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Al Capone soll Mörder und Sexualstraftäter beruhigen

dpa/lsw Stuttgart. Seit sechs Monaten begleitet Therapiehund Watson Zeugen vor Gericht. Nun soll geprüft werden, ob ausgebildete Hunde auch im Umgang mit Straftätern hilfreich sein können. Zumindest der Name des neuen Vierbeiners könnte da eine Brücke bauen im Gespräch.

Schäferhund-Welpe „Al Capone“ liegt in einem Büro. Foto: Marijan Murat/dpa

Schäferhund-Welpe „Al Capone“ liegt in einem Büro. Foto: Marijan Murat/dpa

Schäferhund-Welpe Al Capone hat natürlich nichts gemein mit seinem berüchtigten Namensvetter, der US-amerikanischen Gangsterlegende aus den 1920er und 30er Jahren. „Aber er stammt aus einem A-Wurf und wir dachten, das passt“, sagt Sabine Kubinski, die Hundeführerin des kleinen altdeutschen Schäferhunds. In den kommenden Monaten wird Al Capone zu einem ganz besonderen Therapiebegleithund ausgebildet. Er soll in der Behandlung und Resozialisierung straffällig gewordener Menschen eingesetzt werden, die oft unsicher sind, wenn es um Bindungen und Vertrauen geht. „Hunde wie Al Capone sind Eisbrecher“, sagt Kubinski.

Ausgebildete Tiere könnten einem Menschen fein zurückmelden, wie er auftrete, wie er wirke und welche Körpersprache er spreche, sagt die Trainerin, in deren Haushalt der elf Wochen alte Welpe aufwächst. Vielen Menschen helfe auch die Nähe zum Hund nach Jahren im Justizvollzug. Es könne sogar sein, dass sie in seinem Beisein Gespräche über unangenehme Themen wie die Tat eher zuließen. Tiere wie Hunde, Pferde, Rinder und auch Tauben werden seit Jahren vor allem in den Justizvollzugsanstalten Adelsheim, Bruchsal, Freiburg und Ravensburg (Außenstelle Bettenreute) für Therapien eingesetzt.

Al Capones Hundekumpel Watson, ein Golden Retriever, ist in einem anderen Bereich des Stuttgarter Vereins PräventSozial bereits so etwas wie ein Profi: Seit sechs Monaten wird er als erster vierbeiniger Begleiter für Zeugen bei Gerichtsverhandlungen in Baden-Württemberg eingesetzt. Dabei gelingt es ihm nach Einschätzung von Kubinski, Vertrauen und Stabilität zu vermitteln. Laut Justizministerium wurde Watson bislang für ein Dutzend Verfahren angefragt. Darin mussten vor allem Kinder und Jugendliche bei Vernehmungen auftreten, weil sie Opfer waren oder verwandt mit einem Beteiligten.

Für einen Menschen mit Affinität zu Hunden habe der Kontakt eine positive Wirkung, erklärt Kubinski, die für die Sozialeinrichtung PräventSozial arbeitet. Die Ausschüttung des Stresshormons Cortisol werde gesenkt, die vom Bindungshormon Oxytocin aktiviert. „Das führt dann zu einem Gefühl der Geborgenheit und Sicherheit. Und so kann auch die Qualität der Aussagen verbessert werden.“

Bedarf wird es weiter geben, davon ist Baden-Württembergs Justizminister Guido Wolf (CDU) überzeugt. „Der Anteil von Straftätern mit schwersten Defiziten im Bereich sozialer und emotionaler Kompetenzen wächst leider“, sagt der CDU-Politiker. „Mit herkömmlichen Therapien sind diese Menschen oftmals nicht mehr zu erreichen.“

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Erstellt:
11. Juli 2020, 09:02 Uhr

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