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Aktionstag verleiht Kindern Gehör

Erste Kinderkonferenz im Backnanger Landratsamt – Kreisjugendamt feiert 30 Jahre UN-Kinderrechtskonvention

Geburtstag feiern zwar alle gerne, vor allem aber Kinder. Und diesen Geburtstag ganz besonders, denn ihre Rechte – die UN-Kinderrechte – werden 30. Das Kreisjugendamt hat aus diesem Anlass die erste Kinderkonferenz im Landratsamt Backnang veranstaltet. Die Resonanz war riesig, die Stimmung fröhlich.

Fröhliche Runde zu einem ernsten Thema: Kinder und Erwachsene haben sich gestern lebhaft und ausführlich über Kinderrechte und Kinderwünsche ausgetauscht. Fotos: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Fröhliche Runde zu einem ernsten Thema: Kinder und Erwachsene haben sich gestern lebhaft und ausführlich über Kinderrechte und Kinderwünsche ausgetauscht. Fotos: A. Becher

Von Matthias Nothstein

BACKNANG. Am Eingang zum Landratsamt erhielten gestern alle Besucher ein buntes Bändchen ans Handgelenk. Die Aufschrift war Programm: Alle Kinder haben Rechte – 30 Jahre UN-Kinderrechtskonvention. Innen ging es bunt und munter zu. 19 Kindergärten und Schulen hatten Kunstwerke zu den einzelnen UN-Kinderrechten gestaltet. Die Ausstellung war beeindruckend. So beschäftigte sich etwa die Kombigruppe der Schulkindbetreuung an der Haldenschule in Rommelshausen mit dem Recht auf Bildung. Unter der Überschrift „von der Schuhbank zur Schulbank“ präsentierten sie einen Schuhputzkasten. Wer diesen öffnete, konnte viele Schulsituationen erkennen, detailliert nachgebildet mit Spielfiguren. Überall Kinder, die lesen, schreiben, rechnen oder musizieren. Die Frage lautete also: Schuhputzer oder Schüler? Ein anderes Werk bezog sich auf das Recht auf Geborgenheit. In einem großen Puppenhaus war in einer Etage eine heimelige Puppenstube nachgebaut. Die Werke offenbarten ganz eindeutig: Alle Gruppen hatten sich sehr mit dem Thema beschäftigt und viel Arbeit investiert, ihr jeweiliges Kinderrecht plakativ darzustellen: auf Postern, mit einer Geburtstagstorte oder mit einer Weltkugel.

Schon die Begrüßung verdeutlichte, wer im Mittelpunkt stehen sollte: die Kinder. Holger Gläss, der Leiter des Kreisjugendamtes, hieß sie nämlich als erstes bei dem Aktionstag willkommen. Er erinnerte daran, dass die Anerkennung der Kinderrechte in früheren Zeiten keine Selbstverständlichkeit war, „es war ein langer Kampf bis zur Konvention, und nicht alle Länder haben sich sofort daran beteiligt.“

Auch bei der Kinderkonferenz selbst, dem Herzstück des Aktionstages, sollten die Erwachsenen erst einmal die zweite Geige spielen. Moderatorin Petra Nonnenmacher räumte ihnen nur je eine Minute ein, um sich vorstellen zu können. Dies nutzten die Leiterin der Mörikeschule Backnang, Karin Moll, die Schwäbische Waldfee Leonie Treml, Phillip Mergenthaler, Geschäftsführer der SG Sonnenhof Großaspach, Richterin Sabine Brennenstuhl aus Schorndorf, Kinderarzt Ralf Brügel aus Schorndorf und Holger Gläss. Danach suchten die Erwachsenen mit den Kindern das Gespräch, fragten sie nach ihren Erwartungen und Wünschen.

21.11.2019 Erste Kinderkonferenz in Backnang
00:16 min
30 Jahre nach Verabschiedung der UN-Konvention wurde in Backnang ein buntes Fest mit vielen Infos gefeiert

Vom Backnanger Gymnasium in der Taus beteiligte sich sechs Schüler der 5c an der Runde. Hannah Kaiser (11) und Katharina Rotter hatten auf einem Plakat ihre Forderungen und Rechte zusammengefasst und stellten sie vor. Beide betonten ihre Motivation: „Weil es uns wichtig ist, dass die Kinder wissen, welche Rechte sie haben.“ Beim Resümee zeigten sich die Erwachsenen schwer beeindruckt, was die Kinder alles erarbeitet hatten. Karin Moll fasste es so zusammen: „Dass ihr euch so intensiv mit Kinderrechten beschäftigt habt, das hat mich tief berührt.“ Sie versicherte, einige Impulse mitzunehmen und im Schulbetrieb umzusetzen.

Vielfältig war auch das weitere Rahmenprogramm. In einem eigenen Kinoraum wurden Filme gezeigt, die drei Schulen zum Thema gedreht hatten. Einen Streifen hatte die Klasse 3a der Murrhardter Hörschbachschule beigesteuert. Alle 18 Schüler der Klasse spielten darin mit und präsentierten so das Recht auf Meinungsäußerung, Mitbestimmung und Information. Tamina Ott, Lukas Schmidt und Julius Knüpper, alle acht Jahre alt, erklärten, wo überall sie mitbestimmen möchten. Etwa bei den Themen Freizeit oder Hobbys. Lukas ganz konkret: „Was ich anziehe, was es zu Mittagessen gibt und welche Klamotten wir für mich einkaufen, da möchte ich mitbestimmen.“ Lehrerin Susanne Scharfenberg hat bei dem Projekt unter anderem mitgemacht, weil ihre Schule eine Referenzschule für Medienbildung ist. Von dem Filmprojekt hat auch sie etwas mitgenommen: „Wir haben das Thema Mitbestimmung nicht ausgesucht, sondern es wurde uns zugeteilt. Nun achtet ich mehr als früher darauf, dass die Kinder in der Schule auch mitbestimmen können. Und dass sie ausreden dürfen.“

Am Ende der ersten Kinderkonferenz in Backnang unterzeichneten die Teilnehmer die Kinderrechte mit ihrem Daumenabdruck.

© Pressefotografie Alexander Beche

Am Ende der ersten Kinderkonferenz in Backnang unterzeichneten die Teilnehmer die Kinderrechte mit ihrem Daumenabdruck.

Info
UN-Konvention zu den Kinderrechten umfasst 41 Artikel

Die Kinderrechte bilden die Grundlage für das Überleben, die Gesundheit und die Erziehung von Kindern. Die UN-Konvention für die Rechte des Kindes wurde am 20. November 1989 beschlossen.

Von der Bundesrepublik Deutschland wurde die Konvention 1990 unterzeichnet. Nach der Zustimmung durch den Bundesrat und den Bundestag trat sie 1992 in Deutschland in Kraft.

Insgesamt umfasst die UN-Konvention 41 Artikel, wobei einige Aspekte in mehreren Artikeln vorkommen beziehungsweise zur Begriffsbestimmung dienen. So etwa Artikel 1. Dort ist geregelt, wer als Kind gilt: „Im Sinne dieses Übereinkommens ist ein Kind jeder Mensch, der das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet hat, soweit die Volljährigkeit nach dem auf das Kind anzuwendenden Recht nicht früher eintritt. Die bekanntesten und wichtigsten Artikel beschäftigen sich mit folgenden Rechten:

Artikel 2: Recht auf Gleichheit.

Artikel 12, 13, 14, 17: Recht auf Meinungsäußerung und Information.

Artikel 16: Recht auf Privatsphäre und persönliche Ehre.

Artikel 19: Recht auf Schutz vor Ausbeutung und Gewalt.

Artikel 20, 23, 25, 26: Recht auf besondere Fürsorge.

Artikel 22: Recht auf Schutz im Krieg und auf der Flucht.

Artikel 27: Recht auf Gesundheit.

Artikel 28: Recht auf Bildung.

Artikel 31: Recht auf Spiel, Freizeit und Ruhe.

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Erstellt:
21. November 2019, 06:00 Uhr

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