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Aktiv sein und Punkte sammeln

Der Gemeindesporttag „Sulzbach bewegt sich“ rund um das Kultur- und Freizeitzentrum mit spannenden Angeboten

„Sulzbach bewegt sich“ lautete das Motto des ersten Gemeindesporttages, den die Sulzbacher Sportvereine unter Federführung der Gemeindeverwaltung veranstaltet haben.

Das Kletterangebot mit einer beweglichen Boulderwand für alle Altersklassen war der Renner. Fotos: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Das Kletterangebot mit einer beweglichen Boulderwand für alle Altersklassen war der Renner. Fotos: J. Fiedler

Von Ute Gruber

SULZBACH AN DER MURR. Der Clou ist die sich drehende Kletterwand auf dem Festplatz. Am Anfang noch argwöhnisch beäugt, bildet sich am Nachmittag eine lange Schlange von jungen Kraxelkünstlern vor dem beweglichen Teil: Nachdem sie ihren Laufzettel mit den neun sportlichen Stationen abgearbeitet und ihren Gewinn abgeholt haben, lassen sie den sonnigen Tag mit Klettern auslaufen. Mit Bouldern genau genommen, denn so nennt sich das „Klettern in Absprunghöhe ohne Seil“, wie der Westfale erklärt, der für das Gerät aus dem bayrischen Voralpenland zuständig ist. Je nach Fähigkeit des Nutzers kann er die Scheibe mit den Greifklumpen aus buntem Plastik schneller oder langsamer, links- oder rechtsrum laufen lassen. Dazu lässt sich die Neigung von vertikal bis zur Horizontalen an die jeweiligen Anforderungen anpassen. Nach hinten für die Kleinkinder ab drei, nach vorne für die professionellen Freeclimber. Wer kann sich am längsten halten? Auch Marie hat sich mindestens siebenmal wieder angestellt: „Das hat richtig Spaß gemacht!“

Einen vierstelligen Betrag hat sich die Ortsgruppe des Schwäbischen Albvereins, die nächstes Jahr ihr 125-Jahr-Jubiläum feiert, diese Attraktion für den ersten Gemeinde-Sporttag kosten lassen. „Man muss den Leuten heute etwas bieten“, stellt Walter Rau fest, der seit Jahr-zehnten im Verein aktiv ist. So hätten auch gerade die speziellen Familienangebote entgegen dem allgemeinen Trend in der Sulzbacher Ortsgruppe regen Zulauf: Ausflüge zum Wildpark bei Bad Mergentheim, zum Felsenmeer auf der Ostalb, die Fackelwanderung zu Nikolaus lassen vergessen, dass Wandern für Kinder gemeinhin öde ist. Vorstand Edwin Löcherbach jedenfalls freut sich, dass die ausgelegten Tourenpläne und Wanderkarten tatsächlich vergriffen sind.

Geschwindigkeitsschießen als Attraktion

Auch bei der Station nebenan, beim Fußballverein, gibt es heute etwas Besonderes – Geschwindigkeitsschießen: Ein Blitzgerät hinter dem Tor misst, wie schnell der Ball geflogen kommt, sprich: Welche Wucht der Sportlerfuß aufs Leder bringt. Bei Kleinen und Großen wird hier der Ehrgeiz geweckt: „Das ist einmal ein Blitzer, mit dem ich mich anfreunden kann“, meint ein Vater. Diese Station wird vom Verein heute zusätzlich zum anspruchsvollen DFB-Fußball-Abzeichen, beziehungsweise zum einfacheren ‚Paule-Schnupper-Abzeichen‘ für Fußballlaien angeboten, denn auch Vereinsvorstand Anestis Pantzartzis stellt fest: „Nur Fußball reicht nicht mehr.“ Um die jungen Leute in den Verein einzubinden, sodass sie auch bereit seien, Verantwortung zu übernehmen, würden Ausflüge unternommen, ein Stadionbesuch in Stuttgart etwa, und verdiente Jungfußballer dürften beim Drittligisten SG Sonnenhof mit einlaufen – an der Hand ihrer Idole. Annika Maurer, die heute die fünf DFB-Stationen mitbetreut hat – Dribbeln, Kurzpass, Kopfball, Flanke und Elfmeter waren gefragt – schwärmt vom Internationalen Pfingstturnier in Calella bei Barcelona, bei dem sie mit der weiblichen B-Jugend-Mannschaft dabei sein durfte: „Wir haben dann auch die Sagrada Familia besichtigt und natürlich das Stadion von Barca. Das hat uns richtig zusammengeschweißt.“

Der Vereinsvorstand freut sich über mehrere konkrete Anmeldungen am Sporttag, auch von Mädchen, für die es eigene Mannschaften in den Altersklassen D, C und B gibt. „Die A-Jugend spielt dann schon bei den Frauen mit.“ Um all dies zu ermöglichen, hat man sich mit den Fußballern in Oppenweiler zusammengetan. Für vollständig abgearbeitete Laufzettel gibt es denn auch eine Eintrittskarte zum Spiel SG Sonnenhof gegen Braunschweig.

Bei der Tischtennis-Abteilung spukt ein Ballroboter Tischtennisbälle auf die Platte, auf Wunsch nicht nur geradeaus, sondern auch abwechselnd links und rechts oder unberechenbar wild durcheinander. Die Turnmädels in ihren bunten Trikots versuchen sich im Doppel. Ihre beeindruckenden Vorführungen im Leistungskunstturnen am Boden und am Reck haben sie schon hinter sich. Die Turngruppen suchen dringend Übungsleiterinnen. „Auch einen Pressewart sollten wir haben“, wünscht sich Vorsitzende Sylvia Steinle. Durch ihre eigenen Kinder ist sie einst in den Verein gekommen und leitet derzeit unter anderem das Mädchenturnen (8 bis 14 Jahre), inzwischen sind die Enkel schon soweit. „Oft werden wir gefragt, warum es kein Angebot für Jüngere gibt“, seufzt sie, „aber das muss halt jemand machen!“ Ähnlich sieht es beim Trampolin nebenan aus: Jutta Bogner ist seit über 40 Jahren dabei, erst aktiv, dann als Trainerin. In dieser eher exotischen Sportart waren die Sulzbacher schon äußerst erfolgreich, in Fotoalben hat die Trainerin seit 1982 Fotos und Zeitungsausschnitte gesammelt. „Wir haben ja alles abgeräumt, was es gibt.“ 1986 WM in Paris, 1989 in England, Elena Wille in der Nationalmannschaft, Dreiländerkampf in Sulzbach... Dazu 1994 die fernsehbekannten Flying Aarhus aus Dänemark vor 600 Zuschauern in der Sulzbacher Sporthalle.

Inzwischen sei sie bei der 6. oder 7. Generation Nachwuchs angelangt und stellt fest: „Das ist viel schwieriger geworden, die können nicht mal mehr Purzelbaum oder Rädle, wenn sie kommen.“ Was man früher beim Spielen auf der Gass’ und auf der Wiese von den Größeren gelernt hat, muss heute systematisch trainiert werden. „Früher haben die Neuen die einfachen Sprünge einfach beim Zugucken gelernt, das ging ganz flott!“ Auch Konzentration und Durchhaltevermögen ließen zu wünschen übrig, das Handy sei wichtiger. Beim Tennisclub waren rund 20 (erwachsene) Helfer da, um die 60 oder 70 Kinder zu betreuen, die den Parcours mit neun Stationen rund um den Tennisball absolviert haben. Seit 2010 die Leistungsklassenspiele eingeführt wurden, sei auf der schönen Anlage am Rande des Sportzentrums deutlich mehr los, berichtet Sportwart Roland Kübler. Da man Tennis bis ins hohe Alter auf Wettkampfniveau spielen kann, ist die Nachwuchsfrage in dieser Sportart offenbar nicht so brennend.

Ohnehin keine Nachwuchssorgen hat der Sulzbacher Carnevalsverein, bei dem sich vom Kindergarten bis ins Seniorenalter Angebote finden. An dieser Station müssen alle für einen Knipser auf ihrer Laufkarte mit den flotten Majoretten tanzen. „Da haben sogar die ganzen Fußballjungs ohne Anstalten Stabdrehen geübt“, sagt Präsidiumsmitglied Birgit Kollak mit einem Schmunzeln.

Auch Kleine können hoch hinaus: Mit dem Trampolin ist’s möglich.

© Jörg Fiedler

Auch Kleine können hoch hinaus: Mit dem Trampolin ist’s möglich.

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Erstellt:
17. September 2019, 16:00 Uhr

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