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2021 Baustart auf der Oberen Walke

Nach einer jahrelangen Hängepartie soll es auf dem ehemaligen Industriegelände in Backnang endlich losgehen. Im ersten Bauabschnitt sind ein Pflegeheim, ein Ärztehaus und insgesamt 80 Mietwohnungen geplant.

Auf der Oberen Walke in Backnang sollen nächstes Jahr die Bagger anrollen. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Auf der Oberen Walke in Backnang sollen nächstes Jahr die Bagger anrollen. Foto: A. Becher

Von Kornelius Fritz

BACKNANG. In den vergangenen Monaten wurde in Backnang oft und ausgiebig über die Zukunft der ehemaligen Industrieflächen im Westen der Stadt diskutiert. Dabei ist fast in Vergessenheit geraten, dass es östlich der Innenstadt noch eine zweite große Brachfläche gibt: die Obere Walke. Vor mittlerweile zwölf Jahren hat die Dibag Industriebau AG aus München das fünf Hektar große Gelände gekauft. Seitdem wurden zwar immer wieder Ideen und Pläne präsentiert, passiert ist auf dem Gelände aber nichts.

Das soll sich nun ändern: Bereits im kommenden Jahr werde man den ersten von drei Bauabschnitten in Angriff nehmen, kündigt Sebastian Kuhlen an, der das Projekt bei der Dibag betreut. Mit einem einstimmigen Votum hat der Ausschuss für Technik und Umwelt am Donnerstag den Weg dafür frei gemacht.

Der Schwerpunkt liegt auf dem Wohnungsbau: Zwischen 370 und 400 neue Wohnungen sollen auf der Oberen Walke entstehen. Die Dibag baut die Häuser, um sie zu vermieten, auch vergünstigte Sozialwohnungen gehören zum Konzept. Man könne sich aber auch vorstellen, Teilflächen an andere Bauträger zu verkaufen, die dort Eigentumswohnungen erstellen könnten, erklärt Kuhlen.

Am westlichen Ende des Gebiets, gleich neben dem Edeka-Markt, ist ein Pflegeheim geplant. Träger soll „Dienste für Menschen“ sein, die in Backnang das „Haus am Berg“ in der Eugen-Adolff-Straße betreiben. Dort ließen sich die Vorgaben der neuen Landesheimbauverordnung nicht mehr erfüllen, erklärt Pressesprecherin Heike Schneider. So gibt es im „Haus am Berg“ noch Doppelzimmer, was nicht mehr zulässig ist. Deshalb soll das Pflegestift auf die Obere Walke ziehen und von bisher 40 auf 75 Plätze erweitert werden. Den Standort in der Eugen-Adolff-Straße wolle man aber behalten und künftig für betreutes Wohnen nutzen, erklärt Schneider. Auch das neue Pflegeheim auf der Oberen Walke soll um seniorengerechte Wohnungen ergänzt werden. Im Nebengebäude wäre auch Platz für Arztpraxen und „pflegenahe Dienstleistungen“, erklärt Kuhlen.

Die Zeit drängt, denn das „Haus am Berg“ darf nur noch bis Ende 2022 mit einer Ausnahmegenehmigung am alten Standort betrieben werden. Bis dahin muss das neue Pflegeheim also fertig sein. Geht es nach der Dibag, sind dann auch schon die ersten Wohngebäude beziehbar. Insgesamt sind im ersten Bauabschnitt etwa 80 Wohnungen geplant.

Grünfläche an der Murr wird bei Hochwasser überflutet.

Die Gebäude auf der Oberen Walke sollen überwiegend vierstöckig sein, an zentraler Stelle neben dem Quartiersplatz ist allerdings auch ein deutlich höheres Gebäude mit acht Stockwerken geplant. „Städtebaulich tut es gut, wenn es auch einen markanten Hochpunkt gibt“, erklärt der Backnanger Baudezernent Stefan Setzer. Das Erdgeschoss dieses zentralen Gebäudes wäre in seinen Augen auch ein guter Platz für ein Café. In dem Rahmenplan, der vor eineinhalb Jahren vorgestellt wurde, waren sogar zwei achtstöckige Gebäude vorgesehen. Davon hat sich der Investor – auch aufgrund von Protesten der Anwohner – aber wieder verabschiedet.

Geblieben ist hingegen die Idee eines autofreien Quartiers. Während zum ersten Bauabschnitt eine Tiefgarage gehört, sollen die Bewohner im hinteren Bereich der Siedlung ihre Autos in einem oberirdischen Parkhaus abstellen. Diese Lösung spart dem Investor viel Geld. „Dadurch ist es möglich, auf dem Gelände auch bezahlbares Wohnen anzubieten“, erklärt der Leiter des Stadtplanungsamts, Tobias Großmann. Man werde aber darauf achten, dass die oberirdische Quartiersgarage eine ansprechende Fassade bekommt.

Ein Problem, das die Planer lange Zeit beschäftigt hatte, ist der Hochwasserschutz, denn die Obere Walke liegt teilweise in der Zone, die bei einem Jahrhunderthochwasser überflutet wird. Deshalb beginnt die Bebauung zur Murr hin erst mit einem Abstand von zehn bis 20 Metern. Dazwischen wird eine rund zwei Meter tiefe Mulde ausgehoben, die bei Hochwasser überflutet werden kann. Dieser Streifen werde aber nicht den Charakter eines Grabens haben, sondern könne als Grünfläche genutzt werden, erklärt Großmann. Ohnehin werde die Obere Walke ein sehr grünes Wohnquartier, versprechen die Planer. Inklusive Retentionsflächen liege der Grünanteil bei über 25 Prozent.

Bei den Stadträten kamen die neuen Ideen für die Obere Walke gut an. „Die Planung ist jetzt noch schlüssiger“, befand die CDU-Fraktionsvorsitzende Ute Ulfert. Willy Härtner (Grüne) begrüßte, dass jetzt nur noch ein höheres Gebäude geplant ist. „Bräuchten wir für das Quartier nicht auch eine Kita?“, wollte SPD-Fraktionschef Heinz Franke wissen. Aktuell gehe man davon aus, dass das nicht nötig sei, erklärte Baudezernent Setzer. Falls nötig sei es aber möglich, eine solche Einrichtung im Erdgeschoss eines der Neubauten unterzubringen.

Der städtebauliche Rahmenplan für die Obere Walke: Im ersten Bauabschnitt (BA1) sind ein Pflegeheim (1.1), ein Büro- oder Ärztehaus (1.2) und mehrere Wohngebäude (1.3–1.8) geplant. Als städtebaulicher Akzent soll am zentralen Quartiersplatz ein achtstöckiges Gebäude (2.1) entstehen. Die Grünfläche zur Murr dient als Retentionsraum bei einem Hochwasser. Plan: Büro Wick+Partner

Der städtebauliche Rahmenplan für die Obere Walke: Im ersten Bauabschnitt (BA1) sind ein Pflegeheim (1.1), ein Büro- oder Ärztehaus (1.2) und mehrere Wohngebäude (1.3–1.8) geplant. Als städtebaulicher Akzent soll am zentralen Quartiersplatz ein achtstöckiges Gebäude (2.1) entstehen. Die Grünfläche zur Murr dient als Retentionsraum bei einem Hochwasser. Plan: Büro Wick+Partner

Kommentar
Auf der Zielgeraden

Von Kornelius Fritz

Die Hängepartie bei der Oberen Walke ist eine fast unendliche Geschichte. Einst war auf dem ehemaligen Industriegelände ein Fachmarktzentrum geplant – daraus wurde nichts. Dann wollte der Investor dort Reihen- und Einfamilienhäuser bauen – auch diese Pläne wanderten in die Schublade. Nun also Geschosswohnungsbau und ein Pflegeheim. Oder vielleicht doch etwas ganz anderes?

Wenn Stadt und Investor nun den großen Durchbruch verkünden, ist Skepsis begründet. Allerdings war man dem Ziel tatsächlich noch nie so nahe wie jetzt. Hürden wie Hochwasserschutz und Altlasten im Boden wurden aus dem Weg geräumt. Auch die Rahmenbedingungen sind günstig: Für das Pflegeheim steht schon ein Betreiber parat, Mieter für die Wohnungen zu finden, ist momentan auch kein Problem. Die Chance, dass es bald losgeht, ist größer als je zuvor.

Allerdings sollte die Begeisterung darüber bei den Stadträten nicht so weit gehen, dass sie die Pläne des Investors einfach durchwinken. Die Qualitätsansprüche an Architektur, Mobilität und Nachhaltigkeit, die für das IBA-Gelände formuliert wurden, müssen für die Obere Walke genauso gelten.

k.fritz@bkz.de

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Erstellt:
18. Juli 2020, 06:00 Uhr

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