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Aktionäre wollen Bayer Denkzettel verpassen

Wichtige Anteilseigner wollen der Führung des Konzerns bei der Hauptversammlung die Entlastung verweigern

Frankfurt (rtr). Die Bayer-Hauptversammlung droht für Vorstandschef Werner Baumann zum Debakel zu werden. Wichtige Anteilseigner wollen der Führung des Leverkusener Pharma- und Agrarchemiekonzerns am kommenden Freitag die Entlastung verweigern. Die Klagewelle wegen des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat und ein Kurseinbruch von fast 40 Prozent seit der 63 Milliarden Dollar (56 Milliarden Euro) schweren Übernahme des US-Saatgutriesen Monsanto haben für sie das Fass zum Überlaufen gebracht. Die Fondsgesellschaft Deka Investment hatte bereits in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ angekündigt, gegen die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat zu stimmen.

Auch die einflussreichen Stimmrechtsberater ISS und Glass Lewis empfehlen den Aktionären, den Vorstand nicht zu entlasten – unter anderem, weil das Management die mit dem Monsanto-Kauf verbundenen Rechtsrisiken unterschätzt habe. Glass Lewis rät sogar dazu, dem Aufsichtsrat die Entlastung zu verweigern. Nach den Ratschlägen der Stimmrechtsberater richten sich viele ausländische Investoren, in deren Händen mittlerweile eine deutliche Mehrheit der Aktien im Dax liegt. Insidern zufolge zählt auch der größte Bayer-Aktionär, der Vermögensverwalter Blackrock, zu den Skeptikern. Dieser wolle den Bayer-Vorstand bei der Abstimmung nicht unterstützen und sich entweder enthalten oder gegen eine Entlastung votieren, sagten zwei mit der Sache vertraute Personen Reuters.

Der größte deutsche Einzelinvestor bei Bayer, die Fondsgesellschaft DWS, will sich noch nicht äußern, wie sie abstimmen wird, ebenso nicht die Union Investment. Auch die nach Blackrock größten Bayer-Eigner – Singapurs Staatsfonds Temasek und Norwegens Staatsfonds – nehmen bislang keine Stellung dazu. Die Deka steht laut Fondsmanager Ingo Speich zwar noch zum Bayer-Management. „Denn es gibt ja durch­aus ei­ne lang­fris­ti­ge Lo­gik hin­ter der Über­nah­me, näm­lich das welt­weit füh­ren­de Un­ter­neh­men im Agrar­be­reich zu schaf­fen.“ Ein Austausch des Vorstands zum jetzigen Zeitpunkt sei verfrüht, gleichzei­tig be­stehe aber die Ge­fahr, dass dieser wegen der Prozes­se das Ta­ges­ge­schäft ver­nach­läs­sige.

In den USA sieht sich Bayer mit mehr als 11 200 Klägern wegen des von Monsanto entwickelten Unkrautvernichters Glyphosat konfrontiert. In zwei Fällen wurde der Konzern zu millionenschweren Schadenersatzzahlungen verurteilt. Rund 30 Milliarden Euro Börsenwert gingen seit dem ersten Urteil verloren. Für den Corporate-Governance-Experten und früheren DWS-Chef Christian Strenger ist klar: „Nachdem der nach über zweijähriger Schwangerschaft endlich abgeschlossene Monsanto-Deal binnen drei Monaten zum größten und schnellsten Wertvernichter der Dax-Geschichte wurde, ist es schon kühn, dass der Vorstand seine eigene Entlastung für das Desasterjahr 2018 empfiehlt.“ Auch er beantragt, Vorstand und Aufsichtsrat die Entlastung zu verweigern. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger hat bereits erklärt, gegen die Entlastung zu stimmen. Gegen die Stimmrechtsberater ISS und Glass Lewis geht Bayer auf der Internetseite zur Hauptversammlung in die Offensive. Aufsichtsrat und Vorstand argumentieren in einem Schreiben an die Eigner, der Vorstand sei seinen Aufgaben und Pflichten in vollem Umfang gerecht geworden. Baumann und Aufsichtsratschef Werner Wenning führen ein von Bayer in Auftrag gegebenes Gutachten der internationalen Rechtsanwaltskanzlei Linklaters an, das diese Einschätzung bestätigt: Die Vorstandsmitglieder hätten bei der Monsanto-Übernahme ihre aktienrechtlichen Pflichten eingehalten.

Bayer muss in den USA Millionen an Schadenersatz zahlen

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Erstellt:
24. April 2019, 03:12 Uhr

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