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Von Schwiegermüttern und Dieselverbot

Bei der „Kleinen Schwobakomede“ am Schloss Ebersberg war neben viel Gelächter für die Zuschauer auch Singen angesagt.

Scheinbar mühelos gelang es Wulf Wager, die Gemüter der Zuschauer zu erhellen und regelrechte Lachsalven zu erzeugen. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Scheinbar mühelos gelang es Wulf Wager, die Gemüter der Zuschauer zu erhellen und regelrechte Lachsalven zu erzeugen. Foto: A. Becher

Von Wolfgang Gleich

AUENWALD. Lachen bis die Tränen fließen und die Luft wegbleibt, Beifall spenden bis die Handflächen glühen, für ein paar Stunden loslassen, sich treiben lassen und einfach nur fröhlich sein. Etwa 100 Zuschauer ließen sich am Freitagabend auch von der Aussicht auf Regen und Kälte nicht abhalten und machten sich auf den Weg hinauf in den Auenwalder Kulturgarten beim Schloss Ebersberg, um sich für ein paar Stunden von der „Kleinen Schwobakomede“ aus den Niederungen des Alltags entführen zu lassen. Die Stimmung und gute Laune, mit denen sie belohnt wurden, hätten allemal für fünfhundert ausgereicht.

„Wir widersetzen uns dem allgemeinen Trend. Wir können nicht nur daheim herumsitzen, sondern müssen auch raus“, eröffnete Bürgermeister Karl Ostfalk eine neue Folge des Kulturprogramms Auenwald. „Richtige Kultur der Spitzenklasse, die Speerspitze der Schwobekomede“ präsentierte der Schultes, der sich an diesem Abend – unüberhörbar – als Hohenloher, „also eigentlich kein richtiger Schwob“ outete. Jedenfalls, das Team um Ostfalk und Roland Schmidt vom Ordnungsamt hatte gründliche Arbeit geleistet und den Kulturgarten als perfekte Wohlfühloase vorbereitet: die Biergarnituren standen wetterfest unter weit ausladenden Schirmen, ein Ordnerpaar sorgte für reibungsloses Parkplatz-Management, und fürs leibliche Wohl war ebenfalls bestens gesorgt: Steaks, Grillwürste, Pommes, Tortilla Chips oder Cocktail Snacks, dazu eine breit gefächerte Getränkepalette ließen keine Wünsche offen.

Das Spannungsfeld zwischen Mann und Frau steht oft im Mittelpunkt.

Wulf Wager, der Stuttgarter Tausendsassa, eröffnete den Reigen des Künstlerquartetts, das es an diesem Abend scheinbar mühelos schaffte, einen Lichtschein in das Dunkel zu bringen, das sich in diesen Coronazeiten immer zäher über die Seelen und Gemüter der Menschen legt. Der „Mann im roten Anzug“ provozierte Lachsalven mit seinen küchenphilosophischen Betrachtungen zum Verhältnis zwischen Mann und Frau, die er unter den Thesen: „Die Frau ist die einzige Beute, die ihrem Jäger auflauert“ und „Die Hochzeit ist die Tür zum Glück. Leider hat sie auf der Seite der Männer lediglich einen Knauf“ subsumierte. Zum Beleg dafür, dass das Verhältnis zwischen den Geschlechtern letztendlich auf einem Grundmissverständnis beruhe, trug Wager dann auch noch seine „Tagebucheinträge über das vergangene Wochenende“ vor. Ans Eingemachte ging es schließlich, als er in Gestalt des Professors Winnetou Häberle nicht nur die Erkenntnis vortrug, dass es sich bei Indianern und den Schwaben um die sexuell aktivsten Menschen handle, sondern auch, ganz auf den Spuren Thaddäus Trolls mäandernd, seinen Zuhörern die Anatomie des „homo maultaschensis“ näherbrachte.

Bodenständig, bisweilen derb gestaltete Markus Zipperle seinen Bühnenauftritt, durch den sich – wie könnte es anders sein – ebenfalls das Thema Nummer eins als roter Faden zog. Zipperle, der nicht nur Äffle und Pferdle Stimme gibt, sondern sich auch seit 1999 künstlerisch in der Ebersbacher Theaterscheuer und seit 15 Jahren mit seinen Soloprogrammen vielseitig künstlerisch austobt, kalauerte frisch von der Leber weg von der Bühne herunter und schaffte es sogar, das Publikum zum gemeinsamen Singen zu animieren. Und so ganz nebenbei bekamen Ordnungshüter, Schwiegermütter und jugendliche Modefreaks auch noch ihr Fett weg. Als besonderes „Zuckerle“ gab es den inzwischen geradezu legendären „Hafer- und Bananenblues“ zur Musik der „Muggabatschr“.

Singen und Musizieren war auch bei der „Kehrwoch Mafia 2.0“ angesagt. Mit ihren Gitarren bewaffnet, angetan mit schwarzem Anzug, schwarzem Hemd, schwarzem Hut und knallgelber Krawatte traten Buddy Bosch und Armin Sabol, die sich auch als „Nachtigall von Sirnau“ und „Frank Sinatra vom Rotenberg“ vorstellten, vor das Publikum und sangen zu allseits bekannten Melodien ihre Gedanken über das Dieselfahrverbot – „Unter dem Feinstaub muss der Wahnsinn wohl grenzenlos sein“ –, Veganismus, Männerschnupfen, das Hinaustragen des Müllsacks und – mitreißend karibisch zu den Klängen des kubanischen Revolutionsliedes „Guantanamera“ – über die Ungerechtigkeiten des Lebens, das für manche ständig nur „Die Arschkarte“ bereithält.

Vor dem von dem Quartett gemeinsam vorgetragenen Schlusslied „Für immer Schwob“ (nach „Forever young“ von Alphaville) wurde es noch einmal ernst. Bei der Schwobakomede, bekam das Publikum mit auf den Heimweg, handle es sich um den Zusammenschluss einer Reihe schwäbischer Künstler, die sich 2014 kennenlernten, als sie gemeinsam eine CD zugunsten der damals 700 Stuttgarter obdachloser Straßenkinder aufnahmen. Das Anliegen an diesem Abend war die Bitte, gerade in diesen für freischaffende Künstler besonders schweren Zeiten, deren Auftritte zu besuchen, ihnen auf diese Weise die Möglichkeit zum Broterwerb und Kontakt zum Publikum zu eröffnen.

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Erstellt:
31. August 2020, 06:00 Uhr

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