Aufguss erlaubt, Wedeln verboten

Nach dem Freibad nimmt heute auch die Sauna im Wonnemar Backnang ihren Betrieb wieder auf. Allerdings gelten noch etliche Einschränkungen: Unter anderem wurden die Öffnungszeiten verkürzt und die Besucherzahl ist begrenzt.

Ab heute brauchen Elena Hammer und Holger Heidemann ihre Kellen wieder zum Aufgießen. Auf Showeinlagen mit dem Wedeltuch müssen die Saunameister im Moment allerdings noch verzichten. Foto: Wonnemar

Ab heute brauchen Elena Hammer und Holger Heidemann ihre Kellen wieder zum Aufgießen. Auf Showeinlagen mit dem Wedeltuch müssen die Saunameister im Moment allerdings noch verzichten. Foto: Wonnemar

Von Kornelius Fritz

BACKNANG. Es wird wieder heiß in Backnang, und das, obwohl Meteorologen für die nächsten Tage eher moderate Temperaturen ankündigen. Nach fast acht Monaten Coronapause wird im Wonnemar heute erstmals wieder der Saunaofen angeheizt. Knapp drei Wochen nach der Öffnung des Freibads gehen die Betreiber damit den nächsten Schritt zur Normalität. Vorerst noch geschlossen bleibt das Familienbad: Wie im vergangenen Jahr soll der Innenbereich erst nach dem Ende der Freibadsaison öffnen, also voraussichtlich Mitte September.

Obwohl der Sommer nicht unbedingt die Hauptsaison für Saunagänger ist, haben viele Stammgäste schon sehnsüchtig auf diesen Tag gewartet: „Einige haben immer wieder nachgefragt, wann wir öffnen“, erzählt der neue WonnemarBetriebsleiter Markus Dechand und ist mindestens ebenso froh wie die Gäste, dass es nun endlich so weit ist.

Ganz so wie früher wird das Schwitzvergnügen zunächst allerdings noch nicht sein. Das beginnt schon am Eingang, wo alle Saunabesucher den Nachweis erbringen müssen, dass sie getestet, geimpft oder genesen sind. Im Gegensatz zum Freibad gilt diese Auflage für die Sauna trotz niedriger Inzidenzwerte nämlich weiterhin. Wer keine Gelegenheit hatte, sich vorher testen zu lassen, kann dies auch kostenlos vor Ort tun. Man muss dann eben kurz im Foyer warten, bis das Ergebnis vorliegt.

Klötzchen am Eingang regeln, wer in die Schwitzkabine darf.

Zusätzlich gelten weitere Beschränkungen: So dürfen nur maximal 100 Gäste gleichzeitig in den Saunabereich und auch in den Schwitzkabinen selbst ist die Personenzahl begrenzt. Damit das funktioniert, werden die Bademeister an den Eingängen Holzklötzchen in der entsprechenden Zahl auslegen. Wer die Sauna betritt, muss einen Klotz mitnehmen und anschließend wieder zurücklegen. Sind alle Klötze weg, ist der Raum voll.

Aufgüsse wird es zwar geben, allerdings ohne die sonst üblichen Showeinlagen der Saunameister: „Wir dürfen nicht wedeln“, erklärt Markus Dechand. Das Schwingen des Handtuchs dient eigentlich dazu, Hitze und Feuchtigkeit gleichmäßig im Raum zu verteilen, nun wird sich der Wasserdampf wohl unter der Decke stauen: „Die Leute auf den oberen Bänken werden ganz schön schwitzen“, prophezeit Dechand.

Dennoch glaubt er, dass die meisten Saunagäste diese Einschränkung ebenso klaglos hinnehmen werden wie die Maskenpflicht, die in den Umkleiden und im Gastronomiebereich gilt. Schließlich sei vieles schon aus dem vergangenen Jahr bekannt: „Die Leute haben sich mittlerweile daran gewöhnt.“

Keine Vorgabe der Coronaverordnung, sondern die Entscheidung der Betreiber war es, mit reduzierten Öffnungszeiten zu starten. Statt wie früher von 10 bis 22 Uhr wird die Sauna vorerst nur von 14.30 bis 21.30 Uhr geöffnet sein. Damit entfällt auch die Damensauna, die immer am Montagnachmittag angeboten wurde. Anders als in anderen Bädern (siehe Infobox) bekommt man Tickets im Wonnemar aktuell nicht online, sondern nur an der Kasse vor Ort. Das sei noch eine Folge der Insolvenz, erklärt Dechand. Nach dem Eigentümerwechsel sei man auf ein neues Kassensystem umgestiegen, der Ticketshop auf der Homepage sei deshalb leider noch nicht in Betrieb. Der Betriebsleiter hofft aber, dass Online-Buchungen bald wieder möglich sein werden. Das würde auch die Nachverfolgung der Kontakte erleichtern: Bisher müssen die Besucher ihre Adressdaten am Eingang erfassen, entweder auf Papier oder per Handy, auch die Luca-App kann dafür genutzt werden.

Ampel auf der Homepage zeigt aktuelle Auslastung an.

Damit niemand vergeblich anreist, wird es für den Saunabereich – wie schon jetzt für das Freibad – eine Ampelanzeige auf der Wonnemar-Homepage geben. Steht die Ampel auf Grün, gibt es noch genügend Platz, bei Gelb wird es langsam eng, eine rote Ampel signalisiert, dass aktuell keine Gäste mehr eingelassen werden können.

Beim Freibad war das bisher zweimal der Fall, nämlich am vergangenen Samstag und am Sonntag. Um die Mittagszeit waren da bei hochsommerlicher Hitze jeweils 1600 Gäste im Bad – mehr lassen die Betreiber zurzeit nicht rein. Allerdings seien auch später noch Besucher ins Bad gekommen, berichtet Dechand. Sie hätten allerdings warten müssen, bis andere Gäste das Bad verlassen.

An allen anderen Tagen blieb die Besucherzahl aber unter dem Limit. Im Gegensatz zu vielen anderen Bädern will man in Backnang deshalb auf verschiedene Zeitfenster für die Badegäste weiterhin verzichten. Das sorge nur für Unmut, weil sich zu Beginn der „Time-Slots“ meist lange Schlangen vor dem Eingang bildeten und das Warten die ohnehin schon knappe Badezeit weiter reduziere, sagt Markus Dechand. Ein Problem sei es an vollen Tagen allerdings gewesen, die – ebenfalls begrenzte – Personenzahl in den Becken zu kontrollieren. Hier will das Wonnemar nun Armbänder einführen, die jeder, der ins Wasser steigt, anlegen und beim Verlassen des Beckens wieder abgeben muss.

Trotz aller Einschränkungen und Widrigkeiten ist Markus Dechand heilfroh, dass es nun wieder losgeht: „Wir hoffen, dass wir jetzt langsam zu einem normalen Leben zurückkehren“, sagt der Bäderchef. Allerdings hat er auch Zweifel, ob sich das Bad unter diesen Rahmenbedingungen wirtschaftlich betreiben lässt. Man sei deshalb „im ständigen Austausch mit der Stadt“, erklärt er. Die hatte den privaten Betreibern bereits im vergangenen Jahr einen Sonderzuschuss gewährt, um die coronabedingten Einnahmeausfälle auszugleichen.

Saunieren im Rems-Murr-Kreis

Auch im Oskar-Frech-Bad in Schorndorf und im F3 in Fellbach kann man wieder saunieren. In Fellbach ist dafür eine vorherige Online-Buchung nötig. Auch Schorndorf bietet diese Möglichkeit, bei freien Kapazitäten werden dort aber auch Tickets an der Schwimmbadkasse verkauft.

In Schorndorf gibt es für Saunagäste zwei Zeitfenster: das erste von 9 bis 15 Uhr, das zweite von 15.30 bis 22 Uhr. Es dürfen sich maximal 75 Personen gleichzeitig im Saunabereich aufhalten. Das Hallenbad und das Ziegelei-Seebad können Saunagäste aktuell nicht mitnutzen.

Im F3 in Fellbach stehen täglich drei Zeitfenster für jeweils 60 Saunagäste zur Verfügung, nämlich von 9 bis 13 Uhr, von 13.30 bis 17.30 Uhr und von 18 bis 22 Uhr. Innerhalb dieser Zeiträume sind auch Zwei-Stunden-Tickets buchbar. Ein Wechsel in andere Bereiche des Bads ist zurzeit nicht möglich.

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Erstellt:
25. Juni 2021, 06:00 Uhr

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