Abriss soll bis Ende 2022 erledigt sein

Das letzte Stündlein der alten Karl-Euerle-Halle hat geschlagen, für den derzeit auf knapp 17 Millionen Euro taxierten Neubau an derselben Stelle sind anschließend etwa 18 Monate eingeplant. Die Stadt Backnang kann nun wohl doch mit einem 3-Millionen-Euro-Bundeszuschuss rechnen.

Ein Thema, das die Stadträte umtreibt: Wo parken die 1400 Zuschauer, wenn die neue Karl-Euerle-Halle voll besetzt ist? Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Ein Thema, das die Stadträte umtreibt: Wo parken die 1400 Zuschauer, wenn die neue Karl-Euerle-Halle voll besetzt ist? Foto: A. Becher

Von Steffen Grün

Backnang. Der eigens ins Leben gerufene Bauausschuss, der den Neubau einer Schul- und Vereinssporthalle auf der Maubacher Höhe begleitet und der am Dienstagabend im Bürgerhaus tagte, ist mit seiner einstimmigen Beschlussempfehlung in Vorleistung gegangen. Wenn der Gemeinderat diesem Votum an diesem Donnerstag wie erwartet folgt, ist der nötige Bebauungsplan mit dem Aufstellungs- und Auslegungsbeschluss im beschleunigten Verfahren auf den Weg gebracht.

Ein formaler Vorgang, der für die Hauptnutzer, die seit über 14 Jahren auf eine zeitgemäße Halle warten, aber einen Meilenstein bedeutet. Für die Schulen mit mehr als 1600 Kindern und Jugendlichen zeigte eine Bedarfsanalyse, dass sie für den Sportunterricht eine vierteilige Halle brauchen. Für die Vereine gilt dasselbe – bei ihnen kam noch der Wunsch dazu, weitaus mehr Zuschauer empfangen zu können. 1000 Plätze sollen es künftig sein, mit mobilen Tribünen wären sogar maximal 1400 Besucher möglich. Zum Stand der Dinge in Sachen Karl-Euerle-Halle hier einige Fragen und Antworten.

Kann Backnang mit dem Bundeszuschuss rechnen? Drei Millionen Euro, die von der Spree an die Murr fließen: Im März war dieser Zuschuss bereits als Fakt bejubelt worden, im Sommer herrschte wieder Ungewissheit. Es ging um die Frage, ob das Konzept, die Halle von einem Generalunternehmen zum Festpreis bauen zu lassen, zu den Förderrichtlinien passt. Sie wurde mittlerweile grundsätzlich mit Ja beantwortet, weshalb am vergangenen Freitag auch der Zuwendungsbescheid des Projektträgers Jülich im Rathaus eintrudelte. Diese frohe Kunde überbrachte der Erste Bürgermeister Siegfried Janocha, um sogleich von einem „kleinen Restrisiko“ zu sprechen. Das hängt mit der Prüfung der Planungs- und Kostenunterlagen durch die Oberfinanzdirektion zusammen, die bis etwa April 2022 dauert. Salopp gesagt geht es laut Andreas Stier darum, dass keine goldenen Wasserhähne, aber auch keine Billigmaterialien eingebaut werden. „Wir brauchen uns keine Sorgen machen“, versichert der Leiter des städtischen Hochbauamts. „Wir haben einen guten baulichen Standard ausgeschrieben.“

Wie weit sind die Verhandlungen mit den interessierten Unternehmen fortgeschritten? Drei sind noch im Rennen, mit ihnen ging es im Laufe der Vergabegespräche im November schon ziemlich in die Details. Nach nochmaliger Rückkopplung mit den späteren Hauptnutzern wurde zum Beispiel über die Größe der Umkleide- und Geräteräume oder über die Küchenausstattung gesprochen. Weitere Themen waren unter anderem das Energiekonzept, die Freianlagengestaltung und eine optionale Dachterrasse mit Bezug zum Kunstrasenplatz, die Andreas Stier als „Filetstück“ bezeichnete.

Welche Baukosten werden prognostiziert? Die Entwicklung kennt nur eine Richtung: nach oben. War im Juli von 15,7 und im September von 16,3 Millionen Euro für Abriss und Neubau die Rede, so sind es nun schon mindestens 16,6 Millionen Euro. Eine Summe, die sich gerade noch im Rahmen des Haushaltsansatzes bewegt, doch das finale Angebot mit den Optionen bleibt abzuwarten. Stier machte zudem kein Hehl daraus, dass bis zur Vergabe im zweiten Quartal 2022 mit einer weiteren Steigerung zu rechnen ist. Umso wichtiger wäre es, den Abriss noch dieses Jahr in Auftrag zu geben, weil bis 31. Dezember ein Preis von etwa einer Million Euro garantiert ist. Ob das möglich ist, wird derzeit mit dem Projektträger geklärt. Mit dem Jahreswechsel käme es zu einer Anpassung, weil die Entsorgungskosten steigen. Fließt der Zuschuss, bleiben an Backnang drei Millionen Euro weniger hängen. Der Landeszuschuss fällt vergleichsweise bescheiden aus, dafür kann die Stadt 600000 Euro fest einplanen. Das Ende der Fahnenstange ist damit nicht zwingend erreicht, denn fürs Energiekonzept kann auch noch ein Zuschuss beantragt werden. Der könne „durchaus in Millionenhöhe“ ausfallen, so Stier. Für Konkretes sei es zu früh.

Wie sieht der aktuelle Zeitplan aus? Eigentlich sollten die Bagger spätestens seit dem Ende der Sommerferien rollen und der Abbruch der alten Halle noch 2021 vollendet werden, um Anfang 2022 mit dem Neubau starten und ihn im Herbst 2023 einweihen zu können. Das war der Plan zu Beginn dieses Jahres, der sich bald ein weiteres Mal als unrealistisch erweisen sollte. Nun soll der Abriss im zweiten Quartal des nächsten Jahres beginnen und bis Ende 2022 abgeschlossen sein, um den Neubau danach in 18 Monaten hochzuziehen. „Wir gehen davon aus, dass die Halle mit Beginn des Schuljahres 2024/2025 genutzt werden kann“, sagt Stier und räumt damit ein, dass es ein weiteres Jahr länger dauert als vor wenigen Monaten kommuniziert. „Ich glaube noch nicht, dass wir den Zeitplan halten können, hoffe es aber natürlich“, betonte CDU-Stadtrat Rolf Hettich, dessen Skepsis daher rührt, dass 2019 sogar noch eine Fertigstellung für den Herbst 2022 anvisiert wurde. Christoph Nesper war’s als Vertreter des Max-Born-Gymnasiums wichtig, dass sich die Lärmbelästigung im Prüfungszeitraum von April bis Juli 2022 in Grenzen hält. Das habe man bedacht, erklärte Stier, in der Zeit spiele sich das Geschehen noch ohne schweres Gerät im Halleninneren ab. Die Tennishalle in Oppenweiler, die während der Abriss- und Bauphase als Interimssporthalle genutzt wird, soll ab dem zweiten Quartal 2022 zur Verfügung stehen.

Wo sollen bis zu 1400 Zuschauer parken? 836 Stellplätze „kommen grundsätzlich infrage“, rechnete Tobias Großmann vor. Der Leiter des Stadtplanungsamts verwies auf die Möglichkeiten im direkten Umfeld der Halle, auf die Park-and-ride-Parkplätze im Büttenenfeld, auf das Bahnhofsparkhaus und auf die Stellplätze auf der Nordseite der Gleise (Obere Bahnhofstraße, Bahnhofstraße, Erbstetter Straße). Ziel ist, zumindest auswärtige Gäste über die B-14-Ausfahrt Backnang-Mitte zum Parkhaus sowie den letztgenannten Stellplätzen zu leiten. Einfacher wird es, wenn die Abfahrt an der Maubacher Straße nach dem vierstreifigen Ausbau nicht mehr möglich ist, doch das ist Zukunftsmusik. Der alles andere als weite Weg zur Halle über die Stadtbrücke, die künftig über die Gleise führen soll, muss gut ausgeschildert werden, der Aufzug und die damit verbundene Barrierefreiheit machen das dortige Parken vielleicht auch für die Ortskundigen attraktiver, als es derzeit erscheint. Trotzdem muss davon ausgegangen, dass Backnanger zunächst versuchen, auch aus Gewohnheit oberhalb des Bahnhofs zu parken. Die dortigen Parkplätze „reichen im Regelfall“, glaubt Großmann, denn 1400 Zuschauer werden nicht alltäglich sein. Zudem sind nicht zuletzt die Vereine aufgefordert, beim Ticketverkauf auf die gute ÖPNV-Anbindung hinzuweisen.

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Erstellt:
2. Dezember 2021, 11:30 Uhr

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