel auf den Punkt. Immer wieder spendet das begeisterte Publikum Zwischenapplaus. Während Marcis Kalnins ein Solo am Bass hinlegt, greift der Frontmann ihm von hinten unter die Arme und übernimmt das Spiel an seinem Instrument, bevor sie unter kräftigem Applaus vierhändig auf dem Bass spielen. Beste Stimmung herrscht auf dem Hofgut Hagenbach.

Die rund 1700 Kilometer sind sie mit dem Auto für ein Wochenende hergefahren, um das Konzert in Backnang und am darauffolgenden Tag eines in Stuttgart zu geben, erzählt der Keyboarder in der Pause auf Englisch. Dann geht es wieder zurück nach Riga. Kurz darauf stehe ein Flug nach Rumänien an. In zwei Wochen werden sie wieder in Deutschland sein. Die Band aus Lettland ist in ganz Europa und auch in den USA und Kanada unterwegs. So sei nun mal das Musikerleben und er lebe es gerne, lacht der große, schlanke Keyboarder. Dann widmet er sich Besuchern, die zum Konzert gekommen sind, weil sie aus Lettland stammen, wo die Band große Erfolge feiert, und unterhält sich mit ihnen in ihrer Heimatsprache.

Für eine Bluesband strahlt die Combo aus dem Baltikum viel Lebensfreude aus. Die schnelleren Stücke überwiegen. In den wenigen langsamen Songs zeigt der Sänger viel Gefühl und einen enormen Stimmumfang, der von den tiefen Tönen bis hin zur hellen Kopfstimme führt. Dann kommt wieder die Rockröhre durch und der Aufschrei aus tiefster Seele, wie man ihn von Joe Cocker kennt, geht durch Mark und Bein.

Am Ende des Konzerts gibt es Standing Ovations. Ohne Zugaben lassen die Besucher die Band nicht gehen, und die Musiker laufen noch mal zur Höchstform auf. Bei einem letzten Schlagzeugsolo zeigt der Drummer, dass auch nach dem zweistündigen Konzert noch unbändige Energie und Spielfreude in ihm stecken. Noch einmal heizen die Letten dem völlig begeisterten Publikum richtig ein, bevor es wieder hinaus in die Kälte geht.

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Erstellt:
18. November 2019, 06:00 Uhr

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