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Von der Idiotie der Gesellschaft

Mit Markus Maria Profitlich gastierte wieder ein Comedian auf dem Parkplatz hinter der Auenwaldhalle. Im Zentrum seines Programms „Schwer verrückt“ stehen die Irrungen und Verwerfungen des heutigen Individualismus – faktische Richtigkeit bleibt dabei zweitrangig.

Den Titel seines Programms „Schwer verrückt“ nimmt der Komiker Markus Maria Profitlich wörtlich und erscheint in Zwangsjacke auf der Bühne des Auenwalder Autokinos. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Den Titel seines Programms „Schwer verrückt“ nimmt der Komiker Markus Maria Profitlich wörtlich und erscheint in Zwangsjacke auf der Bühne des Auenwalder Autokinos. Foto: A. Becher

Von Carmen Warstat

AUENWALD. Es ist still geworden um den einstigen Fernsehliebling Markus Maria Profitlich. Der Star der Sendung „Mensch Markus“ und „Erklärbär“ aus der „Wochenshow“ erkrankte vor drei Jahren an Morbus Parkinson und spricht offen darüber. Galgenhumor eingeschlossen. Seiner Liebe zur Bühne allerdings tut die Krankheit scheinbar keinen Abbruch, auch wenn wegen des Coronavirus bis zuletzt viele Veranstaltungen abgesagt oder verschoben werden mussten. „Schwer verrückt“ nennt er diese Zeiten, und so lautet auch der Titel seines aktuellen Programms.

Angekündigt wird Profitlich an diesem Frühlingsabend von Auenwalds Bürgermeister Karl Ostfalk und danach ganz professionell von einer Stimme aus dem Off, die zunächst das Fotografieren und Filmen verbietet und den Comedian sodann als „Retter aus der Finsternis der Humorlosigkeit“ und als „Freibeuter unter den Komikern“ vorstellt. Letzteres kommt nicht von ungefähr, besteht sein Programm doch aus einer losen Aneinanderreihung teils altbekannter Witze – nicht selten lässt die Reaktion des Publikums auf sich warten.

Tiefgründige Gedanken gehen im Programm unter.

Die Applaus-App stellt der Künstler gleich zu Beginn ab, zumindest die Monitore, die Klatschen, Jubeln und Lachen eigentlich an sein Ohr bringen sollen. „Zu anstrengend!“ Der rote Faden des Programms wird konsequent aufgenommen: Profitlich erscheint in einer Zwangsjacke auf der Bühne – „schwer verrückt“ eben. Die Jacke legt er bald ab. Sara hilft ihm da heraus, und das findet er „total nett“.

Das Motiv der Verrücktheit unserer Gesellschaft bleibt. Es scheint jede Art Scherz zu legitimieren. Trotz oder gerade wegen der eigenen Erkrankung macht der Komiker, wie dieser Tage viele seiner Kollegen, sich über Allergiker, Veganer, Frutarier lustig – alles in einen Topf und umgerührt, um faktische Richtigkeit geht es hier mit Sicherheit nicht. Markus Maria Profitlich selbst lacht gern und viel über seine Auslassungen – Selbstironie vielleicht, oder einfach Verlegenheit. Denn weder ist alles jugendtauglich noch von Niveau, und so wirken tiefgründigere Gedanken seltsam deplatziert, auch wenn es – Humor hin oder her – wohl umgekehrt sein sollte. Beispiel: der dem Dalai Lama zugeschriebene Aphorismus, die Menschen seien auf der Welt, um geliebt, die Dinge hingegen, um genutzt zu werden, in der Realität sei es leider anders herum. Gleich wird dieses schöne Bonmot abgeflacht werden, und so ergeht es in Profitlichs Programm vielen der lichteren Momente.

Inkontinenz von Onkel Hubert ist der Brüller schlechthin.

Der Comedian wendet sich wirklich allen Irrungen und Verwerfungen des heutigen Individualismus zu und beschenkt jede Idiotie mit seiner Aufmerksamkeit, die Aufhellung des Anus per Bleaching etwa, wie sie von manchen Zeitgenossen für nötig gehalten wird, oder die „Arschverbreiterung“, der sich andere unterziehen.

Auch zeigt Profitlich sein nacktes Hinterteil und punktet mit allerlei Darmgeräuschen. Da gehen handwerklich achtbare Nummern wie eine Halbpantomime mit Körpersounduntermalung oder politische Anspielungen wie Onkel Huberts Neigung zum NS-Regime leider fast unter. Dafür ist dessen Inkontinenz der Brüller schlechthin. Es scheint, Profitlich glaubt einzig an den Zauber der Körperlichkeit. Schade eigentlich.

Punkten konnte an diesem Abend das Rahmenprogramm auf dem Parkplatz der Auenwaldhalle: Die Gemeinde Auenwald wäre nicht sie selbst, ließe sie sich nicht immer wieder etwas Neues einfallen. Dieses Mal gab es neben der Snackbar auch eine Cocktailbar, selbstverständlich auch mit alkoholfreien Drinks für die Fahrer. Mit Sicherheit wird diese bei der baldigen Ladys Night mit Modenschau und dem dazu passenden Film „Der Teufel trägt Prada“ von den Damen gut angenommen werden. Ein Männerabend mit Fassbier und Fleisch soll folgen, und auch eine Puppentheatervorstellung sowie eine Zaubershow für Kinder befinden sich in Vorbereitung.

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Erstellt:
2. Juni 2020, 06:00 Uhr

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