Ungewöhnliches Konzert in der und für die Stiftskirche

Zur Finanzierung der Mehrkosten im Zuge der Renovierung der Stiftskirche hat der Rotary-Club Backnang-Maubach ein Benefizkonzert organisiert. Unter dem Motto „Kirche meets Jazz“ spielten die fünf Musiker Jazz, Rock, brasilianischen Bossa, Blues und Funk – und bekamen vom Publikum stehende Ovationen.

Die noch junge Band spielt Eigenkompositionen sowie Covers berühmter Songs. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Die noch junge Band spielt Eigenkompositionen sowie Covers berühmter Songs. Foto: J. Fiedler

Von Carmen Warstat

Backnang. In der Stiftskirche fand am vergangenen Freitag ein Jazzkonzert mit Musik statt, wie sie in Kirchen ansonsten eher selten zu hören ist: modern, jung, weltlich. Und aufgrund der 2-G-Regel konnte die Kirche richtig gut ausgelastet werden. Das Publikum war überaus begeistert, dankte zum Abschluss mit stehenden Ovationen. Für die Organisatoren ein weiterer Grund zur Freude: Die Eintrittsgelder kommen der Stiftskirche zugute.

Rund 4,8 Millionen Euro hat die Renovierung der Kirche gekostet, und bekanntermaßen musste die Gemeinde einen Anteil von zwei Millionen selbst stemmen. Im Vorfeld des Benefizkonzerts nennt Dekan Wilfried Braun diese Zahlen noch einmal, und Pfarrerin Sabine Goller-Braun äußert sich im Gespräch zu dem Mehraufwand, der – wie bei Bauprojekten üblich – auch dieses Mal für zusätzlichen Finanzbedarf sorgte.

Die Kirche benötigt weiterhin Spenden

Manches erwies sich als komplizierter als ursprünglich angenommen: Ausgrabungen auf dem Kirchenhof kosteten Zeit und Geld, ebenso die anschließende Neugestaltung des Hofs. Die versenkbare Bühne wurde zur Finanzierung durch den Kirchenrat nicht genehmigt, und auch das digitale Equipment muss die Gemeinde selbst zahlen. Nicht vorhersehbar gewesen waren die aufwendige Sicherung des Maßwerks sowie die Notwendigkeit, die komplette Kirche neu zu verputzen.

Folgerichtig benötigt die Kirche, die überaus dankbar ist für das Erreichte, weiterhin Spenden, und so wurde der Rotary-Club Backnang-Marbach ein weiteres Mal aktiv, um zu helfen. Die Idee, ein Jazzkonzert zu organisieren, war geboren und wurde zunächst von Bernd Mildenberger in Angriff genommen – kein ausgewiesener Jazzfan, aber ein Musikliebhaber ohne Scheuklappen. Er erinnert sich an ein Kirchenkonzert, das ihn fasziniert hatte. Seither habe er selbst einmal so etwas auf die Beine stellen wollen, und hier war die Gelegenheit, die eine Win-win-Situation versprach. Mildenberger kontaktierte den Gitarristen Andy Newman, der holte seinen Partner, den Pianisten Daniel Weiß, ins Boot und sprach Mary Summer (Gesang), Alexander „Sandi“ Kuhn (Saxofon) sowie den Bassisten Brian Thiel an – sie alle wollten dabei sein, und auch der Kantor Hans-Joachim Renz an der Orgel beteiligte sich mit Reminiszenzen an Jazz- und Bluesrock.

Die junge Band erfreute mit Eigenkompositionen und Covers berühmter Songs, etwa des einst von Nina Simone interpretierten (und auch an sie erinnernden) „Feeling Good“ oder als Zugabe Sara Bareilles’ berührenden „She used to be mine“. Die Stimme der Stuttgarterin Mary Summer ist so kraftvoll, dass sie diese Herausforderungen hervorragend meistert. Hinzu kommt eine gewinnende Ausstrahlung, charmant und „immer bezaubernd“, wie es einer der Herren auf der Bühne ausdrückt. Exzellent präsentieren sich auch die Instrumentalisten: Daniel Weiß, unter anderem am Flügel, beherrscht das ausladende, nahezu uferlose Spiel ebenso wie das fein ziselierte und begeisterte, mit vollendeter Meisterschaft noch in den unerwarteten Wendungen. 1996 geboren, ist er schon jetzt ein international angesehener Künstler mit Ambitionen. Am Saxofon brilliert Alexander Kuhn, der in Boston und Stuttgart studierte. Sensibles und zugleich absolut meisterhaftes Spiel kennzeichnen seinen Auftritt, Anpassungsfähigkeit und Autonomie in einem. Brian Thiel wechselte nach ersten Gehversuchen auf der Gitarre zum E-Bass, in den er sich „auf den ersten Ton“ verliebte. In der Stiftskirche trägt sein feinfühliges Spiel auf dem Kontrabass zum entspannten Groove und jenem Bauchgefühl bei, das sich einstellt, wenn der Bassist weiß, was er tut.

Das Gesamterlebnis begeistert

Und schließlich Andy Newman, der musikalische Leiter des Projekts. Der Gitarrist wurde 1986 in Backnang geboren, studierte in Los Angeles und lernte dort von renommierten Musikern. Er hat bereits verschiedene Bands und Solokünstler auf Livebühnen und im Fernsehen begleitet und darf als Ausnahmetalent und Vollblutprofi bezeichnet werden. Das Stück „Sabiá“ entstand in Erinnerung an eine Kindheit im Backnanger Drosselweg, wo Andy Newman aufwuchs. Denn „Sabiá“ ist das portugiesische Wort für Drossel. „Schön zu hören“ versprach bereits die Einladung. Aber es gibt auch etwas fürs Auge: Die Lichttechniker tauchen die frisch renovierte Kirche in wechselnde Farben, sodass ein atemberaubendes Gesamterlebnis das Publikum restlos begeistert.

Was die Organisatoren und das Kirchenteam begeistert: Aufgrund des Engagements der Sponsoren (unter anderem der Volksbank Backnang und der Bäckerei Mildenberger) können die Spendengelder komplett an die Kirche gegeben werden, wie Rotary-Freund Ingolf Höllen mitteilte.

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Erstellt:
2. November 2021, 06:00 Uhr

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