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Arbeiten wie im Wohnzimmer

Neues Entwicklungszentrum von Murrelektronik in Oppenweiler fertiggestellt – Unternehmen bleibt auf Wachstumskurs

Der Trend zur vernetzten Produktion beschert Murrelektronik volle Auftragsbücher. Seit 2016 hat das Unternehmen aus Oppenweiler seinen Umsatz um stolze 50 Prozent gesteigert. „Das ist toll, aber es fordert auch das ganze Unternehmen“, sagt Geschäftsführer Stefan Grotzke. Denn die Kapazitäten müssen mit dem Wachstum Schritt halten. Jetzt hat Murrelektronik sein neues Entwicklungs- und Ausbildungszentrum in Betrieb genommen.

Kaum Zeit zum Entspannen im Ohrensessel: Die Murrelektronik-Geschäftsführer Jürgen Zeltwanger (links) und Stefan Grotzke.

© Alexander Becher

Kaum Zeit zum Entspannen im Ohrensessel: Die Murrelektronik-Geschäftsführer Jürgen Zeltwanger (links) und Stefan Grotzke.

Von Kornelius Fritz

OPPENWEILER. Die drei gemütlichen Ohrensessel sind leer. Dabei hätten die Mitarbeiter offiziell die Lizenz zum Faulenzen: „Wenn einem Programmierer gerade die zündende Idee fehlt, kann er sich mal für zehn Minuten hierher zurückziehen und ausruhen“, sagt Jürgen Zeltwanger, der das Unternehmen zusammen mit seinem Geschäftsführer-Kollegen Stefan Grotzke leitet. „Inspirationsraum“ nennen sie bei Murrelektronik die kleine Kammer. Allerdings widerstrebt Müßiggang während der Arbeitszeit wohl der schwäbischen Natur, denn bislang wird der Raum eher selten genutzt. „Die Mitarbeiter müssen sich erst daran gewöhnen“, vermutet der Chef.

Das gilt auch für das Raumkonzept insgesamt. In seinem neuen Entwicklungszentrum, in das Murrelektronik rund 6,5 Millionen Euro investiert hat, verabschiedet sich das Unternehmen von traditionellen Einzelbüros. Stattdessen hat der Backnanger Architekt Klaus Weller in dem kernsanierten und um ein Stockwerk erweiterten Gebäude ein loftartiges Arbeitsumfeld mit verschiedenen Bereichen geschaffen. Neben klassischen Bildschirmarbeitsplätzen gibt es Kommunikationszonen mit Stehtischen, gemütliche Sofaecken sowie schalldichte Glaskabinen, in die man sich zurückziehen kann, um zu telefonieren oder konzentriert zu arbeiten. Da alle Mitarbeiter Laptops haben, können sie ihre Arbeit an jeden dieser Orte mitnehmen.

Offene Räume für eine offene Kommunikation

Die Geschäftsleitung verspricht sich von dem neuen Arbeitsumfeld eine bessere Kommunikation unter den Mitarbeitern. „Manche Dinge kann man jetzt einfach mal schnell besprechen, ohne dass man vorher per Mail eine Einladung verschicken und einen Besprechungsraum buchen muss“, erklärt Zeltwanger. Offene Räume für eine offene Kommunikation, auch zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern. Deshalb gibt es jetzt auch für die Chefs keine Türen mehr, die sie hinter sich zumachen können.

Die Einrichtung erinnert mehr an ein Wohnzimmer als an ein Großraumbüro: Hängelampen statt Neonröhren, Parkett statt Linoleum, die Wände sind mit Lehmputz verkleidet, der für ein besseres Raumklima sorgen soll. „Natürlich geht es um effektives Arbeiten, aber auch darum, dass man sich an seinem Arbeitsplatz wohlfühlt“, sagt Stefan Grotzke. Der Geschäftsführer verschweigt aber nicht, dass es in der Belegschaft auch skeptische Stimmen gab. Manche befürchteten Konflikte durch Lärm und Ablenkung im Großraumbüro. Doch die Sorgen seien unbegründet gewesen, sagt Grotzke. Heute seien die Mitarbeiter, die noch in den alten Büros sitzen, fast neidisch auf die modernen Arbeitsplätze.

Doch Besserung ist auch für sie in Sicht. In den kommenden Jahren werde man auch die alten Gebäudeteile in Oppenweiler Schritt für Schritt renovieren und auf einen vergleichbaren Stand bringen, verspricht Grotzke. Auch für neue Kollegen ist jetzt wieder Platz: Die 140 Arbeitsplätze, die das neue Entwicklungszentrum bietet, sind momentan erst zu 80 Prozent belegt. „Wir haben also noch etwas Luft“, sagt Jürgen Zeltwanger. Trotzdem bereitet man bei Murrelektronik schon die nächsten Baumaßnahmen vor. Die Kantine ist zu klein geworden, erweitert werden muss auch das Logistikzentrum, aus dem täglich rund 2500 Pakete an Kunden in aller Welt verschickt werden. Die Idee, ein ganz neues Logistikzentrum zu bauen, etwa im Gewerbegebiet Zell oder in den Backnanger Lerchenäckern, ist aber wohl vom Tisch. Stattdessen will man bei Murrelektronik nun lieber das bestehende Versandlager erweitern, in das man in den vergangenen Jahren kräftig investiert hatte.

Ein Ende des Booms ist weiterhin nicht in Sicht: „Die Auftragseingänge sind stabil. Wir gehen auch in diesem Jahr von einem zweistelligen Wachstum aus“, sagt Jürgen Zeltwanger. Zum Faulenzen im Ohrensessel wird also wohl auch künftig nicht viel Zeit bleiben.

Wenn es etwas zu besprechen gibt, können sich die Mitarbeiter in eine der gemütlichen Sofaecken zurückziehen. Fotos: Murrelektronik

© Alexander Becher

Wenn es etwas zu besprechen gibt, können sich die Mitarbeiter in eine der gemütlichen Sofaecken zurückziehen. Fotos: Murrelektronik

Info
Murrelektronik

Die Firma Murrelektronik wurde 1975 von Franz Hafner in Oppenweiler gegründet. 2015 zog sich der Firmengründer im Alter von 72 Jahren aus dem operativen Geschäft zurück, das Unternehmen ist aber bis heute im Familienbesitz.

Murrelektronik fertigt elektronische Komponenten für den Maschinenbau. Die Produkte stellen die Verbindung zwischen der Steuerung und den unterschiedlichen Sensoren und Motoren her. „Wir liefern sozusagen die Wirbelsäule der Maschine“, sagt Geschäftsführer Stefan Grotzke.

Das Portfolio umfasst rund 63000 verschiedene Produkte für die unterschiedlichsten Anwendungen. Murrelektronik-Produkte finden sich in kleinen Sondermaschinen ebenso wie in den Produktionsstraßen großer Automobilhersteller.

Murrelektronik ist heute mit 25 Auslandsniederlassungen weltweit tätig. Der Exportanteil liegt bei rund 50 Prozent.

Das Unternehmen beschäftigt rund 3000 Mitarbeiter, davon 650 am Hauptsitz in Oppenweiler. Größere Produktionswerke gibt es außerdem in Stollberg in Sachsen und im tschechischen Stod.

Seit seiner Gründung ist Murrelektronik im Schnitt um mehr als zehn Prozent pro Jahr gewachsen. 2018 lag der Umsatz bei 350 Millionen Euro.

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Erstellt:
26. April 2019, 06:00 Uhr

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