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Auf dem Schulgelände summt es

Rund 50000 Bienen werden von Schülern der Eduard-Breuninger-Schule gehegt und gepflegt – Bald gibt es schuleigenen Honig

Eine Bienenzucht auf dem Schulgelände gibt es eher selten. Schüler des Wirtschaftsgymnasiums an der Eduard-Breuninger-Schule haben dafür gesorgt, dass demnächst schuleigener Honig geerntet wird. Rund 50000 Bienen sorgen für die Produktion, die Vermarktung erfolgt durch die Schüler und nebenbei wurde noch ein Preis gewonnen.

Die Klasse kümmert sich nicht nur um das Bienenvolk– sie haben unter anderem auch eine Insektenwiese angelegt. Dafür werden sie jetzt mit einem Preis ausgezeichnet. Fotos: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Die Klasse kümmert sich nicht nur um das Bienenvolk– sie haben unter anderem auch eine Insektenwiese angelegt. Dafür werden sie jetzt mit einem Preis ausgezeichnet. Fotos: A. Becher

Von Andreas Ziegele

BACKNANG/AUENWALD. Im Garten summt und brummt es, als wir Leon Wallenwein in seinem Heimatort Oberbrüden zum Gespräch treffen. Hier herrscht rund um den Bienenstock reger Betrieb. Der 15-jährige ist einer von vier Schülern, die sich mit ihrem Bienenprojekt um den Eduard-Breuninger-Preis beworben haben und mit weiteren 24 Schülern eine Blumenwiese im Innenhof angelegt, Kindergartenbesuche mit Bastelarbeiten durchgeführt, Plakate zum Thema Insektensterben geklebt und damit den Sozialpreis der gleichnamigen Schule in diesem Jahr auch gewonnen haben.

Auch hier im Garten der Familie Wallenstein im Auenwalder Ortsteil leben Bienenvölker – und von hier startete auch das Projekt. „Ursprünglich sollten die zwei für das Projekt bestimmten Bienenstöcke auf der angelegten Blumenwiese positioniert werden“, sagt Wallenwein. Aber die Schulleitung hatte wegen der Abiturprüfungen Sorge, dass bei geöffneten Fenstern die Bienen den Schülern zu nahekommen könnten. Aufgestellt wurden sie dann am Rande des Schulgeländes. „Dort stören sie nicht und werden auch nicht gestört“, so der Wirtschaftsgymnasiast und zeigt sich mit dem alternativen Standort zufrieden.

Schutz vor Stichen bietet nur die Imkerkleidung

Auf die Idee mit dem Projekt ist Klassenlehrerin Lisa Sinn gekommen. Neben dem sozialen und ökologischen Aspekt, sah sie hier auch die Möglichkeit, die Klassengemeinschaft durch ein solches Projekt zu fördern. Schnell war für das Bienenthema auch ein Experte gefunden. Leon Wallenwein ist seit vier Jahren Imker und bringt die nötige Expertise mit. Mit 11 Jahren hat er sich sein Wissen durch einen Kurs an der Volkshochschule theoretisch erarbeitet und betreibt seither gemeinsam mit seinem Vater die Imkerei in Oberbrüden. Wenn Leon vor Altersgenossen über sein Hobby spricht, löst das in der Regel Verwunderung aus. „Das ist ja echt krass!“ hört er dann oft.

„Die Angst vor Bienenstichen ist berechtigt“, sagt der Teenager. Vor allem Menschen mit einer Allergie sind hier gefährdet. „Ich selbst bin auch schon etwa 50-mal gestochen worden“, sagt er und verleugnet nicht, dass jeder Stich auch bei ihm schmerzhaft ist und er diese nicht gut verträgt. Schützen kann man sich nach seinen Worten mit einem sogenannten Imkerschleier, der vor allem das Gesicht schützt. Handschuhe hingegen sind aus seiner Sicht eher hinderlich, da man hier an Gefühl beim Arbeiten mit dem Bienenstock verliert.

Von Oberbrüden wurden die zwei Bienenvölker an die Schule im Norden Backnangs umgesiedelt, wo sich nun seit Wochen vier Schüler um die Tiere kümmern. „50000 Bienen sind es, die nun hier ihre Arbeit verrichten“, schätzt Wallenwein. „Wirtschaftsvölker“ nennen die Imker deshalb auch Bienenvölker, die zur Honigproduktion genutzt werden.

Ende Mai ziehen die Bienen wieder zurück in die Heimat

Aber Arbeit gibt es nicht nur für die Tiere, sondern auch für die Hobbyimker. „Einmal wöchentlich führen wir eine Schwarmkontrolle durch“, erläutert er weiter und erklärt, was das bedeutet. Der Bienenstock wird geöffnet und die Waben auf Zellen der Bienenkönigin – die auch Weisel genannt wird – sogenannte Schwarmzellen geprüft. Das Auftreten dieser Zellen ist das eindeutige Zeichen, dass ein Bienenvolk in Schwarmstimmung ist. Und dieses Schwärmen gilt es durch Ausbrechen dieser Weiselzellen zu verhindern. Denn verlässt eine Königin mit einem Teil des Volkes den Stock, nimmt sie einen Teil des Honigvorrates mit und eine Zuchtkönigin wäre damit für den Imker verloren, das verbleibende Volk geschwächt.

Demnächst wird es soweit sein und der erste Honig kann geerntet werden. Die Gläser mit den selbstgestalteten Etiketten sind schon bereit und warten jetzt nur noch darauf, gefüllt zu werden. Der Absatz des Honigs ist für die Schüler bereits gesichert. Die 250 Gramm fassenden Gläser werden zum Preis von 2,50 Euro vom Förderverein der Schule abgenommen und, so hofft Wallenwein, von der Schule gekauft und über den Schulshop vermarktet. Der Hobbyimker rechnet mit einem Ertrag von 10 bis 15 Kilogramm. „Das ist jetzt nicht überragend viel, aber dazu war das Wetter zu schlecht. Es hätte mehr Feuchtigkeit gebraucht, um mehr Ertrag zu erzielen“, sagt der Schüler mit Bedauern.

Ende Mai geht es dann für die Bienen zurück in die Heimat und dann in den Wald, da die Tiere dann dort Nahrung finden. Aus Blütenhonig wird dann Waldhonig.

Info: Wer die Geschichte weiterverfolgen will kann dies bei Instagram unter „ebsbeehive“.

Alles, was die Schüler zum Imkern brauchen, stellt Familie Wallenstein zur Verfügung.

© Pressefotografie Alexander Beche

Alles, was die Schüler zum Imkern brauchen, stellt Familie Wallenstein zur Verfügung.

Leon Wallenwein und sein Vater betreiben gemeinsam eine Imkerei in Oberbrüden.

© Pressefotografie Alexander Beche

Leon Wallenwein und sein Vater betreiben gemeinsam eine Imkerei in Oberbrüden.

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Erstellt:
4. Mai 2019, 06:00 Uhr

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