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Zeitspiel mit Risiko

An diesem Mittwoch tagt der Verwaltungsrat des Staatstheaters Stuttgart – Die Opernhaus-Sanierung bleibt das zentrale Thema

Im Herbst sollen verlässliche Zahlen für die Kosten der geplanten Sanierung des Opernhauses Stuttgart und der Erweiterung des Staatstheater-Areals auf dem Tisch liegen. Die CDU in Stadt und Land sucht nach einem eigenen Kurs – und schließt einen Neubau nicht aus.

Unter der Leitung von Theresia Bauer, ­(Grüne) Ministerin für Wissenschaft, ­Forschung und Kunst, tagt an diesem ­Mittwoch im Opernhaus in Stuttgart der Verwaltungsrat des Staatstheaters Stuttgart. Gemeinsam von Land und Stadt ­getragen, versteht sich das Staatstheater mit seinen 1400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern als größtes Dreispartenhaus (Oper, ­Ballett und Schauspiel) der Welt.

Zentrales Thema bleibt die geplante ­Sanierung des Opernhauses und die Erweiterung des Staatstheater-Areals um 10 500 Quadratmeter Nutzfläche. Hier hatte zuletzt die CDU-Fraktion im Stuttgarter ­Rathaus mit einem Schlingerkurs irritiert. Forderte man zunächst durchaus überraschend parallel zur Planung der Opernhaus-Sanierung, die Kosten für einen Neubau als Alternative zu erörtern, ruderte die Fraktion um ihren Vorsitzenden Alexander Kotz eilig wieder zurück. Die neue Botschaft: Oberstes Ziel bleibe die von der Landesregierung auf den Weg gebrachte Sanierung des Opernhauses. Positiv formuliert: Die CDU, größte Fraktion im Stuttgarter Rathaus und im Land Regierungspartner der Grünen, sucht in Sachen Staatstheater-Areal nach einem eigenen Kurs und schließt einen Neubau nicht aus.

Aktueller Knackpunkt sind vor allem die Kosten für eine temporäre Spielstätte für die Oper Stuttgart und das Stuttgarter Ballett während der Sanierung und des Umbaus des Opernhauses. Im Littmann-Bau geht es um Grundsätzliches – die gesamte Untermaschinerie der Bühne muss erneuert werden, der Einbau einer Kreuzbühne, die erstmals das Fahren ganzer Kulissen erlauben wird, verlangt eine Verschiebung der Fassade auf der Landtagsseite, der Gesamtbau soll nicht nur für aktuelle feuerpolizeiliche Anforderungen fit gemacht werden.

Der Aufgabenkatalog dürfte dem Projekt eine bis zu sechsjährige Dauer bescheren. Entsprechend umfangreich sind die Anforderungen an die temporäre Spielstätte, zudem dieses Interim auch die Werkstätten und Büros umfassen soll.

Kosten von knapp 90 bis 100 Millionen Euro für den entsprechenden Umbau des ehemaligen Paketpostamtes hatten Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) zu einem Veto gebracht. Ersatz präsentierte Kuhn überraschend schnell – ein an die gerade sanierten Wagenhallen angrenzendes Areal, künftiges Planungsfeld für Wohnbebauung im Zug des Verkehrs- und Infrastrukturprojektes Stuttgart 21.

Gibt es also aktuelle Zahlen zu einem ­Interim an diesem Standort? Auf unsere Nachfrage hin hält sich die Rathausspitze bedeckt. Nicht weniger wichtig: Wird Kuhn den Wünschen der CDU-Gemeinderatsfraktion nach Prüfaufträgen für eine ­Parallelplanung Neubau nachkommen? Hier verweist Kuhns Sprecher Andreas Scharf auf die ­Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Technik vom 26. März. Dort ­habe „der OB zu­gesagt, im Mai ein Verfahren vorzuschlagen, wie die verschiedenen Wünsche für Alter­nativplanungen geprüft werden können, was – wie er sagte – wegen der Kürze der Zeit ­sicher nur eine Grobabschätzung ­werden könne. Die Ergebnisse sollen bis Herbst­­­ ­vorliegen“.

Nur so wären die nächsten Schritte möglich. Wiederholt hat Fritz Kuhn bekräftigt, es bleibe erklärtes Ziel, dass bis zum Jahresende die Grundsatzbeschlüsse im Land und in der Stadt zur Sanierung des Opernhauses in den politischen Gremien fallen sollen. „Bis dahin“, so Kuhns Sprecher am Dienstag, „sollen ja auch belastbare Kostenschätzungen für die Gesamtsanierung Littmann-Bau und Kulissengebäude vor­liegen, wie im Verwaltungsrat zuletzt ­beauftragt“.

Ist aber der Grundsatzbeschluss des Landes nicht schon 2018 gefallen? Das hatten Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Wissenschaftministerin Theresia Bauer und Finanzstaats­sekretärin Gisela Splett (alle Grüne) auf großer Bühne im Opernhaus verkündet. Feinsinn am Rande: Der Koalitionspartner CDU hat die Vorlage an den Ministerrat lediglich „zur Kenntnis genommen“.

Auf eine entprechende Nachfrage zeigt man sich im Wissenschaftsministerium von Theresia Bauer gelassen. „Weitergehende Beschlüsse“, so eine Sprecherin, „sind in diesem Stadium nicht erforderlich. Der Landtag hat aber bereits Planungsraten für die Opernsanierung in den Haushalt ein­gestellt, was die Bedeutung des Vorhabens unterstreicht“.

Und was ist mit der Befürchtung der SPD in Stadt und Land, in Sachen Staatstheater werde zu wenig über die 1400 Arbeitsplätze gesprochen? Auch hier verweist Andreas Scharf auf die Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Technik am 26. März: Dort habe „der OB einmal mehr betont, dass die Arbeitsbedingungen im Littmann-Bau ­keine weitere Verzögerung der Sanierung dulden, wenn man nicht Oper und Ballett gefährden wolle“.

Im Verwaltungsrat aber dürfte auch Fritz Kuhn kaum auf mehr Tempo in Sachen ­Sanierung des Opernhauses und Erweiterung des Staatstheater-Areals dringen. Zu unsicher ist nicht nur die Kostenfrage für das Interim, das schon jetzt nicht vor 2024 bezogen und frühestens von 2030 an für eine neue Nutzung vorbereitet werden könnte.

Es geht auch um Naheliegendes: An Kostendiskussionen ist kurz vor den Kommunalwahlen am 26. Mai oder kurz nach diesen – mit dann auch neuen Gesichtern im Verwaltungsrat des Staatstheaters – kaum jemand interessiert. So üben sich ­aktuell alle Beteiligten im Zeitspiel. Jedoch: Nach der Kommunalwahl ist vor der ­Stuttgarter OB-Wahl im Herbst 2020, nach der OB-Wahl ist vor der Landtagswahl im März 2021. Und so wird die Zeit doch knapp – dafür, die Sanierung des Opernhauses Stuttgart und die Erweiterung des Staatstheater-Areals aus den Wahlkampf-Interessen herauszuhalten.

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Erstellt:
10. April 2019, 03:14 Uhr

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