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Annahmestellen im Visier

Der Service rund um die Müllentsorgung soll verbessert werden. Das fordert das Bürgerforum Backnang. Die Stadtverwaltung möge sich um einen Grünguthäckselplatz bemühen und sich für verlängerte Anlieferzeiten auf der Deponie Steinbach einsetzen.

Reger Anlieferverkehr herrscht samstags auf der Mülldeponie Steinbach. Es kommt dabei häufig zu Staus und langen Wartezeiten, die die Geduld der Bürger auf die Probe stellen. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Reger Anlieferverkehr herrscht samstags auf der Mülldeponie Steinbach. Es kommt dabei häufig zu Staus und langen Wartezeiten, die die Geduld der Bürger auf die Probe stellen. Foto: J. Fiedler

Von Armin Fechter

BACKNANG. Die Coronakrise hat im Frühjahr auch die Abfallwirtschaft im Rems-Murr-Kreis (AWRM) getroffen: Zahlreiche Menschen begannen im Lockdown, Keller und Garagen zu entrümpeln und mit ihrem Krempel zu den Deponien zu fahren. An den Einrichtungen herrschten dann angesichts des großen Andrangs mitunter chaotische Zustände. Abstand halten? Sicherheitsvorkehrungen beachten? Fehlanzeige. Der Landkreis reagierte mit einer drastischen Maßnahme: Deponien, Wertstoffhöfe und Häckselplätze wurden erst einmal für den Besucherverkehr komplett geschlossen.

Als dann die ersten Lockerungen kamen, ergab sich das nächste Problem: Weil bei den jeweiligen Öffnungszeiten immer nur wenige Anlieferer gleichzeitig auf die Anlagen gelassen wurden, bildeten sich auf den Zufahrten teils kilometerlange Staus. Vor der Deponie Eichholz in Winnenden kam so der Verkehr zeitweise komplett zum Erliegen. Polizei und Stadtverwaltung hatten größte Mühe, die Situation auf der Umgehungsstrecke mit Sonderregelungen für den samstäglichen Anlieferverkehr in den Griff zu bekommen. Lange Staus, beträchtliche Wartezeiten und Behinderungen gab es auch bei der Deponie Steinbach. Dort trafen die coronabedingten Verschärfungen überdies mit den laufenden Bauarbeiten zur Abdichtung des Deponiealtteils zusammen. Und weil ausgerechnet im Frühjahr auch noch die Grünguthäckselplätze geschlossen waren, wussten viele Bürger nicht mehr, wohin mit ihrem Strauchschnitt.

Diese Probleme riefen die Backnanger Kommunalpolitik in Gestalt des Bürgerforums auf den Plan. Stadträtin Charlotte Klinghoffer legte einen Antrag an die Stadtverwaltung vor, in dem sie zweierlei ansprach: zum einen die Situation rund ums Grüngut und zum anderen die Nöte für Anlieferer an der Deponie.

Weite Wege zu auswärtigen Plätzen sind Klinghoffer ein Dorn im Auge.

Den Backnanger Bürgern müsse dringend eine neue Anlieferungsstelle für Grüngut zur Verfügung gestellt werden, sagt Klinghoffer im Hinblick auf die vorübergehend geschlossene Annahmestelle auf der Biovergärungsanlage in Neuschöntal. Diese Station ist zwar inzwischen wieder geöffnet, wie Stefanie Baudy von der AWRM erklärt. Dennoch hält Klinghoffer an der Idee fest. Sie plädiert dafür, einen Standort im Bereich zwischen der Stadt und den südlichen Stadtteilen zu suchen. Denn den Backnangern stünden alternativ zu Neuschöntal derzeit nur die Deponie oder die Häckselplätze im Umland mit relativ weiten Anfahrtstrecken zur Verfügung – und das sei ja wohl nicht im Sinne des Klimaschutzes und der Luftreinhaltung, sondern „geradezu eine Zumutung“. Und im Hinblick auf die Deponie würde ein zusätzlicher Standort auch eine Entlastung bringen.

Gleichzeitig macht sich die BfB-Fraktionsvorsitzende für längere Öffnungszeiten auf der Deponie stark. Dass die Anlage wochentags bereits um 16.30 Uhr schließt, sei für die arbeitende Bevölkerung wenig passend. Die Menschen seien deshalb auf die Samstage angewiesen – und da ist um 12.30 Uhr Schluss. Folglich sei es kein Wunder, dass der große Andrang Staus produziert. Die Stadtverwaltung solle daher mit der AWRM in Verhandlungen treten, um die Öffnungszeiten attraktiver zu gestalten und zu verlängern – beispielsweise wöchentlich einmal an den Wochentagen und zusätzlich an den Samstagen, insbesondere im Frühjahr/Sommer. Klinghoffer: „Um wilden Müllablagerungen und illegalen Entsorgungen in unserer Stadt entgegenzuwirken, muss gehandelt werden.“

Der BfB-Antrag wird inzwischen, wie die städtische Pressesprecherin Christine Wolff erklärt, „verwaltungsintern beraten“. Außerdem stehe die Stadt diesbezüglich in Kontakt mit der AWRM.

Dabei könnten sich durchaus Möglichkeiten ergeben. Die AWRM will nämlich, wie Stefanie Baudy sagt, das Abfallwirtschaftskonzept komplett überarbeiten. In diesem Zuge soll überprüft werden, ob das Angebot noch den Bedürfnissen und Erfordernissen entspricht, oder ob Änderungen vorgenommen werden müssen, ob Angebot und Nutzung zusammenpassen, wo eventuell erweitert und wo gestrichen werden sollte. Momentan sei, so Baudy, „noch alles offen“. Wie lange es dann allerdings dauert, bis Änderungen umgesetzt werden, muss sich weisen. Einstweilen weist die AWRM-Sprecherin auf die bestehenden Angebote hin.

Dass die Grüngutannahmestelle in Neuschöntal nur samstags geöffnet ist, hängt laut Baudy mit dem Betrieb auf der Biovergärungsanlage zusammen. Dort herrscht an Wochentagen ein reger Anlieferverkehr mit schweren Lastwagen, die Biomüll aus dem ganzen Rems-Murr-Kreis herankarren. Müllfahrzeuge und Privat-Pkws sollen sich aber nicht ins Gehege kommen. „Wir haben relativ viele Plätze“, verweist Baudy auf Alternativen. Je nach Lage könnten für Backnanger außer der Deponie auch die Grünguthäckselplätze in Aspach und Weissach infrage kommen. Zudem organisiere die AWRM zweimal jährlich – im Frühjahr und im Herbst – Grüngutsammlungen. Was die Deponie Steinbach betrifft, unterstreicht Baudy, dass die Mitarbeiter auch situationsbezogen reagieren: Wer nur Wertstoffe bringt und nicht auf die Waage muss, werde im Interesse einer zügigeren Abwicklung mitunter vorbeigeleitet. Staus ergäben sich auch häufig erst, wenn es Richtung Mittag geht, weil viele Leute kurz vor Schluss kommen. Davor – zwischen 9 und 10.30 Uhr – sei die Lage oft recht entspannt. Abgesehen davon, so Baudy weiter, könnten Privatleute mit ihren Wertstoffen in Backnang auch auf den Recyclinghof kommen.

Auf der Deponie können Privatleute nicht nur Müll loswerden, sondern auch Wertstoffe und Altgeräte, beispielsweise Elektroschrott. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Auf der Deponie können Privatleute nicht nur Müll loswerden, sondern auch Wertstoffe und Altgeräte, beispielsweise Elektroschrott. Foto: A. Becher

Die aktuellen Öffnungszeiten

Grüngutannahmestelle in Neuschöntal: samstags von 8.30 bis 12.30 Uhr (Dezember bis Februar geschlossen).

Grünguthäckselplatz Aspach im Fautenhau: samstags von 12 bis 16 Uhr, ferner von Mai bis Oktober mittwochs von 17 bis 18 Uhr.

Grünguthäckselplatz Weissach bei Wattenweiler: samstags von 13 bis 15 Uhr.

Mülldeponie Steinbach: montags bis freitags von 8 bis 12 und von 13 bis 16.30 Uhr sowie samstags von 8.30 bis 12.30 Uhr.

Recyclinghof Backnang in der Theodor-Körner-Straße: dienstags von 9 bis 12 Uhr, freitags von 14 bis 17 Uhr und samstags von 9 bis 12 Uhr.

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Erstellt:
3. Juli 2020, 06:00 Uhr

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