151 Jahre DRK-Ortsverein Weissacher Tal

Coronabedingt ein Jahr nach dem runden Jubiläum feiert der Ortsverein Weissacher Tal des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) heute sein über 150-jähriges Bestehen in der Seeguthalle in Cottenweiler. Bereits 1870 wurde ein Sanitätsverein in Unterweissach gegründet.

Bei einem Einsatz in Sechselberg mit Polizei und Feuerwehr ist auch der DRK-Ortsverein Weissacher Tal zugegen. Fotos: privat

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Bei einem Einsatz in Sechselberg mit Polizei und Feuerwehr ist auch der DRK-Ortsverein Weissacher Tal zugegen. Fotos: privat

Von Melanie Maier

Weissach im Tal. Ohne den Einsatz des Deutschen Roten Kreuzes, sagt Volker Obermann, dürften viele Events gar nicht stattfinden. Denn überall, wo Menschen zusammenkommen, führt der stellvertretende Vorsitzende des DRK-Ortsvereins Weissacher Tal aus, kommen kleinere und größere Notfälle vor: „Egal ob sich ein Kind das Knie aufschürft, ein begeisterter Fan bei einem Konzert ohnmächtig wird oder einem Läufer beim Auenwaldlauf die Luft ausgeht: Auf unsere Helfer ist Verlass.“

Die Einsatzbereiche der DRK-Mitglieder im Weissacher Tal sind seit der Gründung des Ortsvereins vor 151 Jahren vielfältig. Die ehrenamtlichen Helfer sind etwa bei Blutspendeaktionen dabei, unterstützen bei Veranstaltungen und nach Notfällen; seit dem Beginn der Pandemie assistieren sie auch bei Impfaktionen, bilden Tester aus.

Bereits 1870 wurde ein Sanitätsverein in Unterweissach gegründet – genauso wie in Backnang, Murrhardt, Schorndorf, Sulzbach an der Murr, Waiblingen, Welzheim sowie etwas später auch in Großheppach, Kaisersbach und Stetten im Remstal. Aus „Liebe zum Menschen“ hilft das Rote Kreuz aber schon einige Jahre länger. 1863 wurde in Genf das „Internationale Komitee der Hilfsgesellschaften für die Verwundetenpflege“ gegründet, seit 1876 das „Internationale Komitee vom Roten Kreuz“ (IKRK).

Nach Dienstschluss am Einsatzfahrzeug.

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Nach Dienstschluss am Einsatzfahrzeug.

Wenige Wochen nach der Konstituierung in Genf wurde 1863 die erste nationale Rotkreuzgesellschaft der Welt in Stuttgart geschaffen. Sieben Jahre später erreichte die Idee von Henry Dunant (siehe Infokasten) den heutigen Rems-Murr-Kreis. Die dort ansässigen Sanitätsvereine sorgten damals nicht nur für die verwundeten Soldaten, sondern unterstützten auch bei Seuchen. Diese – und nicht etwa Tod oder Verwundung – forderten bis zum 19. Jahrhundert im Krieg die meisten Menschenleben.

Die Lokalvereine, die sich auf dem Land gebildet hatten, darunter auch Unterweissach, wurden vom Sanitätsverein in Stuttgart aufgefordert, sich den Bezirksvereinen anzuschließen. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es im Täle einen Neuanfang. Am 6. November 1949 gründete sich unter dem Vorsitzenden Gotthilf Klenk der Ortsverein Weissacher Tal mit 32 aktiven und zehn passiven Mitgliedern.

Die Kameradschaft ist besonders wichtig

Schon einen Monat später begann der erste Abend des Erste-Hilfe-Kurses. Im Mai 1950 fand die erste Haus- und Straßensammlung statt, bei der 648 DM verbucht werden konnten. Im Februar 1951 wurde der Entschluss gefasst, eine Jugendrotkreuz-Gruppe ins Leben zu rufen. 13 Mädchen und Jungen folgten dem Aufruf. 1963 fand erstmals eine Blutspendenaktion in Unterweissach statt. Dabei wurden 165 Spenden abgenommen.

Bis zur Kreisreform war der Ortsverein für die Gebiete der heutigen Gemeinden Weissach im Tal, Allmersbach im Tal, Auenwald und Sechselberg zuständig. Ende der 70er-Jahre spalteten sich die Mitglieder auf. Am 2. Mai 1977 gründete sich aus dem Ortsverein Weissach im Tal der Ortsverein Auenwald. Fünf Monate später ging der Ortsverein Allmersbach im Tal aus dem Ortsverein Weissach im Tal hervor. Erst knapp 30 Jahre später, am 1. Januar 2006, schlossen sich die Ortsvereine Auenwald und Weissach im Tal zum heutigen Ortsverein Weissacher Tal zusammen. Einer der Hauptgründe war die sinkende Zahl aktiver Helfer. Die Vereine litten, wie die meisten mittlerweile, an Nachwuchsmangel. „Durch den Zusammenschluss entstand ein starker und verlässlicher Ortsverein“, sagt der stellvertretende Vorsitzende Volker Obermann, der hauptberuflich beim Roten Kreuz im Rettungsdienst arbeitet.

Der 51-Jährige aus dem Weiler Hörschhof bei Sechselberg kam schon vor mehr als 30 Jahren durch seine Frau zum DRK. Was ihm am meisten daran gefällt, ist die Kameradschaft, sagt er: „Wir sind echt eine tolle Truppe, bei der sich alle voll aufeinander verlassen können.“

Bei der Bachgrillchallenge 2019: Die Kameradschaft wird im Verein großgeschrieben.

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Bei der Bachgrillchallenge 2019: Die Kameradschaft wird im Verein großgeschrieben.

Das ist sehr wichtig, wie sich bei dem Einsatz des Ortsvereins diesen Sommer im Ahrtal gezeigt hat. Fünf DRK-Mitglieder des Ortsvereins waren dort als Verpflegungs- und Transporteinheit. „Alle haben gesagt: Jetzt sieht man endlich den Grund, aus dem wir üben“, berichtet Obermann. Er selbst war zwar nicht in Rheinland-Pfalz dabei, tauschte sich im Anschluss aber mit seinen Vereinskollegen über den Einsatz aus.

Seine mehr als 150-jährige Geschichte feiert der Ortsverein heute mit einem Festakt. Eigentlich wäre 2020, zum runden Jubiläum, eine ganze Veranstaltungsreihe geplant gewesen, weiß Volker Obermann. Doch Flohmarkt, Arztvorträge und DRK-Tag fielen pandemiebedingt aus. Bei dem geschlossenen Festakt in der Seeguthalle in Cottenweiler werden nun der Vorsitzende des Ortsvereins, Karl Ostfalk, der Weissacher Bürgermeister Ian Schölzel, der Landtagsabgeordnete Gernot Gruber, Staatssekretär Wilfried Klenk und Landrat Richard Sigel als Präsident des DRK-Kreisverbands Rems-Murr eine Rede halten und an den wertvollen gesellschaftlichen Beitrag erinnern, den die DRK-Helfer leisten.

151 Jahre DRK-Ortsverein Weissacher Tal

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Geschichte und Organisation des DRK und Internationalen Roten Kreuzes

Dachorganisation Das Internationale Rote Kreuz und der Rote Halbmond bilden zusammen die größte humanitäre Organisation der Welt. Seit mehr als 150 Jahren leistet die Bewegung Hilfe bei Katastrophen sowie bei gesundheitlichen oder sozialen Notlagen.

Idee Der Grundgedanke, Menschen allein nach dem Maß der Not zu helfen, ohne auf Hautfarbe, Religion oder Nationalität zu achten, geht auf den Schweizer Geschäftsmann und Humanisten Henry Dunant zurück. Nach einer Geschäftsreise 1859 in die Lombardei schrieb er ein Buch über die erschreckenden Zustände der Verwundeten nach einer Schlacht zwischen den Armeen Österreichs sowie den Truppen Sardinien-Piemonts und Frankreichs. 1862 veröffentlichte er „Eine Erinnerung an Solferino“ auf eigene Kosten. Das Buch verteilte er in Europa.

Deutschland Das DRK ist eine von 192 Organisationen unter dem Dach des Internationalen Roten Kreuzes und der Roten-Halbmond-Bewegung. Es besteht aus 19 Landesverbänden mit fast 500 Kreisverbänden und etwa drei Millionen Mitgliedern in mehr als 4500 Ortsvereinen.

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Erstellt:
30. Oktober 2021, 11:30 Uhr

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