Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

„Vor der Premiere ist Theater echt Arbeit“

Junge Backnanger Bürgerbühne feiert heute Abend mit dem Stück „Reise nach Oz“ Premiere im Bandhaus-Theater Backnang

Heute feiert die Junge Backnanger Bürgerbühne (Junge BBB) ihre 2. Premiere im Bandhaus-Theater. Aufgeführt wird die Reise nach Oz. Während der letzten Probetage geht’s manchmal richtig hektisch, aber auch diszipliniert zu.

Begegnen sich bei der Reise nach Oz: Das kleine Mädchen Dorothy, die Vogelscheuche, ein feiger Löwe und ein eingerosteter Blechmann sowie die böse Hexe Em, die gute Fee Glinda und der Zauberer – gespielt von den Darstellern der Jungen Backnanger Bürgerbühne. Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Begegnen sich bei der Reise nach Oz: Das kleine Mädchen Dorothy, die Vogelscheuche, ein feiger Löwe und ein eingerosteter Blechmann sowie die böse Hexe Em, die gute Fee Glinda und der Zauberer – gespielt von den Darstellern der Jungen Backnanger Bürgerbühne. Foto: A. Becher

Von Renate Schweizer

BACKNANG. In den USA ist es ein Kinderbuchklassiker – was wieder einmal zeigt, dass nicht alles schlecht ist, was aus Amerika kommt –, mehrfach verfilmt mit Liedern, die Welthits wurden, und jedes amerikanische Kind kennt die Hauptfiguren. Da sind Dorothy, das kleine Mädchen mit den großen Träumen, und ihre Gefährten: eine Vogelscheuche ohne Hirn, ein feiger Löwe, der seine Angst durch sinnlose Aggression kaschiert, und ein eingerosteter Blechmann ohne Herz.

Außerdem natürlich, weil jede ordentliche Geschichte einen Bösewicht braucht, die böse Hexe Em und ihre Gegenspielerin, die gute Fee Glinda. Und der Zauberer, der, wie sich am Ende herausstellt... – aber halt! Hier wird keinesfalls verraten, wie’s ausgeht. Wer es wissen will – zum Beispiel weil er als mitteleuropäisches Kind Jim Knopf gelesen hat und nicht den Zauberer von Oz –, der muss schon ins Bandhaus-Theater gehen, wo die Junge Bürgerbühne unter Leitung und Regie von Juliane Putzmann das moderne Märchen mit viel Musik aufführt. Heute um 20 Uhr ist Premiere.

Jetzt, vor der Premiere, ist es wie immer vor so einem Großereignis: Das Bandhaus steht Kopf, die Hütte brennt, allabendlich gibt’s eine Sonderprobenschicht, heute mit Band (Tim Dressler, Willy Lachenmaier, Pascal Zesche, Niels Koole), morgen mit Bühnenbildner (Manuel Kolip), dann Haupt- und Generalprobe. Mal klemmen die Bremsen der verschiebbaren Kulissen, mal hört der Nebelmacher gar nicht mehr auf, Nebel zu machen, bis alle halb blind auf der Bühne herumstolpern, fieberhaft wird noch am Text (Juliane Putzmann, Jasmin Meindl) gearbeitet, vorletzte, letzte und allerletzte Änderungen einstudiert.

Trotz allem ist die Stimmung bestens, ein bisschen überdreht und wenn’s drauf ankommt superdiszipliniert. Mitten im Trubel ganz souverän die beiden Theaterfrauen, „kurz vor der Premiere ist es immer so, es muss so sein – da wird Theater echt Arbeit.“ Minutiös wird mitgeschrieben, worauf man sich nach langer Diskussion geeinigt hat. „Ich kann an dieser Stelle nicht von links auf die Bühne kommen, ich komm gar nicht an diesem Schlagzeug vorbei“, ruft da die böse Hexe (Sylvia Bollinger) empört, „okay, dann von rechts bei den Hockern“ und zwischendurch kommen trockene Kommentare von Jasmin Meindl: „Hier sieht’s aus wie bei Ikea am Samstag.“

Bühnenbild und die wunderbar schrägen Kostüme hat der schon bandhausbewährte Manuel Kolib gemacht und er hat alles gegeben: Alles ist drehbar, faltbar, verschiebbar, multifunktional und herrlich überdreht – allein das schon wäre den Besuch im Bandhaus wert. Wenn man nicht lieber wegen der Musik kommen will, denn die Theatermacherinnen haben ihren Protagonisten herrliche Lieder starker Frauen auf die Reise mitgegeben, Hildegard Knef, Janis Joplin, Tracy Chapman und andere, alles live gesungen und auch zwischendurch wird das Abenteuer musikalisch untermalt. Der Komponist (Steffen Münster) braucht starke Nerven beim Probendurchlauf. Mal wird noch ein tiefer Basston gebraucht („Was für einer denn sonst? Schon mal was von hohem Bass gehört?“), mal wird er rigoros von der Bühne gescheucht, wenn er den Musikern noch ein paar Ideen ins Ohr flüstern will.

Die Hauptrolle der Dorothy wird von Leonie Bernhardt gespielt und toll gesungen, ansonsten spielen mit: Felix Weber, Gaby Miletic (Junge BBB ehrenhalber), Benjamin Adlung, Melanie Lang, Hannes Gärtig, Maximilian Idler, Willy Lachenmaier, Philipp Hohnerlein, Serina Wiesenthal und Oskar Bentele – ein inzwischen eingespieltes Team, alle voll bei der Sache, trotz hohem Zeitaufwand fürs Rollenlernen, Gesangsunterricht und Probendisziplin.

„Sie sind toll“, raunt Juliane Putzmann der Zeitungsfrau zu – leise natürlich, damit sie’s nicht hören –, „wenn dem Theater das Geld ausgeht, können wir sie vermieten. Sie haben’s drauf.“ Ein hohes Lob aus berufenem Munde.

Zum Artikel

Erstellt:
25. Mai 2019, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!

Kultur im Kreis

Comedy trifft auf Theater und Kino

Comedian Naim Sabani tritt bei der Backnanger Kinopremiere „Hollywoodtürke“ und in der Theaterscheune Mäulesmühle auf