Stuttgarter Tanzsommer 2026

Von Taiwan bis Madrid: Internationale Gäste bringen Bewegung in die Region

Die französische Compagnie Käfig machte an diesem Wochenende in Ludwigsburg Lust auf mehr: Auch ohne Colours-Festival bringt der Sommer viel Tanz in die Region.

Wenn Tanz abhebt: Die Compagnie Käfig (links) flog schon in Ludwigsburg vorbei. Die italienischen Tänzer von Il Posto wollen dort im Juli hoch hinaus.

© Christophe Bernard, Andrea Veroni

Wenn Tanz abhebt: Die Compagnie Käfig (links) flog schon in Ludwigsburg vorbei. Die italienischen Tänzer von Il Posto wollen dort im Juli hoch hinaus.

Von Andrea Kachelrieß

Wie beruhigend: Auch eine Hip-Hop-Tanzformation wie die französische Compagnie Käfig wird älter. 1996 hat sie der Choreograf Mourad Merzouki gegründet, drei Jahre später tanzte sie bereits auf Einladung der Schlossfestspiele in der Karlskaserne und war fortan häufiger Festivalgast, zuletzt bei Colours im Stuttgarter-Theaterhaus. Zum 30. Geburtstag kehrte sie nun zurück, brachte Grauhaarige zum Tanzen und machte mit der Erinnerung an frühere Festivals Lust auf das, was der Tanzsommer 2026 in der Region in Bewegung bringt.

Wer beweglich bleibt, altert besser

Kulturell Verschiedenes zusammenzupacken, um aus dem Gefängnis der Stile auszubrechen, ist bei einer Tanzkompanie Programm, deren Name ja bereits an Gitterstäben rüttelt. Und so brachte das Jubiläumsstück „Beauséjour“ am vergangenen Wochenende nicht nur akrobatischen Streetdance auf die Bühne, sondern schwelgte im Ludwigsburger Forum auch zu Musette-Klängen in romantischen Tanztheater-Szenen. Zwei Generationen tanzten in dem Stück, dessen Titel wie der Name einer Seniorenresidenz klingt. Und auch wenn die Alten mit falschen Bäuchen und Buckeln nicht zu 100 Prozent echt waren, will „Beauséjour“  Hoffnungsschimmer sein: Wer beweglich bleibt, altert besser, so die Botschaft.

Vor allem machte das stimmungsvoll zwischen Kurpark und Club angelegte Stück Lust auf den Tanzsommer, der viele internationale Gäste in die Region bringen wird: Im Forum in Ludwigsburg etwa endet das städtische Kulturprogramm mit einem Gastspiel des berühmten Cloud Gate Dance Theatre aus Taiwan und der Produktion „Sounding Light“ am 22. und 23. Mai, bevor sich dort am 19. und 20. Juni auf Einladung der Schlossfestspiele das spanische Nationalballett und Marcos Morau mit „Afanador“ vor dem kolumbianischen Flamenco-Fotografen Ruvén Afanador verbeugen.

Weitere Gäste der Schlossfestspiele sind die italienische Kompanie Il Posto, die mit „Variazioni verticali“ (4./.5. Juli“) sehr akrobatisch über die Fassade der Ludwigsburger Stadtkirche tanzen wird, und das Ballett aus Monte-Carlo, das am 24. und 25. Juli im Forum mit einer Choreografie von Jean-Christophe Maillot „Ma Bayadère“ zwischen gestern und heute platziert.

Sharon Eyals Kompanie tanzt in Heilbronn

Auch in Heilbronn wird wieder getanzt; Kuratorin Canan Erek präsentiert im Juni die letzte Ausgabe des Festivals Tanz! Heilbronn, bevor ein Intendantenwechsel am dortigen Theater neue Zeiten einläutet. Botis Seva und seine Kompanie Far from the Norm eröffnen das Festival am 9. Juni mit ihrem Hit „BLKDOG“, der bereits 2022 beim Colours-Festival zu erleben war. Aus dem Theaterhaus bekannt ist auch Sharon Eyals Kompanie S-E-D, die in Heilbronn mit der neuen Produktion „Delay the Sadness“ am 13. Juni fürs Festivalfinale sorgt. Dazwischen gastieren MC/GN aus Barcelona mit „Natural Order of Things“ (11. Juni), die Griechin Ermira Goro mit dem Duett „Sirens“ sowie das italienisch-kroatische Duo Stragapede-Babic mit „Amae“ bei einem Doppelabend, der zwischenmenschliche Beziehungen untersucht (12. Juni).

2026 ist in Stuttgart kein Colours-Jahr, aber im Theaterhaus gibt es trotzdem internationale Tanzkunst: Hofesh Shechter und Aszure Barton bestücken den neuen Gauthier-Dance-Abend „Luck/Unluck“, Premiere ist am 26. Juni. Ausklingen lassen kann man den Tanzsommer am 25. Juli ganz glücklich bei Ballett im Park: Mit einer Gala blickt das Stuttgarter Ballett zum runden Geburtstag auf die 20-jährige Geschichte seines Umsonst- und-Draußen-Events am Ufer des Eckensees zurück.

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Erstellt:
4. Mai 2026, 15:44 Uhr
Aktualisiert:
4. Mai 2026, 18:49 Uhr

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