Zehn Verlage veröffentlichen ihre Storys

Die Backnangerin Marina Heidrich ist nicht nur als Musikerin, sondern auch als Autorin bekannt. Unterschiedliche Verlage haben sich schon für ihre Geschichten interessiert. Gerade schreibt sie an einer Fortsetzung ihres satirischen Romans „Go!Dessia – Das Möhrchenmassaker“.

Ihre Fantasie ist grenzenlos: Marina Heidrich hat Geschichten in unterschiedlichsten Genres erzählt. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Ihre Fantasie ist grenzenlos: Marina Heidrich hat Geschichten in unterschiedlichsten Genres erzählt. Foto: A. Becher

Von Ingrid Knack

Backnang. Schreiben ist schon lange die Leidenschaft von Marina Heidrich. Selbst in die renommierte Deutsche Journalistenschule in München wurde sie vor vielen Jahren eingeladen. Bis zu dieser entscheidenden Phase des Aufnahmeverfahrens kommen die wenigsten potenziellen Journalistinnen und Journalisten, die eine Bewerbungsreportage eingereicht haben. Zwar betrat Marina Heidrich dann letztlich doch nicht hauptberuflich die Welt der Medien, unsere Zeitung konnte sie aber als freie Mitarbeiterin gewinnen. Vor allem als Expertin für Kultur– sie selbst ist in mehreren musikalischen Formationen als Sängerin unterwegs.

Doch auch die Belletristik hat es ihr angetan. Mittlerweile sind ihre Geschichten in zehn Verlagen erschienen. „Seit der ersten Ausschreibung der Backnang Stories durch den Leseratten-Verlag 2014 bin ich jedes Jahr mit dabei und jedes Jahr hat sich bislang die wechselnde Jury entschieden, meine anonym eingesandten Geschichten zu veröffentlichen. Die allerersten Backnang Stories 2014 konnte ich gleich mit dem ersten Platz abschließen. Ich schicke meistens eine ernste und eine witzige Geschichte los, erfreulicherweise kamen die bisher immer beide bei der Jury gut an“, erzählt Marina Heidrich. Im Leseratten-Verlag erschien 2018 auch ihr Roman „Go!Dessia – Das Möhrchenmassaker“, ein kunterbunter Fantasykrimi mit anarchistisch-chaotischer Handlung und satirischer Betrachtung der 1980er-Jahre-Haarspray-Rockgeneration. Inklusive boshaften Seitenhieben auf den IS und Verblendete aller Art. Die vielseitige Autorin meint dazu: „Auf dieses Baby bin ich wirklich stolz. Im Moment schreibe ich an der Fortsetzung – und es gibt doch tatsächlich Leute, die mich deswegen anschreiben und es kaum erwarten können, wie die Geschichte um meine rockenden alternden Götter in Menschengestalt weitergeht.“

Der Plot: Eine Seuche macht aus Menschen Zombies

Besonders freut sie, dass der renommierte Fischer-Verlag sich 2016 bei der Neugründung des Ablegers Fischer Tor Online (Bereich Science-Fiction, Fantasy und mehr) entschieden hat, ihre 2015 in der Anthologie des Amrun-Verlags „Zombie Zone Germany“ erschienene Kurzgeschichte „Magnolien“ als allererste Geschichte zu präsentieren. Und das, obwohl (oder vielleicht gerade weil) ihre Geschichte die Leser stark polarisiert. Die Ausgangssituation: Deutschland 2022, hermetisch abgeriegelt von der UN, weil eine Seuche grassiert, die fast die gesamte Bevölkerung zu Zombies mutieren ließ. Niemand kann rein oder raus. Was passiert mit den Überlebenden in den deutschen Städten? „Ich habe natürlich Stuttgart gewählt – und ganz untypisch und bewusst meine Zombie-Story nicht mit Strömen von Blut und Hirnmasse gestaltet, sondern lasse die Gedanken meiner Hauptfigur um die Magnolien in der Wilhelma kreisen. Das hat einige Hardcore-Fans sehr irritiert – auf der anderen Seite habe ich unter anderem von einem Psychologen aus Krefeld eine begeisterte E-Mail bekommen, da ich wohl die innere Versteinerung und Verzweiflung eines Menschen, der alles verloren hat und nun auf dem Weg ist, sich umzubringen, sehr gut rübergebracht habe“, plaudert die Verfasserin aus dem Nähkästchen.

Marina Heidrich, die im wahren Leben eine sehr menschenzugewandte, freundliche, geduldige, tolerante Person ist, kann literarisch aber auch ganz böse. „In der Anthologie ,Blutige Welten‘ zeige ich in ,Drachenstaub und Engelsamen‘ Erzengel mal von einer mehr als bedrohlichen Seite. Hier musste Blut fließen – und zwar reichlich. Das Schönste war, dass der angesehene Hamburger Horrorautor Vincent Voss augenzwinkernd meine Geschichte als ,sehr krank‘ bezeichnet hat und mir auf Facebook eine Freundschaftsanfrage geschickt hat. Der Ritterschlag durch den Meister. Mann, war ich aufgeregt.“ Der literarische Zug, in dem die Backnangerin unterwegs ist, nahm in den vergangenen Jahren immer mehr Fahrt auf. Heidrich: „Bereits 2017 hatte ich schon mal echte Glücksgefühle, als Michael Schmidt, der Herausgeber von Zwielicht classic, bei mir anfragte, ob er eine meiner bereits erschienenen Geschichten in dieser Anthologie verwenden dürfe, die sich zum Ziel gesetzt hat, ,Genreperlen vor dem Vergessen zu bewahren‘. Wow! Zuerst war ich nur geschmeichelt, aber als ich gesehen habe, dass ich mit Vincent-Preisträger Torsten Scheib in einem Band sein würde – da blieb mir fast die Luft weg. Doppel-Wow! Meine einige Jahre zuvor veröffentlichte Werwolfstory ,G2 Alpha‘ ist eigentlich eine Hommage an Pflegekräfte – wenngleich auch ein bisschen ungewöhnlich.“

Bestens aufgehoben im Shadowdex-Verlag der Schatten konnte sie eine zwar dunkle, aber auch romantische Seite ausleben. In der Anthologie „Mysteriöse Friedhöfe und Grabstätten“ hat sie die Geschichte um das Welschenmädle auf dem Friedhof in Großerlach-Grab zu Ende erzählt.

Veröffentlichung auch im deutschsprachigen Ausland

In der Schweiz gibt es den Litac-Verlag für Phantastische Literatur. 2018 wurde dort Marina Heidrichs Kurzgeschichte „Die goldenen Höhlen“ für die anspruchsvoll-dunkle Anthologie „In der Tiefe“ auf Anhieb genommen. „Yeah! Meine erste Veröffentlichung im Ausland“, jubelt die Autorin, deren Schaffenskraft unermüdlich scheint. „Mittlerweile wurde auch eine meiner Geschichten im Bereich Science-Fiction veröffentlicht. In der Anthologie ,Das Erz der Engel‘, erschienen im Verlag p.machinery, kam mein Weltraumwestern ,Flügel und Flammen‘ gut an.“ Zusätzlich hat sie noch einige Texte außerhalb der dunklen Genres veröffentlicht, ein paar witzige, ein paar nachdenkliche Geschichten und auch eine sehr melancholische Geschichte für Kinder, in der das Thema Tod und Trauer kindgerecht verarbeitet wird. Die Geschichte „Der Trauervogel“ ist von der Backnanger Firma Wir machen Druck 2019 in deren Tohuwabobuch aufgenommen worden – man kann sie komplett im Netz nachlesen.

Ob’s das jetzt war? Wäre ja auch genug für eine Schriftstellerin, eine äußerst agile Musikerin und eine freie Zeitungsmitarbeiterin, die obendrein noch einem Brotberuf nachgeht. Doch Marina Heidrich schüttelt den Kopf und erzählt weiter: „Ach ja, ein Erotikverlag hat mittlerweile auch eine Geschichte von mir, die erscheint aber erst noch. Darin geht es schon ein wenig schlüpfrig zu – aber es wäre keine Marina-Story, wenn nicht immer der Kindskopf in mir durchschimmern und man mein Grinsen während des Schreibens zwischen den Zeilen nicht bemerken würde.“ Im Jubiläumsband „Dunkle Seiten X“ des Twilight-Verlags ist zum zehnjährigen Bestehen der Serie eine Steampunkgeschichte namens „Der Rhythmus des Lebens“ von Heidrich erschienen.

„Schreiben ist für mich fast Therapie – und es hat einigen meiner ehemaligen Kollegen das Leben gerettet – oder zumindest ihre Gesundheit gefördert“, fügt die Autorin augenzwinkernd an. „Wann immer ich mich über einen doofen Kollegen ärgere, entwerfe ich eine mehr oder minder interessante literarische Todesart für ihn, lasse ihn zum Hauptprotagonisten einer Horrorgeschichte werden oder führe ihn fiktiv in gruselige Situationen. Und am anderen Tag kann ich dem oder der dummen Nuss lächelnd gegenübersitzen, völlig entspannt und ohne Groll, und denken: Wenn du wüsstest... du hattest gestern ein Date mit dem Geist von Ted Bundy.“

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Erstellt:
14. Januar 2022, 06:00 Uhr

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