Automat spuckt Pizzen aus

Seit einigen Monaten steht in Weissach im Tal ein Pizzaautomat, wie es ihn bereits in Waiblingen und Schorndorf gibt. Für die Betreiber, Timo Munz und Ronny Fechner aus Winnenden, ist es ein lohnendes Nebengeschäft. Wie kommen die Pizzen aus dem 24-Stunden-Automaten an?

Die Pizza — hier „quattro formaggi“ — kommt je nach Wunsch heiß oder kalt aus dem Automaten. Man kann die Pizza auch erst daheim aufwärmen und essen. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Die Pizza — hier „quattro formaggi“ — kommt je nach Wunsch heiß oder kalt aus dem Automaten. Man kann die Pizza auch erst daheim aufwärmen und essen. Foto: A. Becher

Von Anja La Roche

Weissach im Tal. Pizza — es soll Menschen geben, die sich täglich davon ernähren. Dank automatisierter Technik ist es den Pizzaliebhabern jetzt möglich, rund um die Uhr eine Pizza zu erhalten, die original und frisch vom Italiener kommt. Seit Ende Juni steht in Unterweissach ein Pizzaautomat von „Pizzalicious“. Dieser befindet sich auf einem Parkplatz in der Beethovenstraße 2. Die Pizzen werden täglich frisch in der Pizzeria „De Felice“ in Winnenden zubereitet. Aus dem Steinofen kommen sie dann in den Automaten, wo der hungrige Kunde seine gewünschte Pizzasorte am Bildschirm auswählt und je nach Wunsch in bar oder mit Karte zahlt. Dann wartet man nur drei Minuten, bis die heiße Pizza im Karton aus einem Schlitz kommt. Damit geht es ab nach Hause, ins Büro oder auf eine Parkbank; je nachdem, wo man die Pizza genießen möchte. Ob Schinken, Champignons oder Käse – je nach Sorte kosten die Pizzen zwischen sieben und neun Euro.

An einem Freitagabend stehen die Freunde Marc Jablonski und Daniel Puchinger aus Heutensbach vor dem Pizzaautomaten. „Ich habe immer Getränke bei dem Getränkemarkt gegenüber gekauft und daher den Automaten gesehen“, sagt Jablonski. Er probiert die Pizza heute zum ersten Mal. Sein Freund hat sie schon einmal getestet und ist sehr zufrieden. „Wenn man’s bestellt, dann schmeckt’s schlechter. Obwohl es genauso teuer ist wie die Pizza aus dem Automaten“, lobt er das Produkt von „Pizzalicious“.

Die Betreiber der Automaten sind hauptberuflich ganz anders unterwegs

Die beiden Betreiber des Pizzaautomaten, Timo Munz (36) und Ronny Fechner (41) aus Winnenden, sind jedenfalls sehr zufrieden. Denn die Pizzaautomaten werden gut angenommen. Die beiden Herren kennen sich vom Verband der Selbständigen. Munz hat einen Schornsteinfegerbetrieb und Fechner einen Hausverwaltungsbetrieb. Die Pizzaautomaten sind eher ein Projekt, das sie nebenher umgesetzt haben, weil ihnen die Idee so gut gefiel. „Manche denken, die Pizzaautomaten sind das Einzige, was wir machen“, erzählt Ronny Fechner. Dennoch freuen sie sich über das große Interesse für die Automaten. „Pizzalicious“ betreibt neben dem Pizzaautomaten in Unterweissach zusätzlich einen in Winnenden und Schorndorf. Ob noch weitere Automaten geplant sind? „Grundsätzlich können wir uns das vorstellen, wenn es einen guten Standort gibt, die Nachfrage wächst und die Qualität der Pizzen nicht darunter leiden würde“, antwortet Fechner.

Jürgen Krach hat den Pizzaautomaten direkt vor der Haustür. Er ist mit Munz verwandt, einem der Betreiber von „Pizzalicious“. Krach ist auch derjenige, der den Parkplatz in Unterweissach als geeigneten Standort vorgeschlagen hatte. Davor habe der Automat an einem etwas versteckten Platz in Waiblingen gestanden. „Hier standen die Leute schon Schlange, um sich eine Pizza zu holen. Besonders die Schönwetterradfahrer am Wochenende“, erzählt Krach. Denn der Standort direkt am Kreisverkehr springe den Vorbeikommenden glatt ins Auge. Für sich und seine Kinder lasse er viel Geld im Automaten, so Krach. Am liebsten isst er dabei Pizza Diavolo. „Ich arbeite oft bis neun oder zehn Uhr. Da gibt es dann keine andere Möglichkeit, um sich schnell etwas Leckeres zu holen.“

Einige Kunden bemängeln in Online-Rezensionen, dass der Teig der Pizzen nicht ganz durch sei. Ronny Fechner weiß um das Problem: „Dadurch, dass die Pizzen handgemacht sind, ist jede Pizza anders. Der Ofen hat aber immer die gleiche Temperatur. Dadurch kann es passieren, dass die Zeit im Ofen mal nicht ideal passt. Das ist eine kleine Schwierigkeit.“ Die meisten sind jedoch vollkommen zufrieden mit dem Produkt. „Geschmacklich zwischen einem Lieferdienst und dem Italiener“, rezensiert ein Kunde. „Absolut klasse“, lautet das Resümee eines weiteren Kunden. Da die Pizzen vom echten Italiener um die Ecke zubereitet werden, stimme eben auch die Qualität, so der Automatenbetreiber Fechner. „Die Leute erwarten das nicht, dass aus einem Automaten so eine gute Pizza kommt.“

Immer mal wieder lassen sich die Betreiber von „Pizzalicious“ etwas Neues einfallen. Im September und Oktober gab es beispielsweise eine Knoblauchwoche und seit dem 2. November gibt es Trüffelpizza mit Parmaschinken oder Salami. Auch vegane und süße Variationen bereicherten schon das Angebot. Es gibt zudem eine schwäbische Version des italienischen Gerichts: Pizza mit Maultaschen. Laut Fechner müssen nur wenige der frischen Pizzen weggeschmissen werden. „Dadurch, dass wir die Nachfrage online einsehen, können wir das Angebot gut anpassen.“ Allerdings produziert jede Pizza Müll, um sie mitnehmen zu können: einen Karton und ein pizzagroßes Stück Alufolie.

Direkt hinter dem Pizzaautomaten befindet sich ein Eisautomat der Firma „Eis-Eisberg“. Auch der Nachtisch ist daher 24 Stunden am Tag sichergestellt. Um unterwegs speisen zu können, sollte man ein Messer mitnehmen, denn die Pizzen sind ungeschnitten. Es lohnt sich auch ein Blick in die App namens „Smart Pizza“. Dort findet man neben den Pizzaautomaten der Umgebung auch den aktuellen Bestand in den jeweiligen Automaten. Vorher also lieber in die App gucken, um nicht umsonst zum Automaten zu laufen.

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Erstellt:
9. November 2021, 06:00 Uhr

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