CO2-Preis

60 Cent mehr pro Liter Benzin? Was Ökonomen raten, um das zu verhindern

Der CO2-Preis ist mit dem Jahreswechsel gestiegen. Was das für Autofahrer, Gas- und Ölheizungsbesitzer bedeutet, was Experten empfehlen und was Politiker tun wollen.

Die Spritpreise sind nach dem Jahreswechsel gestiegen.

© dpa/Marcus Brandt

Die Spritpreise sind nach dem Jahreswechsel gestiegen.

Von Rebekka Wiese

Wer dieses Jahr schon tanken war, hat es bestimmt bemerkt: Die Spritpreise sind gestiegen. Laut ADAC kostete ein Liter Super E10 nach dem Jahreswechsel im Schnitt 2,1 Cent mehr, Diesel wurde 2 Cent teurer.

Das liegt an der Klima-Abgabe, die auf Brennstoffe wie Erdgas, Heizöl, Benzin oder Diesel entfällt: dem gesetzlich festgelegten Kohlendioxid-Preis. 2025 lag er bei 55 Euro pro Tonne des klimaschädlichen Gases. Seit dem Jahreswechsel gilt ein Preiskorridor von 55 bis 65 Euro – je nachdem, wie nachgefragt die Zertifikate für die Emissionen sind. Werden davon mehr gekauft als vorgesehen, wird es noch teurer: 68 Euro pro Tonne CO2. Das spüren Verbraucher an der Tankstelle. Oder wenn die Heizkostenabrechnung kommt.

ETS 2: Was kommt ab 2028 auf Verbraucher zu?

2028 soll der deutsche CO2-Preis durch das neue Emissionshandelssystem der EU abgelöst werden, das sogenannte ETS 2. Dann entscheiden nur noch Angebot und Nachfrage über den Preis. Das könnte starke Auswirkungen haben. Was kommt auf Verbraucher zu?

Der Preiskorridor von 55 bis 65 Euro gilt bis einschließlich 2027. Ist die Nachfrage nach Zertifikaten gering, ändert sich im Vergleich zu 2025 nichts an den Preisen. Ist sie sehr hoch, könnte Benzin in zwei Jahren bis zu 3,7 Cent pro Liter mehr kosten, wie die Deutsche Emissionshandelsstelle berechnet hat. Es wäre das pessimistischste Szenario.

Ökonom: Bis zu 200 Euro pro Tonne CO2

Und wenn der CO2-Preis ab 2028 nicht mehr gedeckelt ist? Achim Wambach, Präsident des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), warnte vor einem Jahr vor den Auswirkungen des ETS 2. Er berechnete, dass eine Tonne CO2 bis zu 200 Euro kosten könnte. Ein Liter Benzin könnte rund 60 Cent teurer werden, ein Vier-Personen-Haushalt, der mit Gas heizt, etwa 1000 Euro mehr Heizkosten im Jahr zahlen.

Das ETS 2 sollte eigentlich 2027 kommen, wurde aber vor Kurzem auf 2028 verschoben. Außerdem wurde der Preismechanismus angepasst: Die EU-Kommission soll die Zahl der vorgesehenen Zertifikate erhöhen können, um sie günstiger zu machen. Wobei das nur begrenzt möglich ist, wenn man die Klimaziele erreichen will.

ZEW-Chef Wambach: „Mittelfristig rechne ich fest damit“

Ändert das etwas an Wambachs Einschätzung? „Vielleicht wird der CO2-Preis nicht sofort so hoch ausfallen“, sagt der ZEW-Präsident auf Nachfrage dieser Redaktion. „Aber mittelfristig rechne ich fest damit, dass er auf dieses Niveau steigen wird.“ Er betont aber, wie schwer es sei, den Preis vorherzusagen: „Es gibt zu viele Unsicherheiten.“

Ähnlich sieht es Claudia Günther vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). „Ich halte solche Berechnungen für durchaus plausibel, wenngleich auch am oberen Rand unserer Szenarien“, sagt sie. Günther weist auf die massive Preisunsicherheit hin. „Wir haben vor einiger Zeit verschiedene Szenarien für das Jahr 2030 durchgerechnet, da kamen wir auf Preise zwischen 71 und 261 Euro pro Tonne CO2“, sagt sie. Die hohen Preise basierten auf der Prämisse, dass die EU-Klimaziele erreicht werden und dazu neben der CO2-Bepreisung kaum andere Instrumente einen nennenswerten Beitrag leisten.

Aus volkswirtschaftlicher Perspektive richtig

Günther hält den Emissionshandel aus volkswirtschaftlicher Perspektive für sinnvoll. Aber sie betont: „Es ist wichtig, dass es dazu komplementäre Maßnahmen gibt, um die Preisunsicherheit zu reduzieren und die Glaubwürdigkeit zu stärken.“ Günther schlägt unter anderem „Carbon Contracts for Difference“ vor: Verträge, die Haushalte mit Unternehmen abschließen, um bei den Heizkosten über eine gewisse Laufzeit einen festen ETS-2-Preis garantiert zu bekommen.

Trotz seiner Warnungen befürwortet auch ZEW-Präsident Wambach das ETS 2. „Ich halte das Instrument für so effizient wie kein anderes“, sagt er. Aber er fordert, dass die Politik besser kommuniziert, was auf die Menschen zukommt. „Wenn die Leute wissen, wie teuer Benzin in fünf Jahren sein wird, denken sie ganz anders darüber nach, welches Auto sie heute kaufen.“

Wambach: Geld aus dem Emissionshandel nutzen

Außerdem wünscht sich Wambach, dass das Geld aus dem Emissionshandel stärker genutzt wird, um einkommensschwache Haushalte zu unterstützen. „Man muss ihnen helfen, sich die richtigen Investitionen leisten zu können: ein elektrisches Auto oder eine neue Heizung.“ Das passiere bisher in zu geringem Ausmaß.

Und was sagt man in der Koalition? Unionsfraktionsvize und Klimapolitiker Andreas Jung betont: „Es muss Unterstützung geben für Umstieg und Umbau, damit auch Menschen mit kleineren Einkommen auf klimafreundliche Technologien umsteigen können.“ Das könnten etwa Social-Leasing-Modelle zum Umstieg auf ein sauberes Auto sein. Jung erinnert auch daran, dass die Koalition sich entschieden habe, schnellstmöglich die Stromsteuer für alle zu senken. „Bis zum Einstieg in den ETS 2 muss das längst umgesetzt sein und entlastend wirken.“

Ökonom Wambach fordert, dass die Politik die Zeit bis 2028 nutzt. „Wo sind die Studien, die ausrechnen, welche Haushalte wie stark betroffen sind, wie man ihnen helfen kann und wie man sicherstellt, dass die Hilfe bei den Richtigen ankommt?“ fragt er. „Noch wäre Zeit, um das vorzubereiten.“

CO2-Preis und Emissionshandel – wie funktioniert das?

CO2-PreisUnternehmen, die in Deutschland klimaschädliche Brennstoffe wie Gas oder Erdöl verkaufen, müssen für jede Tonne CO2 eine Berechtigung erwerben: Emissionszertifikate. Lange gab es dafür einen Festpreis. Seit 2026 gilt eine Spanne, innerhalb der sich der Preis je nach Nachfrage bewegt. Mit den Einnahmen wird der Umstieg auf klimafreundliche Technologien gefördert. 2025 war es so viel wie nie: 21,4 Milliarden Euro.

EmissionshandelDas deutsche System soll 2028 durch das europäische Emissionshandelssystem abgelöst werden. Dann wird der CO2-Preis frei über Angebot und Nachfrage gebildet. Die Zahl der angebotenen Zertifikate sinkt schrittweise, sodass klimaschädliches Verhalten teurer wird.

Zum Artikel

Erstellt:
13. Januar 2026, 17:46 Uhr
Aktualisiert:
13. Januar 2026, 17:55 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen