Julius Forster von Hotel Rimini

Würden Sie die Schule noch mal abbrechen, Herr Forster?

Julius Forster ist Schulabbrecher, Schauspieler und Musiker. Wir sprechen mit dem Frontman der Leipziger Band Hotel Rimini, der an der HMDK Stuttgart Schauspiel studiert hat, über Schule, herausfordernde Persönlichkeiten und Erinnerungen an Stuttgart.

Julius Forster besucht mit seiner Band Hotel Rimini bald wieder Stuttgart, wo er zehn Jahre zuvor an der HMDK sein Studium zum Schauspieler absolviert hat.

© F&P/Fabian Raabe

Julius Forster besucht mit seiner Band Hotel Rimini bald wieder Stuttgart, wo er zehn Jahre zuvor an der HMDK sein Studium zum Schauspieler absolviert hat.

Von Petra Xayaphoum

Julius Forster ist Schauspieler und Sänger der Leipziger Band Hotel Rimini, die im vergangenen Jahr mit ihrem Album „Allein unter Möbeln“ ein grandioses Debüt hingelegt hat. Am 5. April spielen sie im Merlin in Stuttgart-West. Zuvor wollen wir aber von ihm wissen:

Was ist Ihre beste Erinnerung an Stuttgart?

Als ich an der Schauspielschule, der HMDK, angenommen wurde. Es gibt bei solchen Auswahlprozessen immer mehrere Runden, die man durchlaufen muss. Und während dieser habe ich ein Gefühl der Intensität, dass alles neu und aufregend ist, verspürt – an dieses Gefühl erinnere ich mich gerne.

Für Sie war das ein großer Wendepunkt in Ihrer Biografie?

Ich komme eigentlich aus Regensburg und hatte zu der Zeit die Schule abgebrochen und den konkreten Wunsch, Schauspieler zu werden. Gleich bei diesem, meinem ersten Vorsprechen, wurde ich dann genommen. Ich hatte sehr viel Glück.

Wenn Sie die Zeit zurückdrehen könnten – würden Sie’s noch mal genauso machen?

Schule muss nicht zwangsläufig schlimm sein, aber ich persönlich habe den Bewertungsdruck sehr negativ wahrgenommen. Man ist gezwungen mit ganz vielen Menschen, die man sich nicht ausgesucht hat, in einem Kontext zu arbeiten, den man gar nicht interessant findet. Das hat mich auch belastet. Ich bereue es gar nicht, die Schule abgebrochen zu haben, für meinen Werdegang braucht man kein Abi. Das ist aber keine universelle Empfehlung. Es hängt immer davon ab, wie konkret der eigene Plan ist.

Was ist Ihre schlimmste Erinnerung an Stuttgart?

Ich hatte während meiner Zeit in Stuttgart recht intensiven Liebeskummer.

Woher kommt denn der Name Hotel Rimini?

Da gibt es zwei Geschichten, eine ist wahr, die andere nicht. Die erste lautet, dass wir alle einen Sommerjob in diesem Hotel gemacht haben, als der Lockdown kam. Weil wir gleichzeitig alle Musiker sind, haben wir uns dann zusammengetan und uns in die Präsidentensuite eingemietet, wo wir das Album aufgenommen haben. Daher rührt auch der Albumtitel „Allein unter Möbeln“. Die zweite Geschichte beginnt mit einer Bandprobe zu einem Zeitpunkt, als wir noch keinen Namen hatten. Wir haben zum Spaß alle die Instrumente durchgewechselt, wodurch ein Sound entstand, der klang wie der einer Band, die in der Empfangshalle eines Hotels für Pauschaltouristen spielen würde. Und in diesem Assoziationsraum fiel am Mikro der Begriff „Hotel Rimini“. Ich sollte dann später selbst in einem Hotelzimmer sitzend, den Film „Oktober in Rimini“ mit Alain Delon gesehen haben, dessen Stimmung gut zu unserer Musik gepasst hat.

Schauspiel oder Musik?

Schwierige Frage, meinen inneren Fokus habe ich aktuell auf der Musik. Aber ich kann das nicht ultimativ beantworten: Denn es hat auch immer etwas damit zu tun, wie sehr ich mich selbstbestimmt in den Kreativprozess einbinden kann. Das kann ich im Moment in der Musik und der Band, das genieße ich schon sehr.

Welche Rolle wollen Sie noch spielen?

Mich reizt die Zusammenarbeit mit spannenden Leuten immer mehr als diese oder jene spannende Figur zu spielen. Wenn ich zum Beispiel eine tolle Rolle habe, aber nicht mit der Regie klarkomme, dann habe ich nichtsdestotrotz wenig Spaß dabei. Umgekehrt kann es wunderbar sein, eine kleine oder auf dem Papier langweilige Rolle zu spielen, wenn dafür beim Team und der Regie die Chemie stimmt und man auf einer Wellenlänge liegt.

Welcher Typ Mensch fordert Sie denn heraus?

Wenn auf der anderen Seite kein Interesse ist, einen Austausch auf Augenhöhe stattfinden zu lassen. Oder wenn die Arbeitsweise sehr angstbehaftet ist, dass nicht zugelassen wird, andere am Prozess teilhaben zu lassen, weil man Angst hat, etwas zu verlieren. Und wenn ich das Gefühl habe, dass jemand in der zwischenmenschlichen Kommunikation eine Hierarchie aufmacht.

Letzte Frage: Sie singen über beides – Kaffee oder Granola?

Kaffee.

► Julius Forster tritt mit Hotel Rimini am 5. April in Stuttgart im Merlin auf.

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Erstellt:
3. April 2024, 16:57 Uhr
Aktualisiert:
4. April 2024, 12:32 Uhr

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