Backnanger Trio siegt in der Juniorenklasse

Das Juniorteam vom Gymnasium in der Taus hat beim Landeswettbewerb „Formel 1 in der Schule“ den Meistertitel errungen. In ihrem selbst konstruierten Boliden stecken unzählige Stunden Forschung und jede Menge Know-how. Betrieben werden die Gefährte mit einer Gaskartusche.

Frischgebackene Landesmeister (von links): Luka Radenkovic, Anna Reiff und Filip Buteski. Die Gymnasiasten haben mit ihrer Konstruktion und mit ihrem Rennwagen beim Wettbewerb in Fürstenfeldbruck überzeugt. Foto: Alexander Becher

© Alexander Becher

Frischgebackene Landesmeister (von links): Luka Radenkovic, Anna Reiff und Filip Buteski. Die Gymnasiasten haben mit ihrer Konstruktion und mit ihrem Rennwagen beim Wettbewerb in Fürstenfeldbruck überzeugt. Foto: Alexander Becher

Von Simone Schneider-Seebeck

Backnang. Benzinduft in der Luft, knatternde Motoren, unbeschreiblicher Lärm, der in den Ohren dröhnt, wenn die Formel-Piloten so ihre Runden drehen – das alles gibt es bei „Formel 1 in der Schule“ nicht.

Einige der AG-Mitglieder sitzen vertieft an den Laptops, man berät sich untereinander, während die Lehrer Pia Mindermann und Felix Schneider ein Auge auf ihre Schützlinge haben. Dem Eingang gegenüber sind die diesjährigen Preise ausgestellt, die die vier Teams in diesem Jahr gewonnen haben – noch ganz frisch, der Wettbewerb hat erst Mitte Februar stattgefunden. Hervorstechend die Blue Wolves, die das ganze obere Regal einnehmen. Erst seit dem aktuellen Jahr dabei und gleich vier Auszeichnungen nach Hause gebracht.

Motivation: Interesse für die MINT-Fächer wecken

Eine tolle Leistung für Anna Reiff (11), Luka Radenkovic (12) und Filip Buteski (13). Jeder im Team der Blue Wolves hat seinen eigenen Aufgabenbereich. Luka ist sehr interessiert an MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) und fasziniert von Technik und Formel 1. Zudem fährt er selbst Gokart. Er ist der Konstrukteur in der Gruppe. Seine Motivation? Er möchte Interesse für die MINT-Fächer wecken.

Annas Bruder ist bei einem der Seniorteams dabei und da hatte sie sich überlegt, dass sie da auch gern mitmachen würde. Ihr Aufgabenbereich im Team ist alles, was mit Layout und Schreiben zu tun hat. So hat sie das Logo entworfen, das Portfolio und auch den Teamstand gestaltet. „Ich schreibe gern“, verrät sie. Filip interessiert sich wie Luka für die Formel 1. „Ich mag es, Menschen kennenzulernen und ein Teil von einem Team zu sein“, sagt er. Zudem verhandelt er auch gern, gibt er schmunzelnd zu, und ist daher zuständig für die Sponsorengewinnung. Als Team- und Ressourcenmanager achtet er auch darauf, dass jeder im Team seine Aufgaben wahrnimmt.

Erst am Renntag zeigt sich, ob die Berechnungen stimmen Dieser Tage ging es dann zum Wettbewerb nach Fürstenfeldbruck. Und erst beim Wettbewerb hat sich gezeigt, ob die Berechnungen und Simulationen auch in der Realität Bestand haben. Denn im Gegensatz zur echten Formel 1 werden die leichten Miniautos vorher nicht auf einer echten Strecke getestet. Immerhin kostet so eine Startanlage ungefähr 9500 Euro. Es läuft alles über einen Computer ab. Nach 1,088 Sekunden war dann auch alles vorbei – zweitbeste Tageszeit über 20 Meter für das Auto der Blue Wolves, Sieg in der Juniorenklasse. Die Begeisterung leuchtet den dreien auch noch nach einer Woche aus den Augen. Nicht nur, dass die Computersimulationen und Berechnungen sich als erfolgreich erwiesen haben. Denn ein Auto am Bildschirm nutzt in der Realität nicht viel, wenn man es nicht bauen kann. Dazu hat das Team sich selbst Sponsoren gesucht, die die Fertigung der drei Autos (des Rennwagens, eines Ausstellungsstücks und eines Ersatzautos) übernommen haben.

Beim Seniorteam Space Racer sind die Mädchen in der Überzahl. Das Team existiert seit drei Jahren, Larissa und Sonja sind von Anfang an dabei. „Wir sind alle rennsportbegeistert und mögen Technik“, sagt Larissa. Daher habe sie sich sehr gefreut, dass die AG angeboten wurde. Ganz professionell sehen die Mädchen mit ihren Teamshirts aus, auf denen die Sponsorenlogos prangen. Momentan sind sie dabei, einen Windkanal zu bauen, um Autos unter echten Bedingungen zu testen. Bei der Meisterschaft hat ihr Auto 1,26 Sekunden für 20 Meter gebraucht. Das brachte Platz 6 in der Gesamtwertung und Platz 3 unter den baden-württembergischen Teams.

Die Schüler leiten den Rennstall

Felix Schneider unterrichtet Biologie, Deutsch und NWT und ist seit Beginn in der F1-AG dabei: „Selbstständigkeit steht stark im Mittelpunkt. Die Schüler leiten den Rennstall und müssen sich selbst finanzieren.“ Seine Kollegin Pia Mindermann, Lehrerin für Mathe, Physik und IMP weist auf die Vielseitigkeit von F1 in der Schule hin: „Wir brauchen nicht nur Technikinteressierte. Jeder Schüler kann mitmachen.“

Die Teams sind für Entwicklung, Fertigung, Finanzierung und Marketing selbst verantwortlich

Arbeitsgruppe Die AG MINT Formel 1 besteht seit vier Jahren am Gymnasium in der Taus. Seit drei Jahren nehmen die Teams auch schon am Wettbewerb „Formel 1 in der Schule“ teil.

Teams Es gibt vier Teams, die von zwei Lehrern betreut werden. Drei Seniorteams (bis Jahrgang 2008) und ein Juniorteam (ab 2009) haben in diesem Jahr an der Meisterschaft Süd teilgenommen. Die Junioren haben sich dabei mit einem ersten Platz für die deutsche Meisterschaft qualifiziert, die am 12. und 13. Mai in Baden-Württemberg stattfinden wird. Gewonnen hat das Junior-Team Blue Wolves den Konstruktionspreis, es ist Landessieger Baden-Württemberg geworden, gewann den ersten Platz bei der Meisterschaft Süd und ihr Minibolide wurde als schnellstes Auto ausgezeichnet. Zudem hat es den Preis für den besten Teamstand erhalten. Das Seniorteam Space Racer kam auf Platz sechs und errang für Baden-Württemberg dabei den dritten Platz.

Wettbewerb „Formula 1 in Schools“ ist ein internationaler, multidisziplinärer Wettbewerb, bei dem ein Miniatur-Formel-1-Auto (bis 21 Zentimeter, mindestens 55 Gramm schwer) mithilfe einer CAD-Software designt, entwickelt und schließlich gefertigt wird. Das Team, das aus bis zu sechs Mitgliedern bestehen kann, ist verantwortlich für Entwicklung, Fertigung, Finanzierung und Marketing. Zudem müssen die Teams selbst Sponsoren und Partner finden, die bei der Realisierung helfen.

Beim Wettbewerb treten die mit Gaspatronen angetriebenen Fahrzeuge gegeneinander auf einer 20 Meter langen Rennstrecke an. Zur Bewertung zählen des Weiteren noch Technik, Portfolio und Teamstand. Zudem müssen – wie bei den Großen – die Wettbewerbs- und technischen Regeln genau eingehalten werden.

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Erstellt:
28. Februar 2023, 06:00 Uhr

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