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Bahn verfehlt Pünktlichkeitsziel erneut

dpa Berlin. Auf den Weihnachtsverkehr sei man gut vorbereitet, heißt es bei der Bahn. Immerhin. Denn bei der Pünktlichkeit hat sie auch in diesem Jahr ihr Ziel verfehlt. Besser werden soll es mit einem neuen System.

Erneuerung einer Brücke, über die der gesamte Zugverkehr vom Hamburger Hauptbahnhof der Hansestadt in Richtung Süden rollt. Foto: Sebastian Widmann/dpa

Erneuerung einer Brücke, über die der gesamte Zugverkehr vom Hamburger Hauptbahnhof der Hansestadt in Richtung Süden rollt. Foto: Sebastian Widmann/dpa

Warten, warten und bangen um den Anschlusszug: Für die Bahnkunden hat sich die Lage in diesem Jahr nur ein wenig gebessert. Etwas mehr Fernzüge kommen pünktlich an ihre Ziele, fast jeder vierte ICE und Intercity ist jedoch noch immer verspätet. Rund 24 Prozent dieser Züge werden wohl im Jahresdurchschnitt 2019 zu spät gekommen sein.

„Wir werden am Ende um etwa einen Prozentpunkt besser sein als vergangenes Jahr“, sagte Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla am Donnerstag. Damit wird das vergleichsweise bescheidene Ziel von 23,5 Prozent verfehlt. Nun fährt die Bahn ihre Investitionen weiter hoch. Baustellen sollen die Züge aber seltener bremsen.

„Wir haben in diesem Jahr das größte Investitionsvolumen in der Bahngeschichte umgesetzt, mit 10,7 Milliarden Euro“, sagte Pofalla. „Diese Volumen steigen in den folgenden Jahren noch mal um zwei, drei und vier Milliarden Euro.“ Denn im 33 400 Kilometer langen Schienennetz herrscht ein gewaltiger Sanierungsstau. Der Bund geht von 49 Milliarden Euro aus. Der Anteil von Verspätungen als Folge von Baustellen sinkt nach Pofallas Angaben aber.

2019 wurden nach Konzernangaben 1500 Kilometer Gleise und 1600 Weichen ausgewechselt. In 650 Bahnhöfen habe es Modernisierungen gegeben, zahlreiche Brücken seien erneuert worden. Es gab bis zu 800 Baustellen gleichzeitig. „Wir sind bei der Modernisierung des Netzes einen riesigen Schritt vorangekommen“, sagte Pofalla.

Dort wo besonders viele Züge fahren, will die Bahn Staus auf der Schiene mit einem neuen System verhindern: Spezialisten aus den verschiedenen DB-Sparten und von anderen Eisenbahnunternehmen versuchen gemeinsam, Züge durch diese Flaschenhälse zu leiten - etwa indem sie pünktlichen Zügen Vorrang geben vor denen, die schon Verspätung haben.

Das Bahn-Schlagwort für dieses Vorgehen lautet „Plankorridor“. „Wir haben in diesem Plankorridoren eine Auslastung von bis zu 140 Prozent“, sagte Pofalla. „Und jede kleinste Störung führt dann zu komplexen Folgestörungen.“ Dann könnten sich Züge im gesamten Netz verspäten.

Der erste „Plankorridor“ wurde im November 2018 zwischen Köln und Dortmund eingerichtet, der nach Konzernangaben engsten Stelle im Bahnnetz. Dort sei es den Teams gelungen, dass 6000 Züge den Korridor pünktlich verlassen haben, die ihn zuvor verspätet erreicht hätten. Im nächsten Jahr solle die Zahl verdoppelt werden.

Einen zweiten Plankorridor gibt es seit dem Frühjahr zwischen Fulda und Mannheim, weitere werden nun um Hamburg sowie zwischen Würzburg und Nürnberg eingerichtet. Dafür werden jeweils 20 Millionen Euro investiert.

Staus auf dem Schienennetz und Mängel bei Fahrzeugen hatten vergangenes Jahr dazu geführt, dass die Pünktlichkeit bei der Bahn eingebrochen war. Die Bahn senkte daraufhin ihre Ziele. Konzernchef Richard Lutz wurde zu Krisengesprächen ins Verkehrsministerium einbestellt. In der neuen Konzernstrategie nahm die Bahn endgültig Abschied von internationalen Expansionsplänen und setzte den Fokus auf die Eisenbahn in Deutschland. Erst am Mittwoch hatte Lutz aber gewarnt: „Es wird nicht in zwei, drei Jahren alles perfekt.“

Pofalla bekräftigte das Ziel, dass im nächsten Jahr höchstens 22 Prozent der Fernzüge zu spät kommen sollen. Dabei werden nur die Züge gezählt, die mindestens sechs Minuten zu spät kommen.

Bis 2030 kann die Bahn nach eigenen Berechnungen rund 170 Milliarden Euro aus verschiedenen Töpfen verbauen. Der größte ist die Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung mit dem Bund, die 86 Milliarden Euro für Erhalt und Instandsetzung sichert, davon 62 Milliarden Euro aus der Bundeskasse. Der Vertrag wurde laut Pofalla am Mittwoch unterzeichnet.

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Erstellt:
5. Dezember 2019, 16:55 Uhr

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