Sophia Kennedy in Stuttgart

Zwischen Pop, Alternative und Avantgarde

Die deutsch-amerikanische Songwriterin Sophia Kennedy hat bei ihrem Konzert im Merlin gezeigt, warum sie eine der besten ihrer Generation ist.

Sophia Kennedy und Mense Reents im Merlin.

© Lichtgut/Julian Rettig

Sophia Kennedy und Mense Reents im Merlin.

Von Jan Ulrich Welke

Ein wenig hat sich der Trubel um die Sängerin und Songkomponistin Sophia Kennedy gelegt, die 2017 viele Lorbeeren für ihr Debütalbum bekam und spätestens 2021 mit ihrem zweiten Album „Monsters“ nicht nur die Musikkritik verzückte. Der „New Yorker“ und der „Guardian“ nahmen davon Notiz, in fast allen Bestenlisten des Jahres mischte die Wahlhamburgerin vorne mit, zur dazugehörigen Tournee strömten die Menschen, in Stuttgart etwa im Juli 2021 in den Innenhof des Alten Schlosses.

Ungewohnter Sound, der sich in keine Schublade stecken lässt

Bald drei Jahre später steht die Mittdreißigerin, die das Leben nicht von Babylon nach Bullerbü, sondern von Baltimore nach Bielefeld verschleppt hatte, nun am Mittwochabend auf der Bühne des propper gefüllten Stuttgarter Merlins und behauptet dort keck, dass sie gekommen sei, um Songs aus ihrem neuen Album „Monsters“ zu spielen. Nur kesse Koketterie oder Ausdruck des unüberseh- und unüberhörbaren Umstands, dass Corona auch in das Konzertleben eine Bresche des Stillstands geschlagen hat – aus dem wiederzuerwachen die Branche nach wie vor viele Schwierigkeiten hat, wie auch der dürftig bestückte Stuttgarter Konzertkalender nach wie vor leider deutlich zeigt?

Ins Merlin passt sie jedenfalls gut, hier stand sie vor fast auf den Tag genau zehn Jahren erstmals hierzulande auf der Bühne. Mit ihr angereist ist wieder Mense Reents, seines Zeichens eigentlich Mitglied der Goldenen Zitronen, am Bass und der Elektronik. Eben diese Elektronik prägt auch die Musik der zwischen Mikro, Keyboard, Synthie und Sampler munter hin- und herwechselnden Sophia Kennedy, die schon deshalb gut ist, weil sie sich so gar nicht in irgendwelche Schubladen stopfen ließe. Irgendwo im Grenzgebiet zwischen Pop, Alternative, Avantgarde und Experiment ist das angesiedelt, es klingt noch immer toll, erfrischend und gänzlich anders als all das, auf das viele andere junge Musiker und Musikerinnen aus deutschen Landen sonst so setzen. Dazu kommt ihre glänzende Singstimme, die auf ähnlich unerhörten Pfaden wandelt wie ihre Musik. So ergibt sich in der Summe eine deutlich aus dem Gewohnten herausragende Musik, die sich im Merlin charmant präsentiert ganz hervorragend genießen lässt.

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Erstellt:
22. Februar 2024, 12:12 Uhr
Aktualisiert:
22. Februar 2024, 14:11 Uhr

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