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Andrea Berg zaubert Freude in Gesichter

Die Heimspiel-Generalprobe feiern mehr als 2700 Menschen mit Behinderung und deren Begleiter in der Mechatronik-Arena

Mit Freude erfüllte Augen strahlen glücklich mit der Sonne um die Wette. Alle Blicke sind auf eine Person in der Mechatronik-Arena gerichtet: Sängerin Andrea Berg gibt ein einmaliges Konzert. Die 53-Jährige verwandelt ihre Generalprobe in ein buntes Fest. Sie hat dazu Publikum eingeladen: Mehr als 2700 Menschen mit Behinderung und deren Begleiter bekommen einen Vorgeschmack auf das 14. Heimspiel, das Freitag- und Samstagabend für Sommerfeeling pur sorgen wird.

Es wird getanzt und gesungen: Die Generalprobe von Andrea Berg ist für die Menschen mit einer Behinderung ein ganz besonderes Erlebnis. Fotos: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Es wird getanzt und gesungen: Die Generalprobe von Andrea Berg ist für die Menschen mit einer Behinderung ein ganz besonderes Erlebnis. Fotos: A. Becher

Von Yvonne Weirauch

ASPACH. „Es muss gleich los gehen, es muss gleich los gehen. Ich brauche Action,“ – Regina steht ganz vorne an der Bühne, zeigt auf ihr T-Shirt mit dem Abbild von Sängerin Andrea Berg und klatscht kraftvoll in die Hände. Sie hat das Down-Syndrom und ist mit einer Gruppe aus Schwäbisch Hall nach Aspach gekommen. „Ich bin so aufgeregt, ich bin so aufgeregt“, ruft die 34-Jährige und ihre Augen strahlen.

Was Aufregendes – das sollte es werden. Zu seinem 40. Geburtstag wollte die Verantwortlichen des Naturparks Schwäbisch-Fränkischer Wald etwas Besonderes auf die Beine stellen: Ein inklusives Heimspiel von Andrea Berg. Mehr als 2700 Menschen mit Behinderung und deren Betreuer sind dieser Einladung zur Heimspiel-Generalprobe gefolgt. Landrat Richard Sigel hatte als Vorsitzender des Naturparks mit Andrea Berg Kontakt aufgenommen. Gemeinsam entstand dann die Idee, aus der Generalprobe der jährlichen Heimspiel-Konzerte ein kostenloses Konzert für Menschen mit Behinderung zu machen. Eingeladen wurden die Bewohner von Behinderteneinrichtungen, ihre Betreuer sowie Ehrenamtliche aus der Hospizarbeit aus den Landkreisen Heilbronn, Ludwigsburg, Hohenlohe, Ostalb, Rems-Murr und Schwäbisch Hall (wir berichteten).

Aufgeregt ist auch der 23-Jährige Daniel. Er sitzt im Rollstuhl, schreit kurz auf, wirbelt mit den Händen umher. „Wir sind aus Ludwigsburg“, erzählt seine Mutter Petra Langer, die sich als Andrea- Berg-Fan outet. Ihre Tochter Kira, 15 Jahre, sitzt am Boden und ist irritiert, was um sie herum passiert. Sie spricht nicht, auch sie hat eine Behinderung. Dennoch ist Kira die Vorfreude auf das, was gleich passieren wird, anzumerken. „Daniel mag alles was laut ist – Hauptsache Musik“, erzählt seine Mama. Sie war „total begeistert“ als gefragt wurde, ob man zu diesem besonderen Konzert kommen möchte. Kurzerhand habe sie dann auch nachgefragt, ob man eine Gruppe aus der August-Hermann-Werner-Schule Markgröningen mitbringen könnte. „Das war gar kein Problem.“

Gespannt blicken auch Harald, Ute und Renate mit den Betreuern Dagmar und Bernd in die Arena. Sie sind von der Evangelischen Stiftung Lichtenstern (Löwenstein) mit weiteren rund 100 Menschen mit Behinderung in Bussen angereist. Bevor Andrea Berg die Bühne an diesem Spätnachmittag betritt, steht ein Thema ganz zentral im Mittelpunkt: Inklusion – Wie wird diese im Schwäbisch-Fränkischen-Wald umgesetzt und wo besteht noch Handlungsbedarf. SWR-3-Moderator Josh Kochhan führt dazu im Vorprogramm Kurz-Interviews. Seine Gesprächspartner: Naturpark-Geschäftsführer Bernhard Drixler, Landrat Richard Sigel, die Landes-Behindertenbeauftragte Stephanie Aeffner sowie Jutta Pagel-Steidl vom Landesverband für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung Baden-Württemberg. Drixler: „Ich bin selbst ganz nervös. Es ist so eine tolle Idee, so ein Event zu veranstalten. Dafür würde ich jede andere Geburtstagsparty sausen lassen.“ Auch die Waldfeen der vergangenen Jahre und die amtierende Fee Leonie Teresa Treml fehlen nicht. Sie präsentieren schöne Aussichtspunkte und Sehenswürdigkeiten der Region – mit Mosaiksteinen. Die Überleitung ist gelungen, denn Mosaik heißt auch das neue Album von Andrea Berg. Dann ist es soweit: Der Countdown läuft, Musik ertönt, der Vorhang fällt.

Die ersten Töne von „Lass uns keine Zeit verlieren“ erklingen. Andrea Berg steht auf der Bühne, umringt von Tänzerinnen und ihrer Band. Ein sommerliches Kleid umhüllt sie, luftig, pink, mit hochhakigen Schuhen, die mit einem Band bis zum Knie hochgebunden sind, Glitzersteine am Körper funkeln in der Sonne. Dem Titel „Nicht irgendwann“ folgt eine herzliche Begrüßung: „So eine Generalprobe hatten wir noch nie. Schön, dass ihr alle da seid“, sagt Andrea Berg und ruft ihr bekanntes „Huhu“ in die Runde, was prompt als Echo zurückkommt.

Hoch konzentriert geht es auf der Bühne zu. Auch für die Band ist es die Generalprobe, der Ablauf muss stimmen, die Noten sitzen. Bei den Titeln „Kilimandscharo“, „Wenn Du mich willst, dann küss mich doch“ und „Die Gefühle haben Schweigepflicht“ wird kräftig mitgesungen und im Takt gewippt. Manche liegen sich in den Armen, schwingen ihre Hawaii-Blumenketten, die alle am Eingang zum Konzert erhalten haben, rufen Andrea liebe Worte entgegen oder drehen sich einfach mehrfach um die eigene Achse. Jeder hat Spaß, jeder genießt den Vorgeschmack auf das Heimspiel auf seine Art und Weise. Auch Carmine Verna ist vor Ort. Der Trottwar-Verkäufer – in Backnangs Innenstadt wohlbekannt – ist ein großer Berg-Fan und bei jedem Heimspiel dabei. Diesmal auch bei der Generalprobe: „Es ist ein tolles Erlebnis“, schwärmt er. Eines ist wohl gewiss: Dieses besondere Konzert wird allen in Erinnerung bleiben. Am Ende bekommen die Fans ein ganz besonderes Andenken am Ausgang überreicht: eine unterschriebene Heimspiel-Inklusions-Autogrammkarte von Andrea Berg.

Heimspiel inklusiv

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© Pressefotografie Alexander Becher

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Erstellt:
18. Juli 2019, 20:32 Uhr

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